Richtig ernährt - sicher am Steuer

Wien (OTS) - Autofahren zählt zwar zu den Tätigkeiten mit nur geringem Energieverbrauch, die muskuläre Beanspruchung durch Lenk-, Schalt-, Kupplungs- und Bremsvorgänge ist kaum von Bedeutung. Die Anforderungen an das Konzentrationsvermögen, die reaktiven und koordinativen Fähigkeiten werden allerdings immer höher. Fahrfehler oder Unfälle sind nahezu ausnahmslos durch die beeinträchtigte persönliche Kondition des Fahrers mitverursacht.

Für einen spritzigen, leistungsfähigen, aber sparsamen und schadstoffarmen Motor sind ausreichende Mengen von hochwertigem Treibstoff und moderne Schmiermittel heute selbstverständlich.

In gleicher Weise sind aber für den aufmerksamen, sicheren und konzentrierten Fahrer mengenmäßig und qualitativ abgestimmte Mahlzeiten und Getränke erforderlich.

Kohlenhydrate: Treibstoff für das Gehirn

Wesentlich sind dabei vor allem Kohlenhydrate, eigentlich Glucose, der durch die Verdauung entstehende Einzelbaustein aller stärkehaltigen Nahrungsmittel. Glucose ist nämlich der einzige "Treibstoff" für die optimale Funktion des Gehirns. Fett und Alkohol (auch als Restalkohol "von gestern") hingegen machen müde, unkonzentriert und beeinträchtigen damit die Leistungsfähigkeit auch am Steuer.

Langzeitfahrten im Auto über mehrere Stunden sind heute üblich geworden, wobei als Zeitverzögerer sowohl die Einhaltung von Tempolimits, unerwartete Staus, aber auch bewußte treibstoffsparende Fahrweise verantwortlich zu machen sind.

Zeitgerecht richtig essen und trinken vermindert die Unfallgefahr.

Das Grundprinzip dazu heißt: oft, wenig und richtig.

Physiologischerweise kommt den Kohlenhydraten im menschlichen Organismus dabei eine hervorragende Bedeutung zu.

Man hat unter strengen Prüfbedingungen Untersuchungen der Stoffwechselvorgänge sowohl bei sportlicher Dauerbelastung als auch konzentrativer Dauerbeanspruchung durchgeführt und dabei festgestellt, daß ein Mangel an Kohlenhydraten, die in Muskulatur und Leber in Form von Glykogen gespeichert sind, zu vorzeitiger Ermüdung und Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit führt.

Interessanterweise kam man dabei aber auch zum Ergebnis, daß nicht nur lange körperliche Ausdauerbelastungen, sondern auch mentale Leistungen durch Kohlenhydrate positiv beeinflußt werden. Beim Autofahren sind nur in geringem Maß physische, vorwiegend aber mentale Prozesse, vor allem konzentrative Fähigkeiten für die Gesamtleistung entscheidend.

Prüfstand: Kfz-simulator

An einem Kraftfahrzeugsimulator, mit welchem selbst die kleinsten Fahrfehler registriert werden können, wurde die Fehlerrate auf einer 110 km langen, sehr kurvenreichen Strecke, welche mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 90 km/h durchfahren werden mußte, gemessen.

Es wurden zwei Gruppen von Fahrern untersucht: Gruppe A: Fahrer, die während der Prüfung mehrmals eine geringe Menge (insgesamt 60 g) Glucose (Traubenzucker) zu sich nahmen und Gruppe B: ohne Kohlenhydratzufuhr.

Ganz eindeutig hat sich der Vorteil der Gruppe A herausgestellt, denn unter wiederholter Zufuhr von Glucose oder auch Saccharose (Haushaltszucker) blieb auch im letzten Streckendrittel, also vom siebzigsten bis zum hundertzehnten Kilometer, die konzentrative Leistung gleich gut wie am Angang, während sie bei Gruppe B, ohne Kohlenhydrate, nach zwei Drittel der gefahrenen Strecke ständig abnahm und sich die Fahrfehler bis zum Prüfungsende im Vergleich zum Ausgangswert schließlich verdreifacht haben. Erwähnenswert ist dabei auch, daß es bei der Prüfung in keiner der beiden Gruppen zu Unterzuckerungsreaktionen gekommen ist.

Aus diesen Ergebnissen ist abzuleiten, daß regelmäßige und vor allem kohlenhydrathaltige Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten nicht nur zur Optimierung der körperlichen, sondern auch der mentalen Leistung, vor allem der Konzentrationsfähigkeit, welche beim Autofahren besondere Bedeutung hat, notwendig ist.

Regeln für die autofahrergerechte Fit-Kost

Deftige, voluminöse und fette Mahlzeiten führen häufig zu Völlegefühl, Blähungen, Magendruck, Beeinträchtigungen der Atmung und sogar zu Herzbeschwerden. Lange Pausen zwischen den Mahlzeiten lassen den Blutzucker absinken, was zu Konzentrationsstörungen führt. Kalorienreiche Mahlzeiten bewirken eine vorübergehende Verminderung der Gehirndurchblutung, es tritt dadurch Müdigkeit auf und die Reaktionsfähigkeit läßt nach. Im "Tief" nach dem Mittagessen sollte man deshalb kein Fahrzeug lenken.

Die Empfehlung lautet daher: lieber wenig, aber öfter zu essen, 5 - 6 kleine ("italienische") Mahlzeiten einzuhalten, fette und blähende Speisen und kohlensäurehältige Getränke zu vermeiden und vor allem keinen Alkohol zu trinken.

Sicher fahren mit Zwischenmahlzeiten

Unsere Tagesleistungskurve verläuft ohne Zwischenmahlzeiten bereits ab 10 Uhr vormittags deutlich tiefer als bei Einhaltung von je einer kleinen Vormittags- und Nachmittagsjause. Geeignet für Zwischenmahlzeiten sind Obst, Bananen, fettarme Milchprodukte, Kekse, fettarm belegtes Vollkornbrot, Karotten, Tomaten, Gurken, Melonen, etc.

Nach den vorliegenden Ergebnissen am Kfz-simulator haben auch herkömmliche (und bewußt nicht zuckerfreie) Bonbons, Traubenzucker etc. durchaus ihre Berechtigung im Handschuhfach. Für die sommerliche Urlaubsfahrt oder berufsbedingte Fahrt in der heißen Jahreszeit empfiehlt sich zudem die Mitnahme ausreichender Mengen kohlensäurefreier Getränke. Die Kinder müssen dabei besonders berücksichtigt werden, denn sie leiden am meisten unter Flüssigkeitsmangel. Man denke nur an stundenlange isolierte Zwangsaufenthalte in Staus auf brütend heißen Autobahnen. In der Kühltasche aufbewahrt dürfen als optimaler Durstlöscher z.B. Buttermilch mit stillem Mineralwasser 1:1 gemischt oder auch verdünnte Fruchtsäfte, Mineraldrinks oder Tee mit etwas Salz keinesfalls fehlen.

Nicht nur das Auto, auch der Fahrer muß gut vorbereitet und "gecheckt" sein, um den vielfältigen und teilweise erheblichen Anforderungen zu entsprechen. Das bedeutet auch im Auto nicht zu rauchen und die einzig richtige Konsequenz zu ziehen, also selbst nicht zu fahren, wenn man durch eine Erkrankung beeinträchtigt ist oder Medikamente einnehmen muß, die möglicherweise die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen und wenn man Alkohol auch nur in geringen Mengen konsumiert hat, also,

no drinks - no drugs - no Problems!

Der Autor Prim. Dr. Norbert Langmayr ist Leiter des Institutes für Stoffwechselerkrankungen und Ernährungsmedizin am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz und Mitglied des Vorstandes der ÖGE.

Für den Inhalt verantwortlich: Österr. Gesellschaft f. Ernährung G.Fitzner
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