Entschädigung für homosexuelle NS-Opfer durch den Nationalfonds

Wien (OTS) - Auf Vermittlung und mit Unterstützung der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien wurde vor kurzem einem Oberösterreicher, der unter den Nazis wegen seiner Homosexualität inhaftiert war, eine Entschädigung aus dem Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus gewährt. Dieser Nationalfonds wurde bekanntlich 1995 geschaffen, um an jene Opfer eine wenn auch beschränkte Wiedergutmachung zu leisten, die vom Opferfürsorgegesetz nicht berücksichtigt werden, darunter die wegen ihrer "sexuellen Orientierung" vom NS-Regime Verfolgten. Der jetzige Fall ist das zweitemal, daß ein Homosexueller eine Entschädigung des Nationalfonds erhalten hat.

Aufruf an Betroffene, sich zu melden

In diesem Zusammenhang rufen wir Betroffene, die wegen ihrer Homosexualität im Nazi-Regime im Gefängnis bzw. KZ inhaftiert waren oder auf andere Art verfolgt wurden oder emigrieren mußten, auf, von der Möglichkeit, Entschädigung aus dem Nationalfonds zu erhalten, Gebrauch zu machen und entweder direkt einen entsprechenden Antrag einzureichen oder sich bei der HOSI Wien zu melden, die bei der Antragstellung gerne kostenlos behilflich ist.

Adressen: Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus, Doblhoffgasse 3, 1017 Wien, Tel.: 408 12 63; HOSI Wien, Novaragasse 40, 1020 Wien, Tel./Fax: 545 13 10.

Wir ersuchen alle Medien dringend, diesen Aufruf in ihre Berichterstattung aufzunehmen, denn nur dadurch besteht eine Chance, die wenigen noch lebenden Betroffenen zu erreichen. Vielen Dank!

Entschädigung "light"

"Bei der Entschädigung aus dem Nationalfonds handelt es sich zwar um eine Entschädigung "light", für die soziale Bedürftigkeit Voraussetzung ist und auf die kein Rechtsanspruch besteht, aber der Fonds erledigt die Ansuchen sehr unbürokratisch", konstatiert HOSI-Wien-Obfrau Waltraud Riegler. "Natürlich wäre es uns lieber, wären wegen ihrer Homosexualität Verfolgte auch im Opferfürsorgegesetz als Opfer anerkannt, aber eine entsprechende Novelle scheiterte vor zwei Jahren an der ÖVP und FPÖ", ergänzt Obmann Christian Högl.

SS-Wärter bessergestellt als ihre Opfer

"Dies hat dazu geführt, daß etwa österreichische SS-Aufseher ihre Dienstzeit im KZ auf die Pension als Ersatzzeiten angerechnet bekommen, während für ihre Opfer die KZ-Haft verlorene Versicherungszeit darstellt", weist Generalsekretär Kurt Krickler auf eines der dunkelsten Kapitel österreichischer Wiedergutmachungsgeschichte hin: "Jedes Monat, wenn diese Menschen ihre niedrigere Pension erhalten, werden sie an dieses himmelschreiende Unrecht erinnert".

Gezeichnet: HOSI Wien - 1. Lesben- und Schwulenverband Österreichs

Rückfragen & Kontakt:

HOSI Wien
Waltraud Riegler, Obfrau
Tel.: 408 06 95/20
Ing. Christian Högl, Obmann
Tel.: 52515/114
Mag. Kurt Krickler, Generalsekretär
Tel.: 545 13 10

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