TV-Media-Interview mit Gerhard Zeiler: Scharfe Worte zur Zukunft des ORF und zu seiner eigenen

Vorausmeldung zu TV-Media 21/97

Wien (OTS) - In der Mittwoch, 14. Mai, erscheinenden Ausgabe von TV-Media erklärt ORF-Generalintendant Gerhard Zeiler: "Ich bin angetreten, die Zukunft des ORF zu sichern. Wenn das aufgrund der Rahmenbedingungen nicht durchführbar ist, werde ich mit Sicherheit aufhören. Zu welchem Zeitpunkt auch immer. Mit Sicherheit."

Zeiler bezieht sich dabei auf die ins Stocken geratenen SP-/VP-Verhandlungen zur ORF-AG. Er bewerte die Chancen für die AG-Lösung nur noch "mit 50 zu 50", verlange aber zumindest "rechtliche Rahmenbedingungen", die es dem ORF ermöglichen, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Zeiler: "Die Expansion in neue Märkte braucht eine neue rechtliche Grundlage, und die läßt auf sich warten."

Zeiler zieht in dem Interview eine positive Bilanz seiner Arbeit als Generalintendant. Er kündigt an, daß im ORF-Geschäftsbericht '96 - der erst im Juni veröffentlicht wird - ein noch höherer Gewinn ausgewiesen werde als die 467 Millionen aus '95. Er habe das durch einen drastischen Sparkurs geschafft ("Wir haben 400 von 3.150 Dienstnehmern abgebaut") und durch höhere Werbeeträge (4,1 Milliarden Schilling) als prognositiziert. Zeiler: "Es ist uns gelungen, die Dynamik der sinkenden Werbeeinnahmen zu verlangsamen." Er kündigt zudem eine Trendwende im laufenden Jahr '97 an: Es sei heute bereits absehbar, daß die ORF-Erlöse aus Werbung '97 höher ausfallen werden als die 4,1 Milliarden als '96.

Trotz des hervorragenden Geschäftsgangs des ORF malt Zeiler für die Zukunft des ORF ein düsteres Bild. Privat-TV und Digital-TV wären für den ORF eine "gigantische Bedrohung". Zeiler: "Wenn sich der ORF auf die Bedrohung nicht rechtzeitig einstellt, dann passiert ihm das, was vielen anderen gesunden Unternehmen in Österreich der letzten Jahre passiert ist: Es kommt der Wind der Konkurrenz - und plötzlich steht man vor dem Konkurs. Vor diesem Schicksal will ich den ORF bewahren und dafür brauche ich die AG."

Zeiler begründet seinen Wunsch nach einer AG auch mit der noch größeren Unabhängigkeit des ORF von den politischen Parteien. Er wolle "betonen, daß Druck auf den ORF heute von allen politischen Parteien ausgeübt wird - mit Ausnahme der Liberalen."

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