Schulbuchverlage zur angedachten (Teil-)Umstellung der Schulbuchaktion: Leihsystem ist teuer und bringt pädagogische Nachteile.

Wien (OTS) - Die von Familienminister Bartenstein kürzlich angekündigte Einrichtung einer teilweisen Schulbuchlade stößt bei den Schulbuchverlagen auf ernste Bedenken. Zu viele Fragen blieben offen. So weist die erst kürzlich veröffentlichte Studie der deutschen Unternehmensberatung Kienbaum nach, daß etwa bei einem 30%igen Schulbuchladenanteil und einer Verweildauer der Bücher in der Lade von drei Jahren gesamtwirtschaftlich nur 2% des derzeitigen Budgets eingespart würden. "Bleiben die Gesamtkosten für den Fonds wie angekündigt mit 1,2 Mrd. Schilling gedeckelt, so ist es unrealistisch anzunehmen, daß die Mehrkosten für die bessere Ausstattung und die durch wesentlich geringere Auflagen notwenigerweise steigenden Buchpreise ihre Deckung finden können", warnt Komm.-Rat Bernhard Weis vom zuständigen Bundesgremium des österreichischen Buchhandels.

Tatsächlich ist noch kein Ziel vorgegeben, wie lange die Bücher wirklich in den Schülerladen verbleiben sollen. Erfahrungen in Deutschland haben gezeigt, daß es zu einer schleichenden Verlängerung dieser Fristen kommt, so daß manche Kindermit bis zu 15 Jahre alten Büchern (!) arbeiten müssen.

"Bei Einführung der Schulbuchlade laufen wir Gefahr, daß einerseits zwanghaft Kosten für neue Bücher eingespart, andererseits jedoch enorme Verwaltungskosten akzeptiert werden müßten." Berechnungen für diesen Verwaltungsaufwand sprechen von rund 200.000 Mehrstunden/Jahr. Diese würden wohl kaum kostenlos geleistet werden. Die Lehrergewerkschaft hat Mehrkosten von 180 Millionen Schilling ermittelt, Kienbaum kommt - je nach Leistungsansatz - auf 75 bis 147 Millionen Schilling Zusatzkosten/Jahr. Dieser Verwaltungsaufwand und/oder Unterrichtsausfall und die Generierung einer Zweiklassengesellschaft unter Schülern, nämlich solchen, die sich neue Bücher leisten können, und solchen, die sich der Schulbuchlade bedienen müssen, sind "unzumutbare pädagogische Nachteile, die Lehrer und Eltern gleichermaßen ablehnen", ist Weis überzeugt. So wurde in Rheinland-Pfalz das Leihsystem drei Jahre nach der Einführung bereits wieder abgeschafft, dasselbe ist in Niedersachsen vorgesehen.

Die Modellrechnung des Familienministeriums für das Leihsystem ignoriere jegliche gesamtwirtschaftliche Sicht und führe mittelfristig zu einer gewaltigen Mehrbelastung jener Familien, die sich für die Ausbildung ihrer Kinder engagieren. "Der Umstand, daß die Realisierung dieser Ideen zahlreiche Arbeitsplätze in der Buchbranche und vorgelagertem Gewerbe gefährdet, wird vielleicht nur die betroffenen und die Branchenverantwortlichen interessieren. Aber daß unsere Kinder unter dem ideologischen Vorwand des Wegwerfbuches mit einem rückschrittlichen System "beglückt" werden sollen, ist unverständlich", erklärt Weis. "Wir haben die Eiszeit zwischen Ministerium und Verlagen nicht ausgerufen, sondern waren immer gesprächsbereit. Auch jetzt hoffen wir durch gemeinsame Gespräche zu einer Lösung ohne Qualitätsverluste für den Unterricht sowie ohne wesentliche Mehrbelastungen der Eltern zu kommen."

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