Österreichs Export in die Türkei wächst kräftig

Starkes Engagement bei Großprojekten - Trotz politischer Unsicherheit gute Aussichten für türkische Wirtschaft

Wien (PWK) - Der türkische Staatsminister Mehmet Altinsoy, der aus Anlaß der österreichisch-türkischen Gemischten Kommission in Wien weilt, trifft heute (Dienstag) mit Wirtschaftskammerpräsident Leopold Maderthaner zusammen. Es sollen Möglichkeiten erörtert werden um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zu vertiefen. Der österreichisch-türkische Außenhandel expandiert derzeit kräftig. Die österreichischen Exporte legten in den ersten drei Quartalen 1996 um 68 Prozent zu, nachdem sie schon 1995 um 44 Prozent auf 2,8 Mrd.Schilling angestiegen waren. Die Importe wuchsen langsamer: 1995 um sechs Prozent auf 3,5 Mrd.Schilling, in den ersten neun Monaten 1996 um zehn Prozent. ****

Wichtigste österreichische Ausfuhrwaren in die Türkei sind Maschinen und Anlagen, Papier und Pappe, Pharmaprodukte, Feuerfestmaterial, Kraftwerksausrüstung. Bei den Importen stehen Textilien und Bekleidung, Obst und Gemüse sowie Kfz-Zubehör an der Spitze.

Den starken Aufschwung der österreichischen Exporte erklärt Handelsdelegierter Peter Sedlmayer (Ankara) zum Teil mit den Auswirkungen der Zollunion zwischen EU und Türkei, die seit 1995 in Kraft ist. Maßgebend seien aber vor allem die beachtlichen österreichischen Erfolge bei türkischen Infrastruktur- (insbesondere Energie-)Projekten. Unter anderem sind heimische Firmen am Bau eines Wärmekraftwerkes (Aufträge in Höhe von zwei Mrd.Schilling) und eines Wasserkraftwerkes (3,2 Mrd.Schilling) beteiligt.

Die österreichische Wirtschaft, die in der Türkei über einen guten Ruf wegen ihrem hohen technischen Know How verfügt, hat gute Chancen, bei weiteren Großprojekten zum Zug zu kommen, so Sedlmayer. Konkretes Interesse bestehe an Projekten aus den Bereichen Energie, Eisenbahn, und Gesundheitswesen. Der Gesamtwert dieser Projekte liege bei rund 5 Mrd. Schilling.

Trotz der aktuellen politischen Unklarheiten zähle die Türkei zu jenen Ländern, bei denen sich eine intensive Marktbearbeitung lohne, ist Sedlmayer überzeugt. Die türkische Wirtschaft wuchs 1996 um sieben Prozent, die Investitionen boomen. Die Privatwirtschaft, die -ähnlich wie in Italien - ein Eigenleben führt, setzt voll auf Expansion und Außenhandel.

Die Zollunion mit der EU hat zwar bisher den Exporteuren aus den EU-Ländern mehr Vorteile gebracht als den türkischen, bemerkt Sedlmayer.

Mittelfristig werde die Türkei aber zu einem ernst zu nehmenden Anbieter in der EU werden. Derzeit steht die türkische Industrie jedenfalls unter einem hohen Modernisierungsdruck um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Nachholbedarf an maschineller Ausrüstung ist sehr hoch, was auch für österreichische Lieferanten gute Chancen bedeutet.

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Dr. Leopold Birstinger

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