Gewinner und Verlierer des österreichischen Tourismus

Wien (OTS) - Am Montag, 26. Mai 1997, wurden im Rahmen der NÖ Wein Krems '97 in Krems erstmals die Ergebnisse der Studie

"Gewinner und Verlierer des österreichischen Tourismus. -
Die Analyse des österreichischen Sommertourismus
von 1994 bis 1996".

von Ministerialrat Dr. Erich Musyl, Vertreter des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten, Dr. Günther Stummvoll, Abgeordneter zum Nationalrat und Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich und Dr. Volker Fleischhacker, geschäftsführender Gesellschafter des ITR präsentiert.

Die Ergebnisse der Studie:

Sommertourismus allgemein: Rückgang

Der österreichische Sommertourismus hat in den Saisonen 1995 und 1996 weitere massive Nachfragerückgänge (insgesamt 7,7 Mio. bzw. -11,1%) hinnehmen müssen. Seit dem Sommer 1991 büßte die österreichische Tourismuswirtschaft über ein Fünftel (-20,8%) oder 16,2 Mio. ihrer Sommernächtigungen ein. Dies entspricht der Frequenz, die in Kärnten und der Steiermark im Sommer 1996 erzielt wurde. Der Tourismusumsatz verringerte sich im gleichen Zeitraum um 11,4% oder um 11,1 Mrd. Schilling.

Zuwächse in den Märkten Schweiz, Osteuropa und Asien sowie in der Spitzenhotellerie

Die in den beiden vergangenen Saisonen sinkende Gesamtnachfrage zeigt aber strukturell sehr unterschiedliche Tendenzen. Sie ist (weiter) geprägt durch die Einbußen auf fast allen wichtigen Herkunftsmärkten, wobei die einheimischen Sommergäste nun weitaus kräftiger abnehmen, den verstärkten Rückgang bei den deutschen Sommerurlaubern, den kontinuierlichen leichten Zuwachs am Schweizer Markt, die Nachfragesteigerungen von Gästen aus Osteuropa, aber mit weit überdurchschnittlichen Einbußen am wichtigsten Ostmarkt, in Ungarn, den Zuwachs der außereuropäischen Kundschaft, besonders aus Asien, die Nachfragesteigerungen in der Spitzenhotellerie, die bereits auch im Sommer die am stärksten frequentierte Unterkunftskategorie ist, die doppelt so hohen Abnahmequoten wie im Österreich-Durchschnitt in den komfortarmen Unterkünften (1-/2-Stern-Betriebe und Privatquartiere) sowie auf Campingplätzen, das Ende des Nachfragebooms in den mietbaren Ferienwohnungen, die überdurchschnittlichen Einbußen in der Hochsaison, das weiterhin sehr differenzierte lokale bzw. regionale Entwicklungsmuster sowie die unterschiedliche Entwicklung spezifischer Nachfragesegmente. Zu diesem Ergebnis kommt der "Halbjahresbericht Sommertourismus", den das Institut für touristische Raumplanung (ITR) im Aufttrag des Wirtschaftsministeriums fertiggestellt hat.

285 von insgesamt 1.495 Tourismusgemeinden sind die Gewinner. - Sie erhöhen ihre Sommerfrequenz um durchschnittlich 9,3%.

Selbst in der schon fünf Saisonen anhaltenden Nachfragekrise gibt es weiterhin Gewinner. Von den insgesamt 1.495 Tourismusgemeinden konnten 19% oder 285 ihre Sommerfrequenz in den Saisonen 1994 bis 1996 erhöhen, und zwar um durchschnittlich 9,3% oder 0,87 Mio. (ohne Wien sogar 14%), was mit einer Auslastungssteigerung um eine Woche verbunden war. Weitere 90 Gemeinden (6%) konnten ihr Nachfragevolumen halten. In drei Viertel aller Tourismusgemeinden (1.120) betrug der Rückgang im Durchschnitt 15% (-8,7 Mio.). Die Gewinnergebiete des Sommertourismus befinden sich weiterhin primär in den rand- und außeralpinen Regionen, sie sind in der Regel keine allzu nächtigungsstarken Gebiete.

Die Themen "Städte-" und "Weintourismus" legen besonders stark zu

Hier beeinflussen z.T. erfolgreiche spezifische bzw. regionale Nachfragesegmente die großteils positive Nachfragesituation. So wies der Städtetourismus im Jahr 1996 ein Plus von 3,8% gegenüber dem Vorjahr auf, die Weinstraßenregionen ein Plus von 0,2%. Beim Weinstraßentourismus zeigen v.a. Niederösterreich und die Steiermark ein besonders positives Ergebnis. Alle anderen Segmente (Kongreßtourismus, Rand- und außeralpine Regionen, Kur- bzw. Gesundheitstourismus, Dorfurlaub in Österreich, Zweisaisonale bzw. winterdominante Intensivregionen, Nationalparkregionen, Donauraum, Seengebiete) zeigten eine negative Nachfragesituation.

Gewinnergebiete: Pitztal, Sonnenplateau in Tirol sowie Nockberge in Kärnten

Innerhalb der Tourismusintensivregionen Westösterreichs und Kärntens gibt es wieder Gewinnergebiete, nämlich das Pitztal und das Sonnenplateau in Tirol und das Gebiet Nockberge in Kärnten. Charakteristisch für die Tourismusintensivgebiete ist, daß in vielen Gemeinden (149) die Qualitätshotellerie mitunter starke Sommerfrequenzzuwächse erzielen konnte.

Stellungnahmen im Rahmen der Expertendiskussion anläßlich der NÖ Wein Krems '97:

Ministerialrat Dr. Erich Musyl, Vertreter des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten:

Aufgrund der ernsten Lage der Österreichischen Tourismuswirtschaft hat das BMwA mehrere Studien zur Analyse und Problembewältigung der rückläufigen Tourismusnachfrage ausarbeiten lassen. Seit dem Frequenzhöhepunkt in den Tourismusjahren 1991/92 sank der jährliche Touristenumsatz von rund 190 Mrd. Schilling auf 179 Mrd. Schilling, das Nächtigungsvolumen von 130 Mio. auf knapp 113 Mio. im Jahr 1996. Trotz des Rückgangs ist Österreich noch immer das tourismusintensivste Land im internationalen Reiseverkehr. So betrugen in Österreich im Jahr 1996 die Pro-Kopf-Einnahmen aus dem internationalen Reiseverkehr rund 18.400 Schilling, an zweiter Stelle folgte die Schweiz mit Pro-Kopf-Einnahmen in der Höhe von 13.000 Schilling. Der europäische Durchschnitt lag bei 4.400 Schilling.

Trotz der österreichweiten massiven Nächtigungsrückgänge gibt es eine bedeutende Anzahl von Tourismusgebieten bzw. -gemeinden, die weiterhin positive Nachfrageergebnsse erzielen. Der Erfolg auf Gebiets-, Orts- und Betriebsebenen ist nicht einfach zu erreichen. -Es können zwar Hinweise gegeben, er kann jedoch nicht global identifiziert werden. Die Analyseergebnisse und die Recherchen in den zahlreichen Gewinnergemeinden bestätigen nämlich sehr deutlich, daß es den einzigen, entscheidenden 'Erfolgsfaktor' nicht gibt. In der Regel ist ein ganzes Bündel von Faktoren für den Tourismuserfolg verantwortlich."

Dr. Volker Fleischhacker, geschäftsführender Gesellschafter des ITR:

"Die ergänzenden ITR-Recherchen bestätigen, daß der touristische Erfolg auf Betriebs-, Orts- oder Gebietsebene immer deutlicher von der hohen Qualität des Angebotes, vom hohen Engagement der Unternehmer, der örtlichen/regionalen Kooperation und einem besonders kreativen Marketing bestimmt wird. Umgekehrt gefährden bzw. verhindern in der derzeitigen Nachfragesituation markante Defizite/Schwachstellen in nur einem Bereich der lokalen/regionalen Tourismuswirtschaft ein erfolgreiches Abschneiden."

Dr. Günther Stummvoll, Abgeordneter zum Nationalrat und Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich:

"Auch der Kurtourismus geht leider zurück, weil doch sehr viele Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz fürchten und deshalb keine Kur in Anspruch nehmen. Jedoch ist bemerkenswert, daß sowohl der private Gesundheits- als auch der Kurtourismus (Selbstzahler) zugenommen hat."

Helga Figl, Landesvorsitzende der Österreichischen Hotelier-Vereinigung (ÖHV) Niederösterreich:

"Die Präsentation der Studie 'Gewinner und Verlierer. Eine Analyse des Sommertourismus 1994 bis 1996 in Österreich", im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Angelegenheiten war eine wichtige Bereicherung für die im Rahmen der NÖ Wein Krems '97 stattgefundenen fachlichen Rahmenveranstaltungen. Ich freue mich für Krems und für Niederösterreich, daß die Wachauer Messe AG mit diesen Akzenten neue Wege beschritten hat, die dem wirtschaftlichen Zeitgeist entsprechen und dazu anregen, neue Impulse und Schwerpunkte zu setzen. Besonders für das Fachpublikum war die NÖ Wein Krems '97 sehr interessant und gut gemacht, die Art der Verkostungen und Degustationen hatten hohes Niveau.

Die hochkarätige Präsentation des Ministerialrates Dr. Musyl und des Nationalrates Dr. Stummvoll gab Aufschluß über die derzeitige Situation im Tourismus - ohne Schönfärberei, stark faktenbezogen, aber mit dem Ziel, die touristischen Unternehmer zu neuem Mut und Zeitgeist zu motivieren. Denn die ITR-Untersuchung hat sehr deutlich aufgezeigt, daß man - in der derzeit schwierigen Situation - auch weiterhin erfolgreich reüssieren kann. Immerhin waren in den beiden vergangenen Jahren (Sommersaisonen) ein Viertel aller Tourismusgemeinden erfolgreich."

Wolfgang Hauer, Vorstandsdirektor der Wachauer Messe AG Krems und Veranstalter der NÖ Wein Krems '97:

"Der Besucherandrang von Weintouristen auf der NÖ Wein Krems '97 vom 23. bis 25. Mai 1997 bestätigte uns den Trend zum Weintourismus in Niederösterreich. Wir werden daher im nächsten Jahr verstärkt Weinerlebnis-Veranstaltungen bieten und diese überregional - etwa auf Messen in Westösterreich, aber auch in Deutschland - bewerben und somit den Weintourismus fördern."

Nachfrageentwicklung
spezifischer bzw. regionaler Nachfragesegmente
Sommer 1991 - 1994 - 1996

1994 - 1996 95 - 96 91 - 96

  • Städtetourismus 1,0% 3,8% -5,4%
  • Weinstraßenregionen -5,0% 0,2% -3,3%
  • Kongreßtourismus (Städte/Orte mit Kongreßzentren/ -häusern) -5,7% -2,0% -15,4%
  • Rand- und außeralpine Regionen -6,0% -2,9% -6,8%
  • Kur- bzw. Gesundheits- tourismus -9,3% -6,1% -16,3%
  • "Dorfurlaub in Österreich" (Spezialisten für natür- liche Vielfalt) -11,0% -9,0% -14,1%
  • Zweisaisonale bzw. winter- dominante Intensivregionen -11,5% -5,4% -21,3%
  • Nationalparkregionen -11,8% -5,4% -21,3%
  • Donauraum (ohne Wien und Linz -12,0% -3,2% -10,5%
  • Seengebiete -16,5% -10,9% -29,2%

Rückfragen & Kontakt:

Wachauer Messe AG, Krems
Fr. Mag. Danner
Tel.: 02732/82000 DW 21

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