Risikoprofil gegen den Infarkt

Grado (OTS) - ei der Ärztewoche in Grado geht es um eines der heißesten Themen in der Medizin: Vorbeugung der Herz-Kreislauferkrankungen

"In den vergangenen Jahren haben sich unsere Vorstellungen über die Entstehung der Atherosklerose deutlich gewandelt. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Vorbeugung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen", erklärte der ärztliche Leiter des Rehabilitationszentrums in Großgmain (Salzburg), Univ.-Prof. Dr. Max Pichler, aus Anlaß der "Ärztewoche in Grado" (25. Bis 31. Mai).

Der Hintergrund: Weiterhin verursachen die Herz-Kreislaufkrankheiten in Österreich und in zahlreichen westlichen Industrieländern etwa 50 Prozent der Todesfälle. Dahinter steckt die Atherosklerose, also die "Verkalkung" von Arterien, besonders der Herzkranzgefäße.

"Verkalkung" ist eigentlich das falsche Wort. An Wände der Koronargefäße wird Fett (Cholesterin) aus der Blutbahn aufgenommen. Pichler: "Das nennt man die Fett-Infiltration." Eine besondere Rolle spielt dabei das "böse" LDL-Cholesterin.

Wahrscheinlich - so die neuesten Erkenntnisse - spielt bei den folgenden "Ereignissen" auch eine Entzündungsreaktion eine Rolle. Das eingelagerte Fett wird oxidiert. "Freßzellen" (Makrophagen) wandern in die entsprechende "Region" ein und beseitigen Zellen. Die "Ummantelung" der in der Gefäßwand entstandenen "Fettblase" wird brüchig.

Kommt es zum Riß, entsteht ein Blutthrombus, der das vorher in seiner Durchlässigkeit bereits eingeschränkte Blutgefäß endgültig verstopft. Interessanterweise sind offenbar "harte" durch "Verkalkung" entstandene "Beläge" in den Herzkranzgefäßen weniger gefährlich als solche, die zum Reißen neigen.

Risikoprofil erstellen

Wichtigste Vorsorgemaßnahme laut Pichler: "Von gefährdeten Patienten sollte ein Risikoprofil erstellt werden. Danach wird man bei dem einen Menschen weniger aggressiv vorgehen, beim anderen mehr." Wer auf sich gleich mehrere derartige Risikofaktoren vereinigt, zum Beispiel hohe Cholesterinwerte, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes etc., dem wird der Arzt auch als Gesundem ein restriktiveres "Regime" buchstäblich ans Herz legen, als jemandem, der nur einen Risikofaktor aufweist. Das kann auch Medikamente zur starken Senkung des Cholesterinspiegels, besonders des LDL-Cholesterins, umfassen.

Anders stellt sich die Situation bei bereits Herzkranken dar. Pichler: "In der Sekundärprävention, also wenn jemand zum Beispiel bereits einen Herzinfarkt gehabt hat, hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls viel getan. Hier wird man beispielsweise das Cholesterin stark zu senken versuchen. In den Vereinigten Staaten strebt man hier sogar einen Wert von 'bösem' LDL-Cholesterin von weniger als 100 Milligramm an. Wir sind in Österreich beispielsweise auch mit weniger als 130 Milligramm LDL-Cholesterin zufrieden." Im Endeffekt zählt auch in diesem Bereich das "Machbare".

Wenig Hoffnung auf Früherkennung

Immer wieder tauchen in den Medien auch Meldungen auf, daß man mit modernen bildgebenden Verfahren in Zukunft vielleicht die "Gefäßverkalkung" ohne invasive Verfahren (Angiographie mittels Herzkatheter) möglichst frühzeitig erkennen könnte. Hier ist auch die Rede von der ultraschnellen Magnet-Resonanz-Untersuchung (MMR).

Doch dabei handelt es sich derzeit noch um Forschungsprojekte. Pichler: "In Österreich wird das beispielsweise in Graz und in Innsbruck gemacht. Doch für die breite Anwendung ist es noch zu früh. Die Untersuchungen sind auch ausgesprochen teuer."

So bleibt vor allem eine Konzentration auf die wichtigsten Riskofaktoren: Das Cholesterin (weniger als 200 Milligramm Gesamtcholesterin bei Erwachsenen), das Rauchen (schnell Aufhören!) und der Bluthochdruck ("einstellen" lassen). Gerade bei der Beherrschung überhöhter Blutfettwerte - besonders beim "bösen" LDL-Cholesterin - haben sich durch neue Arzneimittel die Behandlungsmöglichkeiten wesentlich gebessert. Für den Effekt sprechen auch in der medizinischen Wissenschaft mittlerweile "hoch angesehene" Studien. (Schluß)

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