Enttäuschendes Jahr 1996 für die Elektro- und Elektronikindustrie

Produktionswert stagnierte bei 92,7 Mrd ATS (nominal +1,3%) Wolfsberger:"Ertragslage bleibt auch heuer angespannt"

Wien (PWK) - Ein enttäuschendes Jahr 1996 hat die österreichische Elektro- und Elektronikindustrie hinter sich. Der Produktionswert des zweitgrößten industriellen Arbeitgebers stagnierte im vergangenen Jahr bei knapp 92,7 Milliarden Schilling (nominell + 1,3 %). Gründe für das schlechte Ergebnis sind der massive Preisverfall bei fast allen Produkten und die schwache Inlandsnachfrage. "Die Ertragslage wird auch im laufenden Jahr angespannt bleiben. Marktnischen werden immer enger und der Verdrängungswettbewerb gewinnt an Härte", stellte Walter Wolfsberger, Vorsteher des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), anläßlich der Jahrespressekonferenz des Verbandes fest. ****

Durch die Konzentration in allen Bereichen wird es immer schwieriger, Marktanteile zu halten. "Geschützte Märkte" durch staatliche Monopole gibt es nicht mehr. Nur jene Unternehmen, die verstärkt auf Innovation, Höherqualifizierung der Mitarbeiter und Exportkontakte setzen, sind "Fixstarter" in die Informationsgesellschaft", so Wolfsberger.

Nach Sparten aufgegliedert zeigt sich ein sehr uneinheitliches Bild: Rückgänge zwischen 3,6 % und 10,2 % mußten die Sparten Bauelemente, Kabel, Leitungen, Drähte sowie Haushalts- und Wärmegeräte hinnehmen. Einige Sparten konnten hingegen trotz der ungünstigen Ertragslage Zuwächse zwischen 1,5 % (Steuerungs-, Meß-, Prüftechnik) und 17,9 % (Medizintechnik) verzeichnen.

Ähnlich, wenn auch etwas besser, stellt sich die Situation im Export dar, der mit einem Wert von mehr als 59,1 Mrd. öS (nominell + 2,6 %) und einem Anteil an der Produktion von knapp 64 % beinahe eine "Zweidrittel-Mehrheit" hat. Hier stehen empfindlichen Rückgängen in den Sparten Unterhaltungselektronik (- 11,7 %) und Haushalts- und Wärmegeräte (- 7,5 %) erfreuliche Zuwächse bei der Medizintechnik (36,8 %; allerdings bei einem vergleichsweise geringen Exportwert von 847 Mio. öS) sowie bei der Kommunikations- und Informationstechnik (20,9 %) gegenüber. Beachtliche Erfolge in Drittländern konnten auch im Dienstleistungsbereich (Reparaturen, Montagen, immaterielle Leistungen: + 27,2 %) erzielt werden.

Bei den Beschäftigten hielt der Rückgang nicht nur weiter an, sondern verstärkte sich sogar: die Zahl der Mitarbeiter sank im Berichtszeitraum um 5,8 % auf rund 62.500. Aufgrund der zunehmenden Verlagerung der Produktion in angrenzende Billiglohnländer waren Arbeiter von diesem Trend stärker betroffen als Angestellte. Damit bestätigt sich, daß die Industrie mit den im Vergleich zu internationalen Mitbewerbern überhöhten Personalkosten nicht mehr auf allen Gebieten konkurrenzfähig ist. Darüber hinaus wurde die Wettbewerbsfähigkeit der Branche durch weitere Steigerungen der Personalkosten belastet.

Die Geschäftstätigkeit der Unternehmungen wurde hauptsächlich durch das "Sparpaket" und die damit verbundene Dämpfung der Nachfrage nach Konsumgütern sowie die zum Teil drastischen Einschränkungen der Investitionen der öffentlichen Haushalte negativ beeinflußt. Dem stehen noch gewisse Erfolge der baunahen Sparten (Installationstechnik, Lampen/Leuchten) gegenüber, die sich in der Installations- und Ausstattungsphase befanden und noch von der vorangegangenen Baukonjunktur profitierten.

Positiv wirkten sich im vergangenen Jahr die Veränderung des Wechselkurses Dollar/D-Mark, die Einführung verschiedener Modelle flexibler Arbeitszeit auf betrieblicher Ebene und die Entwicklung innovativer Produkte aus. Die Verlagerung von Teilen der Produktion ins nahe Ausland sichert so manchen Unternehmen das Überleben.

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