Weitere Anzeigen der EBT in der Briefbombencausa: Es wurden hunderte falsche Spuren gelegt

Ein Desinformationskartell blockierte zwei Jahre lang die Arbeit der EBT

Wien (OTS) - Außer gegen den Computerexperten Ing. Gerhard Pawlikowsky, der als Verfasser der letzten beiden Briefbomben-Bekennerbriefe verdächtigt wird, hat die EBT weitere Anzeigen gegen mehrere Personen (darunter auch zwei prominente ORF-Journalisten und ein Beamter des Innenministeriums) bei der Staatsanwaltschaft erstattet.

Das berichtet das morgen erscheinende Top-Magazin des als Lucona-Aufdecker bekanntgewordenen Journalisten Hans Pretterebner.

Die Anzeigen richten sich in erster Linie
gegen den beschäftigungslosen "freien Journalisten" und bisherigen EBT-Konfidenten Klaus Kufner, der sich noch am Montag abend in der Zeit im Bild als "verdeckt arbeitender Briefbombenrechercheur" präsentieren ließ;

gegen den Ex-Forum-Herausgeber und nunmehrigen ORF-Mitarbeiter Gerhard Oberschlick;

gegen den ORF-Redakteur Bernd Ender (bisher Report-Mitarbeiter, seit kurzem in der ORF-Parlamentsredaktion).

Die 40-seitige Sachverhaltsdarstellung der EBT an die Staatsanwaltschaft komme aber auch einer "Selbstanzeige" des Innenministeriums-Beamten Gerhard Koller, der bis vor kurzem Einsatzleiter in der Briefbomben-Sonderkommission war, und des Leiters der Staatspolizie, Peter Heindl, gleich.

Innenministerium und Abwehramt desavouiert

Der EBT-Beamte Gerhard Koller wurde von Kufner bzw. Bernd Ender fälschlich des Amtsmißbrauchs beschuldigt, weil er angeblich Briefbomben-Ermittlungsergebnisse an FPÖ-Klubobmann Ewald Stadler weiterleite. Eine diesbezügliche Meldung wurde von der Abteilung 1 der BPDion Wien an das Innenministerium unter Berufung auf Kufner und Ender erstattet. Bei Hausdurchsuchungen, die schon im Februar d.J. bei Klaus Kufner wegen des Verdachtes durchgeführt wurden, den ehemaligen Südtirolterroristen Emanuel Kubart zur Durchführung eines Sprengstoffanschlages auf das Wiener Russendenkmal angestiftet zu haben, wurden auch Unterlagen sichergestellt, die auf ein enges persönliches Vertrauensverhältnis zwischen Kufner und dem Leiter der Staatspolizei, Peter Heindl, schließen lassen. So ließ Kufner nach der bei ihm erfolgten Hausdurchsuchung dem Stapo-Chef die Nachricht zukommen "Sei Dir der Solidarität der wahren Genossen gewiß. Ich umarme Dich fest. Dein Klaus".

Tatsächlich wurden diese Unterlagen von Kufner jedoch mit Absicht produziert, um den Stapo-Chef zu diskreditieren.

Kufner habe auch die bei der Hausdurchsuchung vorgefundenen Unterlagen, die ihn als langjährigen Mitarbeiter des Heeres-Abwehramtes darstellen, selbst hergestellt und es treffe, laut Top-Magazin, in Wahrheit nicht zu.

Den Briefbomben-Staatsanwalt Sepp-Dieter Fasching verleumdet

Schließlich habe Kufner sogar das Gerücht in die Welt gesetzt, der Briefbomben-Staatsanwalt Sepp-Dieter Fasching habe vor einigen Jahren seine damals erst zwölfjährige Tochter sexuell mißbraucht. Staatsanwalt Fasching hat erst vor wenigen Tagen Verleumdungsanzeige gegen Klaus Kufner erstattet.

Wie aus einer umfangreichen Dokumentation in der Juni-Ausgabe von Pretterebners Top-Magazin hervorgeht, wurde Klaus Kufner über Gerhard Oberschlick, der als Kufners "Führungsoffizier" bezeichnet wird, schon im Jahr 1995 vom damaligen Kabinettchef Innenminister Einems der EBT als "Spitzeninformant" in der Briefbombencausa vermittelt. Mehr als hundert Ermittlungsaufträge des Ministeriums mußten von der EBT auf Grund von Kufner-Recherchen durchgeführt werden. Auch der nunmehr als Bekennerbriefschreiber verdächtige Ing. Gerhart Pawlikowsky wurde der EBT von Kufner schon 1995 als mutmaßliches "Bombenhirn" genannt.

Nun habe sich jedoch herausgestellt, daß Kufner und Pawlikowsky schon seit langer Zeit eng zusammenarbeiten, und daß von Kufner und seinem Umfeld jahrelang falsche Spuren in der Briefbombencausa gelegt worden sind.

Der Schaden, der dadurch verursacht worden sei, gehe in die Dutzende Millionen Schilling. Laut Top-Magazin hätten die Aktionen von Kufner und seinen Helfern dazu gedient, die Arbeit der Briefbombenermittler weitgehend zu blockieren, die Aufklärung zu verhindern und überdies die einzelnen österreichischen Dienste (Abwehramt, Heeres-Nachrichtenamt und Staatspolizei) gegeneinander auszuspielen. Tatsächlich seien in letzter Zeit Ermittlungen des Abwehramtes gegen Beamte des Innenministeriums und umgekehrt geführt worden. Erst kürzlich habe das Innenministerium bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen den Leiter des HNA, Divisionär Alfred Schätz, eingebracht - im Zusammenhaung mit der Südtiroler-Schützen-Affäre, bei der ein gefälschter Stapo-Bericht aufgetaucht sei. Auch in diesem Zusammenhang habe der angebliche Journalist Kufner eine Rolle gespielt.

Vermutungen der EBT, sowohl Gerhard Oberschlick als auch Kufner seien im Auftrag eines ausländischen Nachrichtendienstes in der Briefbombencausa tätig geworden, hätten sich laut Top-Magazin, bisher nicht erhärtet.

Millionenschaden und hauptverantwortlich für bisher erfolglose Fahndung

Kufner sei dem österreichischen Abwehramt vielmehr seit Jahren als "Nachrichtenschwindler" bekannt, und im kriminalpolizeilichen Aktenindex werde er als "gewerbsmäßiger Betrüger" geführt. Überdies leide der an sich "hochintelligente" Kufner am "Borderline Syndrom" und sei auch schon in psychiatrischer Behandlung gewesen.

Kufner sei es allerdings, wie das Top-Magazin berichtet, bisher immer wieder gelungen, sich der Strafverfolgung zu entziehen. Schon vor einigen Jahren sei Kufner angeklagt gewesen, weil er laut Staatsanwalt versucht habe, den grünen Abgeordneten Andreas Wabl zur Zurücklegung seines Nationalratsmandats zu nötigen. Ein Geschworenensenat sprach Kufner aber frei. Zuletzt wurde Kufner am 7. Mai 1997 von einer Millionen-Betrugsanklage im Zusammenahng mit einer von ihm organisierten "Weltkinderkonferenz" freigesprochen, weil der von Kufner angerichtete Schaden vom Bundeskanzleramt, dem Außenministerium und dem Familienministerium aus Steuermitteln zum größten Teil abgedeckt worden sei.

Für den Inhalt verantwortlich: Hans Pretterebner

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