Starkes Ansteigen der Lehrlingsentschädigungen seit 1990

Ibw-Studie beweist steigende Kostenbelastung der Lehrlingsausbildung - Trendwende notwendig

Wien (PWK) - "Der Trend, daß sich die Lehrlingsentschädigungen von 1990 bis 1996 in der Industrie um 44 Prozent erhöht haben, im Gewerbe und Handwerk um 37 Prozent und im Handel um 32 Prozent -nämlich jeweils über der Zuwachsrate von 30 Prozent bei den Tariflöhnen - muß unbedingt gestoppt werden, wenn wieder mehr Lehrplätze zur Verfügung stehen sollen, stellt Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich unter Bezugnahme auf eine neue Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) fest. ****

"Noch extremer stellt sich die Situation bei der Betrachtung der Verbraucherpreise, die im Vergleichszeitraum um 19 Prozent gestiegen sind, dar. Das bedeutet, daß das Wachstum der Lehrlingsentschädigungen in den drei großen ausbildenden Sektionen weit über eine bloße Inflationsabgeltung hinausging", so Piskaty weiter.

In den Diskussionen über die angespannte Lage auf dem Lehrstellenmarkt werden die Kosten der Lehrlingsausbildung immer wieder als zentraler Faktor für den Umfang der Ausbildungsaktivitäten genannt. Durch die in der ibw-Studie vorgenommene Branchenauswahl Industrie, Gewerbe und Handwerk und Handel wurden etwa zwei Drittel der Lehrlinge erfaßt. Sie zeigt die Veränderungen der Lehrlingsentschädigungen von 1990 bis 1996 auf Basis der Lohn- und Gehaltstafeln der jeweiligen Kollektivverträge. Die Lehrlingsentschädigung von rund 4.800 Schilling im ersten Lehrjahr bis zu 11.700 Schilling im vierten Lehrjahr in der Metallindustrie beispielsweise, stellt für den Lehrling ein Bruttoeinkommen dar, für den ausbildenden Betrieb fallen noch die Lohnnebenkosten wie etwa 32 Prozent Sozialabgaben an, argumentiert Piskaty.

"Die Ergebnisse dieser Studie sind ein wichtiges Signal für die Kollektivvertragspartner, nicht durch eine überproportionale Steigerung der Arbeitskosten Ausbildungsplätze für Lehrlinge zu vernichten", meint Piskaty, da "so stark steigende Lehrlingsentschädigungen nur kurzfristig einen Nutzen für die Jugend haben, mittel- bis langfristig aber zu einer Verknappung des Angebotes an Ausbildungsplätzen führen, wie die aktuelle Entwicklung zeigt". Bei der Betrachtung der absoluten Höhe der Lehrlingsentschädigung müssen auch die hohen Absenzen der Lehrlinge durch den vom Betrieb zu bezahlenden Berufsschulunterricht dazugerechnet werden.

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50105/4072Dr. Georg Piskaty

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