160 Jahre Pädiatrie in Österreich

Wien (OTS) - Unter der Patronanz des österreichischen Familienselbsthilfevereins Kinderbegleitung organisieren die Arge Kinderkrankenpflege Österreich sowie die InitiativGruppe Kinderkrankenpflege Wien in der

Kinderkrankenpflegeschule am AKH

am 6.6.1997 eine Veranstaltung zum Thema

160 Jahre Pädiatrie in Österreich

Enquete zum Berufsbild der Kinderkrankenpflege

Die spezielle pflegerische und medizinische Betreuung von Kindern und Jugendlichen hat in Österreich eine sehr lange Tradition.

Im 19. Jahrhundert kam es zu einer rasanten Entwicklung in der Medizin. Es wurde immer klarer, daß Kinder keine kleinen Erwachsenen sind und medizinisch und pflegerisch in speziellen Stationen und Abteilungen besser betreut werden können.

Parallel zur verbesserten medizinischen Betreuung der Kinder entwickelte sich eine spezielle Betreuung und Pflege, welche Besonderheiten der kindlichen Entwicklung und Bedürfnisse berücksichtigt.

1904 rief Prof. Escherich in Wien den Verein "Säuglingsschutz" ins Leben. 1911 wurd unter seiner Patronanz die erste Säuglingspflegeschule Österreichs im St. Anna Kinderspital gegründet. Prof. Escherich initiierte die Gründung der Reichsanstalt für Mutterschutz und Säuglingsfürsorge in Glanzing. Sie war der Grundstein für die österreichweite Einrichtung von Fürsorgeeinrichtungen, besser bekannt als Mutterberatungsstellen, die nach dem ersten Weltkrieg von Caritas und magistratischen Ämtern der Städte Österreichs geführt wurden und werden. Im 20. Jahrhundert wurden die physischen und psychischen Besonderheiten von Kindern und Jugendlichen erforscht, und es wurden Strukturen geschaffen, die diese Besonderheiten berücksichtigen, z.B. wird die Bezugsperson eines Kindes in der pflegerischen Betreuung uneingeschränkt involviert und akzeptiert.

In Wien und in den Bundesländern wurden an den großen Krankenanstalten Schulen für Säuglings- und Kinderkrankenpflege eingerichtet, um dem Bedarf an pflegerisch speziell ausgebildeten Personal nachzukommen.

Diese positive Entwicklung zum Wohle der Kinder scheint nun am Ende des 20. Jahrhunderts eine Trendumkehr zu erfahren.

Säuglings- und Kinderkrankenschwestern, die sich der jahrzehntelangen Tradition ihrer Arbeit für die Kinder und Jugendlichen bewußt sind, erleben die Schließung von Kinderkrankenpflegeschulen sowie den Trend vermehrt Kinder auf Erwachsenenstationen aufzunehmen, als Bedrohung ihrer eigenständigen Berufsgruppe.

Die Gesetzesreform der Ausbildung für Gesundheitsberufe und die Schaffung einer einjährigen zusätzlichen Sonderausbildung für Kinder-und Jugendlichenpflege mit der Argumentation der EU-Reife, könnte dazu führen, daß die bestehende Basisausbildung zur Kinderkrankenpflegeperson nicht mehr oder nur massiv reduziert angboten wird. Daraus resultiert ein Qualitätsrückschritt in der Betreuung von kranken Kindern und Jugendlichen.

Da Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft kaum eine Lobby vorfinden, sehen die Kinderkrankenpflegepersonen es als ihre Aufgabe, in Form dieser Enquete auf die bedrohten Rechte jedes Kindes auf ganzheitliche, individuelle Pflege und Betreuung durch umfassend ausgebildetes Pflegepersonal hinzuweisen.

Rückfragen & Kontakt:

St. Anna Kinderspital Wien
Pflegedirektorin Maria Jesse
Tel.: 401 70/DW 255
Kinderkrankenpflegeschule AKH Wien
Schuldirektorin Eva Filsmair
Tel.: 40400/DW 7421

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS