Neue revolutionäre Operationsmethode bei Ausbuchtungen der Hauptschlagader mittels Stentprothesen im AKH präsentiert.

Wien (OTS) - Bis jetzt konnten thorakale Aortenaneurysmen (Ausbuchtungen der Brust-Hauptschlagader) ausschließlich in aufwendigen, stundenlangen Operationen behandelt werden. Einem Ärzteteam im AKH Wien, Herzchirurg Prof. Dr. Michael Havel und Radiologie Prof. Dr. Johannes Lammer, ist es nun gelungen, diese Operation minimalinvasiv durchzuführen. Der Aufenthalt des Patienten auf der Intensivstation verkürzt sich dadurch von einigen Wochen auf 1-2 Tage.

Atherosklerotische, degenerative Veränderungen bedingt v.a. durch Rauchen oder auch genetische Defekte (z.B. Marfan Syndrom) können zu einer Ausweitung der Hauptschlagader führen. Ab einem Durchmesser von 6 cm kann es zum Platzen der Hauptschlagader kommen, was eine akut lebensbedrohliche Situation des Patienten darstellt. Eine Ausweitung der Aorta über 6 cm ist deshalb eine absoltue Indikation zur operativen Behandlung. Die Beschwerden der Patienten bei einer derartigen Erkrankung sind Schmerzen im Brustraum, Heiserkeit, Druckgefühl im Brustraum und Atemnot.

Bisheriges chirurgisches Behandlungskonzept

Bei thorakalen (Brust) Aortenaneurysmen bestand das Behandlungskonzept bis jetzt ausschießlich darin, den Patienten mittels Herzlungenmaschine auf 15 Grad Celsius Körpertemperatur abzukühlen, danach das gesamte Blut des Patienten in die Herzlungenmaschine abrinnen zu lassen und anschließend in kompletter Blutleere des Patienten (bei EEG Null-Linie und Herzstillstand) den betroffenen Gefäßteil der Hauptschlagader mit einer Prothese zu ersetzen. Im Anschluß an diesem Eingriff wird das Blut wieder in den Körper des Patienten zurückgeleitet und auf 37 Grad Celsius Körpertemperatur erwärmt.

Diese 6 bis 8 Stunden dauernde Operation macht einen wochenlangen Intensiv- und Spitalsaufenthalt notwendig und ist zudem für den Patienten mit einem Operationsrisiko von 10-12 % behaftet.

Neue minimalinvasive Behandlungsmethode

Bei gewissen Formen des Aortenaneurysmas - die Ausweitung muß die Brustaorta betreffen und der Aortendurchmesser ober- und unterhalb davon muß normal sein - ist es seit kurzer Zeit im Wiener AKH möglich eine neue, minimalinvasive Korrektur durchzuführen.

Die Ausweitung der Hauptschlagader des Patienten wird mittels Computertomographie und Angiographie (Gefäßröntgen) präzise ausgemessen. Diese Maße dienen einer amerikanischen Spezialfirma als Grundlage für die Produktion einer maßgeschneiderten Gefäßprothese für den Patienten. Diese ist im Ausgangszustand auf Fingerstärke zusammengefalten. Über einen nur ca. 3 cm langen Hautschnitt im Leistenbereich wird unter Röntgenkontrolle die Gefäßprothese mittels eines Spezialinstruments in die Hauptschlagader bis zu deren Ausweitung eingeführt. Anschließend wird durch Zurückziehen der Einführungsschiene die zusammengefaltete Prothese in der Hauptschlagader aufgeklappt. Das Blut fließt nun in diesem Bereich ausschließlich über die entfaltete Gefäßprothese, wodurch eine Überbrückung und Ausschaltung des Aneurysmas erreicht wird.

Diese Spezialprothesen bestehen aus gewebtem Kunststoff mit flexiblen Metallringen (Stents) zur Versteifung, die sich nach Einführung bis zum Aneurysma durch Zurückziehen der Einführungsschiene im betroffenen Bereich entfalten. Diese speziellen Stentprothesen werden individuell für jeden Patienten entsprechend den Maßen des Aneurysmas und der Hauptschlagader in Florida produziert.

Vorteile

Die Behandlung thorakaler Aortenaneurysmen mittels minimalinvasiver Chirurgie wird ohne Eröffnung des Brustkorbes lediglich in Lokalanästhesie und ohne Ausschaltung des Herzkreislaufsystems mittels Herzlungenmaschine durchgeführt. Die Eingriffszeit beträgt nur ca. 2 Stunden und der Patient kann nach einem kurzen Intensivaufenthalt von 1 bis 2 Tagen nach ca. 1 Woche das Spital wieder verlassen.

Die minimalinvasive Behandlungsmethode von Aortenaneurysmen wurde an der Universitätsklinik Standfort, USA, entwickelt und von Prof. Dr. Michael Havel, Abteilung für Herz-Thorax Chirurgie, (Vorstand Prof. Dr. Ernst Wolner), und Prof. Dr. Johannes Lammer, Vorstand der Abteilung für Angiographie un interventionelle Radiologie des AKH übernommen und weiterentwickelt. Mittlerweile ist das Wiener AKH europaweit für diese Operationsmethode führend.

"Die neue minimalinvasive Operationsmethode von Aortenaneurysmen stellt einen wesentlichen Fortschritt und Erleichterung für die Patienten dar und ermöglicht uns, nun auch ältere Patienten mit einer derartigen Erkrankung ohne großes Risiko behandeln zu können", meinen Univ. Prof. Dr. Johannes Lammer und Univ. Prof. Dr. Michael Havel.

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