OeNB - Generalversammlung der Oesterreichischen Nationalbank

Wien (OTS) - Anläßlich der heutigen Generalversammlung der Oesterreichischen Nationalbank betonte Präsident Dr.Klaus Liebscher, daß die Glaubwürdigkeit der österreichischen Währungspolitik - ausgedrückt in der festen Kursrelation zur D-Mark - auch im Jahr 1996 nie in Frage gestellt wurde. In der
Zins- und Liquiditätspolitik wurden die expansiven Spielräume genutzt und ein historischer Tiefststand beim Diskontsatz von
2,5 % erreicht.

Präsident Dr.Liebscher erinnerte daran, daß es der Regierung und den Sozialpartnern in Österreich bereits gelungen ist, eine Reihe von zukunftsorientierten Veränderungen auf den Weg zu bringen. Gleichzeitig appellierte er aber an die Verantwortungsträger, die notwendigen strukturellen Reformen in allen Bereichen der Wirtschaft unbeirrt fortzusetzen, um
Österreich als Wirtschaftsstandort in der Währungsunion von
Beginn an wettbewerbsfähig zu positionieren. äWir müssen uns
auch bewußt sein", sagte Präsident Dr.Liebscher, ädaß der erfolgreiche Abschluß des Integrationsprojektes durch die Währungsunion, aber auch - unabhängig davon - die weltweite Dynamik weiterhin erhöhte Anpassungsbereitschaft bedingen. Nur
wenn wir diese Einstellung und die Bereitschaft zu weiteren Veränderungen mitbringen, werden wir im nächsten Jahrtausend
auch die entsprechend positiven Resultate erzielen."

Es besteht - so Dr.Liebscher - ein außergewöhnliches Entwicklungspotential für alle Unternehmen, die beweglich genug sind, um sich auf die veränderten Rahmenbedingungen
einzustellen. Gerade in Österreich mit seiner überwiegend
klein- und mittelbetrieblichen Struktur ergibt sich aus den Veränderungen der technologischen und ökonomischen Umwelt die Notwendigkeit, nach den vielzitierten Marktnischen zu suchen.
Diese Nischen werden mit zunehmender Differenzierung der Bedürfnisse immer zahlreicher, und das heißt letztlich: Die Chancen werden immer besser.

Optimistisch stimmte den Präsidenten, daß eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik und insbesondere das
Ziel hoher Preisstabilität heute in ganz Europa akzeptiert
werden.

Die Budgetkonsolidierung stellt weiter eine zentrale Herausforderung der europäischen Wirtschaftspolitik dar. Die Verbesserung der Wachstumsvoraussetzungen sollte diese Aufgabe begünstigen. Gleichzeitig geht es vor allem um die
Nachhaltigkeit der erforderlichen Konsolidierungsmaßnahmen,
durch die die langfristigen Voraussetzungen für eine
ausgewogene Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik verbessert werden. Auch in Österreich müssen die in Gang gesetzten Bemühungen um die Lösung der strukturellen Budgetprobleme intensiviert werden. Das betrifft - aus demographischen wie
auch aus institutionellen Gründen - insbesondere das Pensions-
und Gesundheitssystem.

Abschließend bemerkte Dr.Liebscher, daß er der Idee einer Verschiebung der WWU nichts abgewinnen kann. Auf einen Aufschub
der WWU würden die Finanzmärkte mit Zinsaufschlägen, die Unternehmer mit Investitionszurückhaltung und die Bürger mit
einem Vertrauensverlust in die europäische Einigung reagieren; weiters könnten die Regierungen ihre Anstrengungen vermindern, Budgetkonsolidierung und erforderliche strukturelle Anpassungen voranzutreiben. Man riskiere mit einer derartigen Diskussion
somit das Zustandekommen der WWU überhaupt, und überdies wäre
der unabhängig von der WWU gegebene strukturelle
Anpassungsbedarf bei uns, wie überall in Europa, dadurch in
keiner Weise reduziert.

Als Nachfolger von Dr.Walter Petrak, dessen
Generalratsmandat mit der diesjährigen Generalversammlung abgelaufen ist, hat die heutige Generalversammlung Herrn
Dkfm.Lorenz Fritz, Generalsekretär der Vereinigung der Österreichischen Industrie, zum Mitglied des Generalrats auf
die Dauer von 5 Jahren gewählt.

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