EU-Gentechnik-Kennzeichnung ist Täuschung der Konsumenten

Greenpeace fordert raschen österreichischen Alleingang; Kritik am Saatgutgesetz wegen fehlender Gen-Kennzeichnung

Wien/Brüssel (OTS) - Eine bewusste Täuschung der Konsumenten bedeute die morgen, den 15.5.1997 in Kraft tretende EU-weite Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel. ,Ungefähr drei Viertel aller Gentech-Lebensmittel sind von der Kennzeichnung ausgenommen, und beim Rest steht der Irreführung der Konsumenten nichts im Weg. Denn weder die Form der Kennzeichnung noch deren Anbringung ist geregelt", erklärte Greenpeace-Gentechnik-Referent Wolfgang Pekny. So koennten Lebensmittel aus dem Genlabor statt als ,gentechnisch manipuliert" ungestraft als ,biotechnologisch optimiert" gekennzeichnet werden. Die neue Rechtslage bedeutet für Österreich keine Änderung, da die EU-Kennzeichnungsverordnung vorgezogen schon im April in Kraft getreten ist. Scharfe Kritik übt Greenpeace am heute vom Plenum des Nationalrats verabschiedeten Saatgutgesetz.

Greenpeace fordert im Interesse der Konsumenten von der österreichischen Bundesregierung einen raschen österreichischen Alleingang einer vollständigen Kennzeichnung von Gentech-Lebensmitteln. Nur ein solcher Schritt könne verhindern, dass der österreichische Markt von Gentech-Lebensmitteln überschwemmt wird, ohne dass die Konsumenten dies merken.

Für Greenpeace ist eine lückenlose Kennzeichnung von Gentech-Nahrungsmitteln eine Selbstverständlichkeit. Ausreichend wäre eine Kennzeichnung bei weitem nicht, da damit weder weniger informierte Konsumenten noch die Umwelt vor den möglichen Gefahren der Gentechnik geschützt werden koennen. Nur die konsequente Umsetzung der Forderungen des Gentechnik-Volksbegehrens - z.B. Freisetzungsverbot und der Verzicht auf den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und bei Lebensmitteln- kann die nicht absehbaren Auswirkungen hintanhalten.

Scharfe Kritik übt Greenpeace am heute im Parlament beschlossenen Saatgutgesetz. Das Gesetz sieht keine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch verändertes Saatgut vor. Daran sei zu erkennen, wie wenig verantwortungsvoll Regierung und Parlament mit den Forderungen des Gentechnik-Volksbegehrens umgehen. ,Die Zusage der Bundesregierung beim Gentechnik-Gipfel, für eine lückenlose Kennzeichnung zu sorgen, ist offenbar nichts wert", kritisiert Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation appelliert an den Bundesrat, den das Gesetz noch durchlaufen wird, den Mangel des Saatgutgesetzes zu beheben.

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Wolfgang Pekny, Greenpeace Österreich,

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