Handelsumsätze im ersten Quartal 1997 deutlich im Minus

Mit Ende März 1997 gab es über 6500 neue Arbeitsplätze im Einzelhandel

Wien (PWK) - "Die Entwicklung der Handelsumsätze in den ersten
drei Monaten 1997 entsprach der Witterungslage: wenig Sonne, kühl und regnerisch. Wir hoffen aber, daß sich mit dem Wetter auch das Umsatzklima im Handel wieder bessert und der Umsatzrückgang aufgeholt werden kann", skizzierte Erich Lemler, Obmann der Bundessektion Handel, am Freitag den Geschäftsverlauf im ersten Quartal 1997. ****

Nach ersten Berechnungen des Instituts für Handelsforschung gingen die Umsätze des österreichischen Facheinzelhandels im ersten Quartal 1997 um insgesamt minus 4,3 Prozent zurück. Im Vergleich zum Gesamtjahresergebnis 1996 von minus 0,9 Prozent im Facheinzelhandel ist dies ein deutlicher Rückgang.

Besonders deutliche Umsatzrückgänge mußten in den ersten drei Monaten 1997 die Sparten Lebens- und Genußmittel sowie Sportartikel mit jeweils minus 6,8 Prozent hinnehmen. Aber auch der Radio- und Elektrohandel (minus 6 Prozent), Eisenwaren, Haus- und Küchengeräte (minus 3,1 Prozent), der Schuhhandel (minus drei Prozent) oder der Textilhandel (minus 2,8 Prozent) mußten deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Zuwächse konnten hingegen der Spielwareneinzelhandel mit über 7 Prozent, der Farben- und Lackhandel oder der Lederwareneinzelhandel verbuchen.

Als Ursache für diese negative Geschäftsentwicklung - so Lemler -ist einerseits die schlechte Witterungslage anzuführen. Andererseits ist die latente Kaufunlust aber auch auf die schleppende Wirtschaftslage, die Arbeitsplatzproblematik, das Sparpaket und die daraus resultierende Verunsicherung der Konsumenten zurückzuführen.

Eine weitere Ursache des Umsatzrückgangs liegt aber auch in den seit zwei Jahren rückläufigen bzw. stagnierenden Preisentwicklungen im Handel: Bei gleichbleibenden oder steigenden Stückzahlen wird weniger Umsatz erzielt. So sanken die Fachhandelspreise im Gesamtjahr 1995 um minus 0,4 Prozent, während die Verbraucherpreise insgesamt um 2,2 Prozent anzogen. Im Vorjahr stiegen die Fachhandelspreise um 0,2 Prozent; die Inflationsrate betrug 1,9 Prozent.

Das negative Quartalsergebnis konnten offenbar auch die neuen Ladenöffnungszeiten kaum etwas ändern, obwohl von der Tendenz her festzustellen ist, daß die liberalen Ladenöffnungszeiten am Abend unter der Woche und am Samstag-Nachmittag jenen Betrieben zugute kommen, die sie auch regelmäßig ausnützen und bewerben sowie an Standorten mit hoher Besucherfrequenz situiert sind. Nach derzeitigen Beobachtungen sind also Einkaufszentren, Ketten oder Einkaufsstraßen in Ballungsräumen die klaren Nutznießer. Hier gibt es genügend Finanzkraft und Kundenfrequenz, um die Zuschläge für Arbeit in der Normalarbeitszeit sowie die Einschränkungen im Arbeitsruhegesetz (Einsatz von Stammpersonal am Samstag-Nachmittag) verkraften zu können. Vor allem für viele kleinere Betriebe sind diese zwei Punkte jedoch problematisch. Wegen der Beschränkung beim Stammpersonal müssen die Handelsbetriebe auf geringfügig beschäftigte Teilzeitkräfte ausweichen, was weder in den Intentionen der Gewerkschaft gelegen sein dürfte, noch der Qualität der Bedienung im Handel zuträglich ist. Generell zeigt sich auch, daß der Samstag-Nachmittag von den Konsumenten mehr und mehr genutzt wird.

Mit Stichtag 31. Jänner 1997 waren insgesamt 487.164 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im heimischen Handel (inklusive Großhandel) beschäftigt. Dies sind um 0,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Einzelhandel gab es mit Ende März 1997 um 6575 Beschäftige mehr als ein Jahr zuvor. Davon waren 4447 geringfügig Beschäftigte. Lemler: "Damit ist man der Prognose, durch die neuen Ladenöffnungszeiten würden bis zu 8000 neue Jobs geschaffen, schon recht nahe gekommen."

Was das Jahr 1996 betrifft, so lief die Entwicklung zwischen den Großformen im Handel und dem Facheinzelhandel weiter auseinander. Während der Einzelhandel gesamt bei einem Umsatz von nicht ganz 500 Milliarden Schilling ein Plus von nominell rund zwei Prozent gegenüber 1995 erzielte, gab es im Facheinzelhandel nach Berechnungen des Instituts für Handelsforschung ein Minus von 0,9 Prozent. Die größten Rückgänge hatten dabei Drogerien sowie der Schuh- und Textilhandel zu verkraften.
(Schluß) RH

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