Südafrika - Markt Nr. 1 in Afrika

Exporte in die meisten Länder Afrikas stagnieren - EU verhandelt über Freihandelsabkommen mit den Maghrebstaaten

Wien (PWK) - Auf den afrikanischen Kontinent entfällt nur ein relativ geringer Anteil des österreichischen Außenhandels, konstatiert Peter Schnitt von der Wirtschaftskammer Österreich bei der Außenhandelstagung "Afrika" in Wien, an der die Handelsdelegierten aus Johannesburg, Tripolis, Algier, Lagos, Casablanca, Tunis und Harare teilnehmen (Ägypten ist diesmal nicht dabei). 1996 hatte knapp ein Prozent der österreichischen Gesamtexporte, was einem Wert von rund 5,2 Mrd S entspricht, diese Region zum Ziel. Weniger als zwei Prozent der Gesamtimporte (12,1 Mrd S) stammten von dort. ****

Das österreichische Passivum im Handel mit Afrika ist laut Schnitt vor allem auf die hohen Erdölimporte (aus Nigeria, Libyen und Algerien) zurückzuführen. Ins Gewicht falle auch, daß die Exporte in die meisten Länder stagnieren bzw. abnehmen. Letzteres sei nicht nur durch die politische und wirtschaftliche Unsicherheit der Märkte bedingt, sondern auch durch die starke Orientierung der österreichischen Unternehmen auf Osteuropa und auf die EU. "Für entfernte und schwierige Märkte wie jene Afrikas bleibt da nur wenig Kapazität. Umso wichtiger ist die Unterstützung durch die Außenhandelsstellen" (Schnitt).

Einen "Lichtblick" für die österreichische Außenwirtschaft stellt die Republik Südafrika dar. Die heimischen Exporteure haben den Importsog, der durch die Öffnung des südafrikanischen Marktes entstanden ist, gut genützt, erklärt Schnitt. Mit einem Exportvolumen von rund 1,8 Mrd S ist Südafrika der wichtigste Abnehmer österreichischer Waren auf dem ganzen Kontinent. Schwerpunkte bilden Produkte für die Eisen- und Stahlindustrie sowie Zulieferungen für den Bergbau. Die Importe aus Südafrika, die ebenfalls bei rund 1,8 Mrd S liegen, bestehen vorwiegend aus Rohstoffen (Erze, Mineralien), Obst und Gemüse.

Die Europäische Union erwartet von Südafrika noch im Laufe des heurigen Jahres Antwort auf ihr Angebot eines Freihandelsabkommens. Das Abkommen sieht unter anderem die Reduktion der hohen südafrikanischen Importzölle für industriell-gewerbliche Produkte vor, was für die österreichischen Lieferungen, die zum Großteil aus Investitionsgütern bestehen, Vorteile bringen würde.

Mit Tunesien, Marokko und Jordanien hat die EU bereits Freihandelsabkommen abgeschlossen, mit Algerien, Ägypten, dem Libanon und Palästina werden Verhandlungen geführt. Später soll es zu Freihandelsabkommen der südlichen Mittelmeer-Anrainerländer untereinander kommen mit dem Ziel eines großen Euro-Mediterranen Wirtschaftsraumes. Zur Unterstützung der strukturellen Entwicklung dieser Länder bietet die EU im Rahmen ihres Programmes MEDA Projektfinanzierungen an.

Die Konvention von Lom‚ verbindet die EU mit den mehr als 70 Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifischen Raumes. Die Länder Afrikas südlich der Sahara sind fast ausschließlich Mitglieder dieses Präferenzabkommens, welches diesen Ländern den Zugang zum EU-Markt erleichtert. Für technische und finanzielle Entwicklungshilfe hat die EU Mittel in Höhe von rund 160 Mrd Schilling (für den Zeitraum 1995 bis 2000) zur Verfügung gestellt. Seit April 1997 ist Südafrika - wenn auch eingeschränkt - am Lom‚-Abkommen beteiligt.

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Mag. Christian Harm

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