Deutlich schlechtere Qualifikation bei Lehranfängern seit 1991

Trennung der Lehrpläne in Kern- und Erweiterungsbereiche ein erster Schritt zur Verbesserung

Wien (PWK) - "Konnten wir bis zum Jahr 1991 keine auffallenden Verschlechterungen der Kenntnisse von Lehrstellenbewerbern verzeichnen, zeigt sich in den letzten fünf Jahren ein deutlicher Wissenseinbruch, stellt Monika Thum-Kraft vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) anläßlich des Ergebnisses einer seit 1988 in regelmäßigen Abständen durchgeführten Studie über die Kenntnisse von Pflichtschulabsolventen fest. ****

Für die erfolgreiche Absolvierung einer Lehrlingsausbildung sind grundlegende Kenntnisse wie das Beherrschen der Muttersprache, der Umgang mit Zahlen, das Wissen um wirtschaftliche Grundbegriffe und Grundkenntnisse in einer Fremdsprache Voraussetzung", so Thum-Kraft. Wurden bis zum Jahr 1991 in den Gegenständen Mathematik, Deutsch und Geographie/Wirtschaftskunde im Durchschnitt 70 Prozent der Aufgaben gelöst, fielen die Werte 1996 für Mathematik auf knapp unter 60 Prozent, für Deutsch auf 65 Prozent und Geographie/Wirtschaftskunde auf 67 Prozent. Die Ergebnisse in Englisch sind konstant schwach. Im Durchschnitt wird nicht einmal die Hälfte (45 Prozent) der möglichen Punkte erreicht.

Die Annahme, daß der Besuch höherer Schulen zugleich auch bessere Kenntnisse in den sogenannten "Kulturtechniken" mit sich bringt, ist nach den vorliegenden Studienergebnissen nicht mehr zutreffend. Haben 1988 noch mehr als die Hälfte der AHS/BHS Abbrecher Punktewerte zwischen 75 und 100 Prozent erreicht, waren es bei der aktuellen Untersuchung nur mehr 25 Prozent. Ganz deutlich hängt der Leistungsabfall mit der steigenden Bewohnerzahl einer Stadt zusammen. Erreichen in Orten bis zu 2.000 Einwohner noch etwa die Hälfte der Lehrstellenbewerber mindestens 50 Prozent der Punkte, sind es in Wien nur mehr ein Viertel.

Grundrechnungsarten werden noch einigermaßen gut bewältigt, allerdings können nur drei Viertel der Lehrstellenbewerber die Fläche eines rechteckigen Raumes berechnen. Zu einem Bild eine kurze Geschichte von zehn Sätzen möglichst fehlerfrei zu schreiben, können nur mehr dreizehn Prozent. Im Durchschnitt können nur zwei von hundert Getesteten in englisch drei Fragen zu einer kurzen Geschichte richtig beantworten.

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Dr. Monika Thum-Kraft

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