Papierindustrie vehement für freien Energiemarkt

50 Prozent billigerer Strom im 'energie-liberalen' Skandinavien lockt Österreichs Papiererzeuger

Wien (PWK) - Der finnische Energie-Experte Matti Nikkanen fachte
die Liberalisierungsdebatte wieder so richtig an. Beim letzten 'Jour Fixe in Gumpendorf' im Haus der Papierindustrie zeigte er in einem Referat über die Energieversorgungs-Situation Skandinaviens praxisnah auf, was bislang nur aus Statistiken bekannt war: Österreichs Strom ist zu teuer! Schweden, Norwegen und Finnland sei bereits jetzt gemeinsam, "daß sie über ein flächendeckendes und einheitliches Stromversorgungssystem verfügen, in dem die Ware Strom auf freien Marktplätzen mit Börsen gehandelt werden kann", berichtet das Fachmagazin 'Papier aus Österreich' in seiner neuesten Ausgabe. "Und alle drei Länder haben gemeinsam, daß der Strom in etwa dasselbe Preisniveau hat und dieses im Vergleich zu Österreich um die Hälfte niedriger ist". ****

Die Gründe für diese eindrucksvolle Entwicklung lägen laut Nikkanen, der Geschäftsführer der IVO Energieanlagen GmbH in Hamburg ist und in Finnland 38 Prozent der Gesamtversorgung kontrolliert, vor allem in einer liberalen Gesetzgebung, einem mündigen und verantwortungsbewußten Verbraucherverhalten, einer Entbündelung der Stromaktivitäten, dem Wettbewerb bei Erzeugung und Übertragung, den begrenzten finanziellen und natürlichen Ressourcen des Landes und einer vielfältigen Erzeugungsstruktur des Produktes, faßt das Fachblatt zusammen.

Nikkanen gebe allerdings zu, daß es sich um eine allmähliche und stufenweise Entwicklung seit Ende der siebziger Jahre gehandelt habe, "die sich in Richtung Gegenwart enorm beschleunigt hat". In Finnland habe seit Beginn 1997 nun jeder Haushalt die Möglichkeit, Strom frei zu kaufen. Die Kosten für den Netzbetrieb müßten separat ausgewiesen werden, wobei die Übertragungskosten unabhängig von der Entfernung anfallen. Es gelte gleiche Behandlung von Haushalts- und Industriestrom.

"Dies wird durch ein Punkttarifsystem sichergestellt, das sich aus Anschlußgebühr, Benutzungsgebühr und Verlustgebühr zusammensetzt", berichtet 'Papier aus Österreich'. Das System sei gleichsam das Bindeglied zwischen den zuliefernden Kraftwerken, dem Verbundnetz und den Verteilungsnetzen. Die Überwachung erfolge durch eine politisch unabhängige Strommarktzentrale, die in Finnland dem Handels- und Industrieministerium angegliedert sei.

Die totale Strommarkt-Freiheit führe in Finnland zu neuen Vertragsschließungen und zu einem beginnenden Abbröckeln der Preise. Die Strombeschaffung aus den günstigsten Quellen und die Möglichkeit des Stromverkaufes auch außerhalb des eigenen Verteilungsgebietes brachte die erwünschte Marktliberalisierung. "Die Zukunft heißt ohne Zweifel gemeinsamer europäischer Strommarkt", schlußfolgert das Fachmagazin.

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Dr. Andreas Dahm

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