Bruno Gironcoli - Die Ungeborenen.

Wien (OTS) - Pressepreview: 20. Mai 1997, 10.30 Uhr
Ort: MAK-Ausstellungshalle Erdgeschoß Weiskirchnerstraße
Ausstellungsdauer: 21. Mai - 31. August 1997

Öffnungszeiten: Di-So 10.00-18.00 Uhr

Do 10.00 bis 21.00 Uhr
Mo geschlossen

Bruno Gironcoli zählt heute unbestritten zu den bedeutendsten Künstlern Österreichs. Ihm widmet das MAK unter dem Titel "Die Ungeborenen" vom 21. Mai bis 31. August 1997 im Erdgeschoß der MAK-Aussstellungshalle eine große Personale. Gezeigt werden 16 seiner raumfüllenden Skulpturen, die einen aktuellen und umfassenden Einblick in sein Schaffen der letzten zehn Jahre geben.

Bruno Gironcolis Skulpturen sind ebenso beeindruckend wie irritierend: seine gewaltigen metallen glänzenden Objektassemblagen bestehen aus verfremdeten Fragmenten menschlicher und tierischer Körper, aus organischem Pflanzenwerk und maschinenartigen Gebilden. Dekorative Ornamentik, barocker Überschwang der Formen, beklemmende Zwanghaftigkeit und aggressive Triebhaftigkeit stehen einander gegenüber, heben einander auf oder potenzieren einander.

Mittelpunkt dieser sehr persönlich gefärbten Ikonographie ist die menschliche Figur und mit ihr die Frage nach der Bedeutung der menschlichen Existenz. Themen wie Geburt, Sexualität, Sehnsucht nach Glück, Bewältigung von Existenz bestimmen sein Werk. Gironcoli versucht "in Umschreibungen, in Umwegen, in der Psychologisierung der Umwelt das Menschenbild zu erfassen...".

Die Autonomie, die sein Werk dabei auszeichnet, macht ihn vergleichbar mit Positionen berühmter Einzelgänger wie Bruce Nauman, Louise Bourgeois oder Alberto Giacometti, mit dem sich Gironcoli als junger Künstler beschäftigt hat.

Ausgehend von seinen frühen Aktzeichnungen Anfang der sechziger Jahre entwickelte der in Wien lebende Künstler jene reduzierte Rumpfform, die einen Archetyp seines Werks bildet und auch heute noch in seinen jüngsten skulpturalen Formationen - gerade in der Beschäftigung mit dem auch in der Ausstellung vertretenen Mutter-Kind-Thema - eine Rolle spielt.

Ab Mitte der sechziger Jahre entsteht jene individuelle Ikonographie, die in ihren Inszenierungen der Mensch-, Ding- und Tierkonstellationen oft grausam, sadistisch und sexuell gefärbt ist und die seit Anfang der achtziger Jahre in Form der megalomanen Skulpturen verdichtet eingesetzt wird. Immer wieder auftretende Motive wie Traubengehänge, Ähren, Edelweißblüten, Babys, Löffel, Teller und Schüsseln werden zu Metaphern einer persönlichen Orientierungsfindung. Trotz sich wiederholender Motive ist in den Skulpturen der letzten zehn Jahre ein Wandel nachvollziehbar. Das Bedrohliche scheint an Macht zu verlieren und einer zunehmend entspannten Opulenz Platz zu machen. Waren zum Beispiel die Babygestalten in den älteren Skulpturen noch grausam verfremdet, erscheinen sie nun erstmals klar und unbelastet.

Einen weiteren Aspekt in Bruno Gironcolis künstlerischem Schaffen bildet neben dem Symbolhaften die Auseinandersetzung mit der formalen Existenz der Dinge. Geometrische Grundformen wie der Kreis, das Viereck oder das Quadrat, die als Grundkonstruktionen für die aus Metall, Polyester, Preßspan und Gips bestehenden Werke dienen, werden mit trivialen Gegenständen der Alltagswelt kombiniert und so ihrer Symbolhaftigkeit wiederum entledigt. Bruno Gironcolis künstlerische Qualität liegt nicht zuletzt darin, daß sich in seinen Werken Formales und Symbolhaftes in einer latenten Brisanz befinden.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache mit Beträgen von Bettina M. Busse, Donald Kuspit, Peter Noever, Christian Reder und Franz West. Ergänzend zur Ausstellung im MAK bietet der Katalog anhand von bisher teilweise unveröffentlichtem Material einen Querschnitt durch das graphische Oeuvre Bruno Gironcolis. Die Arbeiten auf Papier bilden in Bruno Gironcolis künstlerischem Schaffen einen wesentlichen Bestandteil, da sie unabhängig vom bildhauerischen Schaffen entstehen, aber sich dennoch im Wechselspiel mit diesem befinden.

Mit der Ausstellung "Die Ungeborenen" in der MAK-Ausstellungshalle soll das künstlerische Werk Bruno Gironcoli jene breite Resonanz finden, die ihm seit langem gebührt.

Ausstellungsdaten

Pressepreview: 20. Mai 1997, 10.30 Uhr
Eröffnung: 20. Mai 1997, 20.00 Uhr (Einladung)
Zeit: 21. Mai - 31. August 1997
Ort: MAK-Ausstellungshalle (Erdgeschoß) MAK-Österreichisches Museum für angewandte Kunst Stubenring 5, A-1010 Wien

Ausstellung/Katalog: Bruno Gironcoli, Peter Noever
Gastkurator: Bettina M. Busse
Projektleitung: Daniela Zyman
Katalog: Bruno Gironcoli: Die Ungeborenen. Mit Beiträgen von Bettina M. Busse, Donald Kuspit, Peter Noever, Christian Reder, Franz West. Softcover, ca. 150 Seiten, ca. 100 Schwarzweiß- und Farbabbildungen. Hatje Verlag, Ostfildern 1997

Öffnungszeiten: Di-So 10.00-18.00 Uhr
Do 10.00-21.00 Uhr, Mo geschlossen
Feiertage: 29. Mai, Fronleichnam, 10.00-21.00 Uhr
15. August, Maria Himmelfahrt, 10.00-18.00 Uhr

Führungen: Mai und Juni jeden Samstag um 15.00 Uhr
Juli und August jeden Donnerstag um 17.00 Uhr

MAK-Eintritt: öS 90,-/öS 45,- Ermäßigter Eintritt für Schüler, Studenten, Senioren ab 60, Soldaten, Gruppen ab 10 Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis zum 10. Lebensjahr, Mitglieder der Gesellschaft für Österreichische Kunst, Studenten der Hochschule für angewandte Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österreichische Schulklassen.

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