Zur Entwicklung des Steyr-Daimler-Puch Konzerns im Geschäftsjahr 1996 und im 1. Quartal 1997

Wien (OTS) - 1. Konzernaler Geschäftsverlauf 1996

Anhaltend starkes Wachstum des Konzernumsatzes, eine weitere Verbesserung des Konzernergebnisses, die Rückkehr der börsenotierenden Steyr-Daimler-Puch AG in die Gewinnzone und der Abschluß einer tragfähigen industriellen Lösung für die Zukunft der Steyr Landmaschinentechnik Ges.m.b.H. prägten die Geschäftsentwicklung des Jahres 1996.

Mit der mehrheitlichen Abgabe der Steyr Landmaschinentechnik Ges.m.b.H. an Case Corporation, einen der weltweit führenden Landmaschinenhersteller (Jahresumsatz 1996: US Dollar 5,4 Mrd.; 17.500 Beschäftigte), wurde 1996 ein weiterer wesentlicher Schritt zur Strukturbereinigung und Ergebnisverbesserung im Konzern gesetzt und gleichzeitig die Zukunft des Steyr Traktorenbereiches in St. Valentin sowie die Arbeitsplätze der dort beschäftigten Mitarbeiter bestmöglich abgesichert. Schon die Entwicklung des Jahres 1996 zeigte, daß durch die Einbindung in die weltweite Case Vertriebsorganisation wesentliche zusätzliche Umsatzpotentiale für das Traktorenwerk in St. Valentin erschlossen werden. Die zwischenzeitig in Case Steyr Landmaschinentechnik AG umbenannte Gesellschaft errreichte einen Jahresumsatz von ATS 2.530 Mio. und beschäftigt derzeit 546 Mitarbeiter. Case hat darüber hinaus beschlossen, in St. Valentin das Entwicklungszentrum für Traktoren bis 150 PS für den weltweiten Bedarf anzusiedeln.

Dies sowie die positiven Erfahrungen, die in den letzten Jahren bei der Abgabe der Produktionsbereiche Wälzlager an SKF, LKW an MAN und Autobus an Volvo gewonnen wurden, bestätigen den vom Konzern gewählten strategischen Ansatz, auf Dauer nicht mehr allein führbare Produktbereiche in Kooperationen mit marktstarken Branchenpartnern einzubringen. Die Neuausrichtung des Konzerns als Systempartner der internationalen Fahrzeugindustrie ist damit weitgehend abgeschlossen.

Gleichzeitig erzielte der Konzern 1996 auf Basis der in Entwicklung und Vertrieb gesetzten Schwerpunkte ein Umsatzwachstum, das nicht nur ausreichte, die entfallenden Erlöse aus dem Trkatorengeschäft zu kompensieren sondern darüber hinaus eine 7 %ige Steigerung des Geschäftsvolumens auf ATS 11.402 Mio. ermöglichte. Bei Bereinigung des Vorjahreswertes um die Traktorengeschäfte betrug die Umsatzsteigerung in den beim Konzern verbliebenen Geschäftsfeldern 24 %. Damit hat sich das Wachstumstempo gegenüber dem Vorjahr mit seiner 17 %igen Umsatzsteigerung nochmals deutlich erhöht.

Auf Basis dieser expansiven Entwicklung konnten rund 500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, so daß der Mitarbeiterstand des Konzerns bis zum Jahresende trotz Abgabe der Steyr Landmaschinentechnik Ges.m.b.H. um 2 % auf 6.037 Personen anstieg.

Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für konzerneigene Produkte und im Auftrag Dritter wurden 1996 nochmals ganz wesentlich ausgeweitet. Mit ATS 1.187 Mio. lag das gesamte Leistungsvolumen um ATS 426 Mio. (+ 56 %) über dem Vorjahresniveau. Besonders dynamisch entwickelten sich dabei die Engineeringleistungen für bedeutende Automobilhersteller (z.B. Allradversion der neuen Mercedes-Benz E-Klasse, Sportmodelle für Audi), die sich um ATS 423 Mio. (+ 88 %) auf ATS 906 Mio. erhöhten. Für die Zukunft der Unternehmensgruppe kommt dem Bereich Forschung und Entwicklung einschließlich der Engineeringtätigkeit besondere strategische Priorität zu. Hohe Innovationsfähigkeit und -geschwindigkeit sind die Schlüsselkriterien, um in den Kerngeschäftsfeldern des Konzerns am Standort Österreich mit seinem hohen Kostenniveau international wettbewerbsfähig zu sein. Daher soll das Engagement in diesem Bereich in den nächsten Jahren sowohl qualitativ als auch quantitativ weiter systematisch verstärkt werden. In diesem Sinne wurde am 17.4.1997 der Grundstein für ein neues Entwicklungszentrum am Standort Graz gelegt.

Die Einhaltung höchster Qualitätsstandards ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um als Lieferant und Systempartner bestehen zu können. Die Steyr-Daimler-Puch Fahrzeugtechnik AG & Co KG wurde als weltweit erster Automobilhersteller nach der neuen Norm VDA 6.1 zertifiziert und verfügt damit zusammen mit dem EN-ISO 9001-Zertifikat (seit 1993) und dem QS-Zertifikat (seit 1996) über alle Nachweise für die Anwendung der auf dem letzten Erkenntnisstand befindlichen Qualitätsmangementsysteme.

Das Investitionsvolumen des Jahres 1996 lag mit ATS 473 Mio. um 6 % über dem Vorjahreswert und entsprach damit in etwa dem Niveau der Abschreibungen. Mit ATS 331 Mio. entfiel der größte Anteil der Investitionen auf die Steyr-Daimler-Puch Fahrzeugtechnik AG & Co KG.

Die erhöhte Auslastung der Fertigungseinrichtungen hat in Verbindung mit gezielten Kostensenkungsprogrammen eine weitere Verbesserung der operativen Ertragsverhältnisse ermöglicht. Der konzernale Jahresüberschuß hat sich gegenüber dem Vorjahr auf ATS 200 Mio. nahezu verdoppelt (1995: ATS 104 Mio.). Der bilanzielle Cash Flow des Konzerns stieg auf ATS 798 Mio. (1995: ATS 591 Mio.).

Gleichzeitig ist die börsenotierende Steyr-Daimler-Puch AG in die Gewinnzone zurückgekehrt. Als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wird per 31.12.1996 ein Gewinn von ATS 86 Mio. (1995: Verlust von ATS 80 Mio.) ausgewiesen. Nach Berücksichtigung von Ertragssteuern in Höhe von ATS 1 Mio., des Auflösungssaldos aus der Veränderung unversteuerter Rücklagen von ATS 7 Mio. und nach Abzug des Verlustvortrages von ATS 25 Mio. errechnet sich per 31.12.1996 ein Bilanzgewinn von ATS 67 Mio. (1995: Bilanzverlust ATS 25 Mio.). Auf Basis dieses vom Aufsichtsrat am 13.5.1997 festgestellten Jahresabschlusses wird der Vorstand am 17.6.1997 der 115. ordentlichen Hauptversammlung erstmals seit 1991 wieder die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 6 % auf das Grundkapital von ATS 1 Mrd. vorschlagen.

2. Konzernaler Geschäftsverlauf im 1. Quartal 1997

Im laufenden Geschäftsjahr dürfte mit Ausnahme der USA in den Industrieländern, insbesondere in Westeuropa, nur ein sehr bescheidenes Wirtschaftswachstum erzielt werden. Für die Automobilkonjunktur in diesen Märkten wird damit der Ersatzbedarf zum bestimmenden Faktor, so daß insgesamt kaum mit einem Anstieg der Neuzulassungen zu rechnen ist. Ähnliches gilt für den westeuropäischen Traktorenmarkt, dessen Volumen sich in etwa auf dem Niveau des Jahres 1996 stabilisieren dürfte. Vor diesem Hintergrund sind für die qualifizierte Zulieferindustrie im Fahrzeug- und Landmaschinenbereich nur beschränkte Wachstumspotentiale gegeben. Gleichzeitig trägt die zunehmende Globalisierung des industriellen Geschäftes zu einer weiteren Intensivierung des Wettbewerbes bei.

Trotz dieser nur bedingt günstigen Rahmenbedingungen sollte das konzernale Geschäftsvolumen auch 1997 weiter zunehmen. Im 1. Quartal lag der konsolidierte Konzernumsatz mit ATS 2.928 Mio. um 11 % über dem Vorjahreswert. Die Beschäftigungssituation ist im wesentlichen stabil. Per 31.3.1997 beschäftigte der Konzern 5.960 Mitarbeiter.

Obwohl der weiterhin überaus intensive Wettbewerb in den Hauptgeschäftsfeldern des Konzerns nicht ohne Auswirkungen auf die Preisqualität bleibt und die Fortsetzung der konzernalen Entwicklungs- und Marktstrategie erhebliche Aufwendungen erfordert, sollte die erwartete Umsatzsteigerung in Verbindung mit zusätzlichen Maßnahmen zur Kostenreduktion und Rationalisierung eine weitere Stärkung der Ertragskraft ermöglichen. Per 31.3.1997 weisen sowohl der Konzern als auch die Steyr-Daimler-Puch AG ein positives Quartalsergebnis aus.

3. Geschäftsverlauf der einzelnen Konzerngesellschaften und -bereiche

Die Geschäftsentwicklung der einzelnen Konzerngesellschaften und -bereiche stellte sich 1996 und im 1. Quartal 1997 wie folgt dar:

3.1 Steyr-Daimler-Puch AG/Geschäftsbereich Steyr Antriebstechnik

Der Umsatz der Steyr-Daimler-Puch AG wuchs im Jahr 1996 um 20 % auf ATS 3.774 Mio. Im operativen Geschäftsbereich Steyr Antriebstechnik beschleunigte sich das Wachstumstempo nach der letztjährigen Umsatzsteigerung von 28 % im Geschäftsjahr nochmals. Der Bereichsumsatz übertraf mit ATS 1.385 Mio. den Vorjahreswert um 32 %, was vor allem auf zunehmende Lieferungen einer neuentwickelten Generation von Traktorhinterachsen und auf steigende Zulieferungen von Traktortriebwerken an die CASE STEYR Landmaschinentechnik AG zurückzuführen war.

Im 1. Quartal 1997 lag der Bereichsumsatz mit ATS 360 Mio. um 11 % unter dem Vergleichswert des Vorjahres, da insbesondere die Lieferungen bei Traktorhinterachsen reduziert wurden. Der Quartalsumsatz der Steyr-Daimler-Puch AG unter Einbeziehung der Verkaufserlöse aus der Importeursfunktion für FIAT-, LANCIA- und ALFA-Fahrzeuge sowie der stark rückläufigen Aus- und Durchlaufumsätze lag mit ATS 833 Mio. um 25 % unter dem Vorjahreswert.

3.2 Steyr-Daimler-Puch Fahrzeugtechnik AG & Co KG

Nach dem 23 %igen Umsatzanstieg des Vorjahres setzte sich das Wachstum des Unternehmens auch im Geschäftsjahr 1996 mit einer 15 %igen Zunahme der Verkaufserlöse auf ATS 4.843 Mio. fort. Wesentlichster Träger dieser positiven Entwicklung war die Sparte Jeep, deren Umsatz sich auf ATS 1.360 Mio. nahezu verdoppelte. Im November 1996 wurde programmgemäß die Serienfertigung der von der Gesellschaft entwickelten Allradversion (4-Matic), der neuen MERCEDES-BENZ E-Klasse aufgenommen. Die Markteinführung der 4-Matic-Modelle durch MERCEDES-BENZ erfolgte im Februar 1997. Vor dem Hintergrund der erfolgreichen Zusammenarbeit mit CHRYSLER bei den Produkten Voyager und Jeep Grand Cherokee wurde weiters am 5.12.1996 mit CHRYSLER AUSTRIA Ges.m.b.H. ein Vertrag über die Fertigung des Nachfolgemodelles des Jeep Grand Cherokee mit einer Laufzeit von 1999 - 2004 unterzeichnet, der einen wesentlichen Meilenstein für die mittelfristige Absicherung des Konzernstandortes Graz darstellt. Durch die neuerliche Zunahme des Geschäftsvolumens hat sich 1996 die Ertragskraft des Unternehmens wesentlich verstärkt. Die Gesellschaft erzielte als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit einen Gewinn von ATS 463 Mio. (1995: ATS 281 Mio.)

Im 1. Quartal des Jahres 1997 übertraf der Umsatz der Gesellschaft mit ATS 1.415 Mio. den Vorjahreswert um 45 %. Für das Gesamtjahr wird eine Stabilisierung des Geschäftsvolumens auf dem hohen Niveau des Jahres 1996 erwartet, wobei die damit einhergehende gute Auslastung der Fertigungskapazitäten einen angemessenen Gewinn ermöglichen sollte.

3.3 Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeug AG & Co KG

Die planmäßige Auslieferung des Radpanzerauftrages des Österreichischen Bundesheeres prägte die Geschäftstätigkeit der Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeug AG & Co KG im Jahr 1996 und trug wesentlich zur Verdoppelung der Verkaufserlöse auf ATS 925 Mio. bei. Mit dem Radpanzer und dem neuen Kampfschützenpanzer verfügt die Gesellschaft über eine international viel beachtete hochmoderne Produktpalette. Die Armeen der NATO-Staaten Belgien und Spanien haben sich bereits für die Beschaffung des Radpanzers bzw. des Kampfschützenpanzers entschieden. Auch seitens des Österreichischen Landesverteidigungsrates liegt eine Beschaffungsempfehlung für beide Produkte vor. Die Gesellschaft erwirtschaftete im Gesamtjahr 1996 einen Jahresüberschuß von ATS 46 Mio.

Im 1. Quartal 1997 setzte die Gesellschaft ATS 161 Mio. um. Dies entspricht annähernd dem zweieinhalbfachen Vorjahreswert (ATS 67 Mio.).

3.4 Steyr Motorentechnik Ges.m.b.H.

Derzeit bestehen 4 Lizenzverträge über die M 1-Motorentechnologie. Die in diesem Zusammenhang vorgesehene Adaptionsentwicklung wurde im Geschäftsjahr 1996 planmäßig fortgesetzt. Insbesondere wurde im Rahmen eines umfangreichen Flottentests die Dauerhaltbarkeit des M 1-Motors im Fahrzeugeinsatz erneut nachgewiesen. Die weitere Optimierung des Emissionsverhaltens im Hinblick auf eine künftige Herabsetzung der relevanten Grenzwerte bildete einen weiteren Schwerpunkt der Entwicklungstätigkeit. Gegenüber dem Vorjahr steigerte die Gesellschaft ihren Umsatz um 83 % auf ATS 130 Mio. Ende 1996 hat das schwedische Unternehmen HÄGGLUNDS nach intensiven Tests den M 1 für die künftige Motorisierung ihrer Sonderfahrzeugreihe BV 206 ausgewählt.

Das laufende Geschäftsjahr steht vor allem im Zeichen der Vorbereitung des Serienanlaufes der M 1-Fertigung bei GAZ. Versuchsmotoren mit lokal gefertigten Komponenten befinden sich bereits im Testbetrieb. Der Vorserienanlauf der M 1-Montage in Nishny Novgorod ist für Ende 1997 vorgesehen. Dadurch wird ein beträchtliches Potential für die weitere positive Entwicklung der Gesellschaft erschlossen. Der Umsatz des 1. Quartales 1997 betrug ATS 14 Mio. (1995: ATS 45 Mio.).

3.5 Steyr Mannlicher AG & Co KG

Der Umsatz der Steyr Mannlicher AG & Co KG hat sich im Jahr 1996 um 8 % auf ATS 202 Mio. verringert, was vor allem auf die unverändert schwierigen Rahmenbedingungen im Behörden- und Militärgeschäft zurückzuführen ist.

Die im Vorjahr vorgestellte neue Generation von Jagdrepetierern erreichte im 1. Quartal 1997 sukzessive steigende Absatzstückzahlen und trug wesentlich zur 18 %igen Steigerung des Quartalsumsatzes auf ATS 52 Mio. bei.

3.6 Suhler Jagd- und Sportwaffen GmbH

Die schwache Nachfrage auf dem europäischen Markt für qualitativ hochwertige Jagdwaffen führte bei der Suhler Jagd- und Sportwaffen GmbH 1996 zu einem 16 %igen Umsatzrückgang auf ATS 77 Mio. Diese Entwicklung dauerte im 1. Quartal 1997 an.

3.7 Steyr-Automobil-Vertriebs-AG

Die Steyr-Automobil-Vertriebs-Gruppe konnte 1996 an dem durch fiskalische Sondereffekte ausgelösten 10 %igen Wachstum des österreichischen PKW-Marktes überproportional partizipieren, ihren Marktanteil auf 5,4 % ausweiten und gleichzeitig ihren konsolidierten Umsatz um 13 % auf ATS 3.278 Mio. steigern. Nach der bereits im Vorjahr erfolgten Rückkehr in die Gewinnzone erwirtschaftete die Unternehmensgruppe auch 1996 ein positives Ergebnis.

Die seit Jahresmitte 1996 zu beobachtende Abschwächung der Marktentwicklung hat sich im 1. Quartal 1997 mit einem 10 %igen Rückgang der Neuzulassungen fortgesetzt. Dennoch konnte die Unternehmensgruppe ihren konsolidierten Gruppenumsatz mit ATS 922 Mio. in den ersten 3 Monaten auf dem Vorjahresniveau (ATS 927 Mio.) halten. Trotz des zunehmend härter werdenden Verdrängungswettbewerbes erwirtschaftet die Unternehmensgruppe einen angemessenen Gewinn.

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