Leichter Aufwind in der Industriekonjunktur

Industrie wächst um 3 %, Bruttoinlandsprodukt aber nur um 1,4 %

Wien (PWK) - "Ein leichter Aufwind zeichnet sich in der Industriekonjunktur ab. Die Produktionsentwicklung läßt Optimismus zu. Die industriellen Fachverbände melden weitgehend positive Entwicklungen" erklärte Joachim Lamel, Syndikus der Bundessektion Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich, im Rahmen einer Pressekonferenz über die Industriekonjunktur im Frühjahr 1997. ****

"Vor allem die Exporte tragen zur Verbesserung der Situation bei. Österreich konnte an der Beschleunigung des Wachstums des Welthandels partizipieren. Die Auftragsentwicklung kann gegenüber der Produktionsentwicklung jedoch noch nicht als gut bezeichnet werden," so Lamel. Gerade der Export müsse durch eine kluge Wirtschaftspolitik weiter gefördert werden. Allerdings ermöglichen nur konkurrenzfähige Preise den Export. Zusätzliche Belastungen der heimischen Industrie könnten weder auf die Preise überwälzt werden, noch von den Unternehmen selbst finanziert werden. "Deshalb ist eine wettbewerbsorientierte Politik gefragt", sagte Lamel. Es müsse zu denken geben, daß alle jüngsten internationalen Vergleiche der Wettbewerbsfähigkeit ein Zurückfallen Österreichs zeigen. Daraus sei zu schließen, daß die Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit nicht zügig genug modernisiert wurden.

"Der Kostendruck, den österreichische Unternehmen zu tragen haben, kann nur durch eine Produktivitätssteigerung aufgefangen werden. Jedoch darf nicht übersehen werden, daß damit meist keine Produktionserhöhungen verbunden sind, sondern vielmehr eine konstante Produktion bei Abnehmen der Beschäftigtenzahlen. Sollte sich der Kostendruck fortsetzen, wird es weitere Betriebsschließungen, bzw. Auslagerungen geben," warnte Prof. Dr. Werner Clement, Vorstand des Industriewissenschaftlichen Institutes. Um nicht weiterhin Beschäftigte in der Industrie zu verlieren, ist dem Bürokratieabbau und den Lohn-, Infrastruktur- sowie anderen Standortkosten höchstes Augenmerk zu widmen, ergänzte Clement.

"Die Industrie wird heuer mit 3 % Wachstum Motor der Wirtschaft sein, denn das BIP wird nur um 1,4 % steigen. Die Politik ist deshalb besonders gefordert, diesen Motor nicht zum Stottern zu bringen," warnte Lamel. Bleibt man realistisch, so ist der leichte Konjunkturaufschwung noch nicht dazu angetan, fröhlichen Optimismus zu verstreuen, denn im Vergleich zu den anderen EU-Ländern liegt Österreich heuer nach Italien an vorletzter Stelle in der EU (durchschnittlich 2,0 % BIP-Wachstum). "Wir sind von der Überholspur auf die Kriechspur eingeschwenkt. Um uns nicht demnächst am Pannenstreifen wiederzufinden, sollten wir die dringend notwendigen Reformen so rasch wie möglich durchführen", so Lamel. In diesem Zusammenhang müssen auch die Arbeitskosten angesprochen werden, die nicht zuletzt wegen der Lohnnebenkosten die dritthöchsten der EU sind.

Ein Land mit einem permanent hohen Außenhandelsbilanzdefizit kann es sich auf Dauer nicht leisten, zu den Spitzenreitern hinsichtlich der Arbeitskosten zu zählen. Wer dies auf Dauer praktiziert, bekommt massive Beschäftigungsprobleme und wird nicht umhinkommen, starke Einschnitte im Sozialsystem vornehmen zu müssen, wie dies in anderen EU-Ländern der Fall war. Noch könnte Österreich ein Umdenken in diesem Bereich leichter verkraften als manch anderer EU-Staat, forderte Lamel.

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