Euro-Münzen und Euro-Banknoten: Umstellung schon am 1. 10. 2001?

WKÖ-Vizepräsident Rene Alfons Haiden: Spezielle Informationen über Euro für Jugend, Senioren und Behinderte

Wien (PWK) - In der EU-Kommission in Brüssel wird offenbar überlegt, den Umtausch der europäischen nationalen Währungen in Euro-Banknoten und Euro-Münzen um drei Monate auf den 1. Oktober 2001 vorzuziehen. Rene Alfons Haiden, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich: "Bei einem 'Runden Tisch zu den praktischen Aspekten der Euro-Einführung' in Brüssel - an dem auch die EU-Kommissare de Silguy und Bonino teilnahmen - wurde diese Terminvorziehung jetzt angesprochen und diskutiert. Setzt sich dieser Plan durch, dann gibt es ab 1. Oktober 2001 beim Bargeld zwei Währungen in Österreich, den Euro und den Schilling. Im Zahlungsverkehr gibt es dann aber nur den Euro." ****

Zugleich wurde in Brüssel aber betont, die Dauer der Doppelwährung möglichst auf zwei bis drei Monate zu beschränken. Haiden: "Es soll jedenfalls deutlich geringer als sechs Monate sein." Setzt sich dieser Kurs durch, dann gibt es ab dem 1. Jänner 2002 nur noch Bargeld in Euro.

Österreichs Vertreter bei diesem "Euro-Round Table" sprachen sich wie Interessensvertreter anderer Länder dafür aus, beim ursprünglichen Umtauschtermin, dem 1. 1. 2002, zu bleiben. Ihre Hauptargumente waren: Gerade im letzten Quartal eines Jahres sei der Umlauf an Banknoten besonders hoch. Traditionell sind Mitte Dezember die höchsten Tagesstände zu verzeichnen. Bei paralleler Verwendung von zwei Währungen seien daher die rein technischen Umstellungsprobleme größer. Dazu komme, daß in Österreich im Oktober der Weltspartag sei, das Vorweihnachtsgeschäft anzulaufen beginne und es auch mehr Spendenaktionen gebe.

Ein weiterer Schwerpunkt des Runden Tisches in Brüssel war das Thema "Doppelte Preisauszeichnung". Hier wurde vorgeschlagen, daß die EU-Kommission bis spätestens Mai 1998 Empfehlungen für Rahmenbedingungen erarbeiten soll. Während die Konsumentenschützer eine doppelte Preisauszeichnung je ein halbes Jahr vor und nach der Währungsumstellung verlangen, tritt die Wirtschaft für möglichst kurze Fristen ein. Haiden: "Wir sind auch für das Prinzip der Freiwilligkeit und gegen eine gesetzliche Verpflichtung. Nötig ist ein einfaches, übersichtliches und kostensparendes System. Und nicht zuletzt muß eine doppelte Preisauszeichnung auch die öffentlichen Gebühren und Abgaben mit einschließen." Die Wirtschaft kann sich auch nur ein begleitendes Preismonitoring statt einer staatlichen Preiskontrolle samt neuer Bürokratie vorstellen. Denn, so Haiden, "der Wettbewerb ist der beste Regler des Marktes."

Breit diskutiert wurde in Brüssel auch die Information der Bevölkerung über den Euro. Haiden - er hatte den Vorsitz in der Arbeitsgruppe "Hilfestellung für die Geldbenutzer" - sieht eine große Übereinstimmung in Europa, für die Bürgerinnen und Bürger eine breite Euro-Info anzubieten. Spezielle Zielgruppen seien zudem die Jugend, die Senioren und die Behinderten, wie etwa Blinde oder schwer Sehbehinderte. Deren Anteil an der EU-Bevölkerung entspricht mit ca. 8 Millionen in etwa der gesamten österreichischen Bevölkerung. Gleichzeitig bedürfe es spezifischer Ausbildungsprogramme für die Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung (Finanzämter, Sozialversicherungen), in den Klein- und Mittelbetrieben, in den Banken, Versicherungen und im Handel. Haiden: "Wenn im nächsten Jahr feststeht, wer am Euro teilnimmt, dann müssen wir ab Mai 1998 eine besonders intensive Information für die Bevölkerung anbieten, um die Konsumentenskepsis in bezug auf Wert, Kaufkraft und Kosten des Euro zu beseitigen. Die Information muß sachlich fundiert, glaubwürdig und ehrlich sein. Es sind die wirtschaftlichen Vorteile der Währungsumstellung darzustellen, ohne die Risken zu verheimlichen." Er fordert daher, daß die öffentliche Verwaltung in Österreich bis Ende 1997 gemeinsam mit den Sozialpartnern und den Konsumenten die näheren Details der Währungsumstellung festlegt, "damit die Bürger etwa bei Zahlung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen rechtzeitig wissen, ab wann sie was machen können bzw. etwas nicht mehr machen müssen."

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