Geniales Scheitern. Nicht realsierte Archtiekturprojekte in Österreich. Anspruch auf Realität

Wien (OTS) - Die Diskrepanz zwischen künstlerischem Anspruch und gebauter Realität hat in der österreichischen Architekturgeschichte bereits Tradition. Die Ausstellung "Geniales Scheitern. Nicht realisierte Architekturprojekte in Österreich. Anspruch und Realität.", die vom 6. Mai bis 6. Juni im MAK-Kunstblättersaal zu sehen ist, geht diesem Phänomen auf den Grund. Anhand von Schlüsselprojekten goßer Architekten wie Jahnn Fischer von Erlach, Gottfried Semper, Otto Wagner und Adolf Loos wird gezeigt, aus welchen Gründen Großprojekte in Österreich gescheitert sind.

Die Architekturgeschichte der Neuzeit ist in Österreich von immer neu unternommenen Anläufen zur Stilwende geprägt. Mit großartigen Einzelprojekten versuchte man an die internationalen Strömungen anzuschließen. Johann Bernhard Fischer von Erlach wollte mit seinem ersten Entwurf für das Schloß Schönbrunn (1688/89 bzw. 1721) ein architektonisches Manifest gegenüber der Konkurrenzmacht Frankreich schaffen. Der Formenreichtum seiner großzügig angelegten Zeremonienarchitektur war nicht auf Funktion, sondern Repräsentation ausgerichtet. Die Reallösung kam später wesentlich kleiner und ohne spektakuläre Elemente: die Schloßanlage liegt nicht mehr auf der Anhöhe, sondern im Tal.

Gottfried Sempers visionärer Entwurf für das Kaiserforum und die Hofmuseen, mit dem er der urbanen Struktur Wiens nach der Schleifung des Mauerrings ein neues Zentrum geben wollte, scheiterte am Ehrgeiz seines Mitplaners Carl von Hasenauer und schließlich an der Finanzierung.

Auch an Otto Wagners Projekten für das Kaiser Franz Josef-Stadtmuseum in Wien (1912) wird deutlich, wie in Österreich visionäre Pläne aus Mangel an finanziellen Mitteln, Diskrepanzen zwischen Bauherrn und Architekten oder schlichtem Unverständnis Papier blieben und großartige Einzelprojekte in der baulichen Ausführung degradiert wurden. Bis heute kann man von einer permanenten Tendenz zur Minimierung im Umgang mit Architektur in Österreich sprechen.

Ein weiteres Ziel der Präsentation im MAK-Kunstblättersaal ist es, die Verbreitung von derartigen visionären Architekturprojekten zu dokumentieren und ihrem Nachleben nicht nur anhand von Plänen, Zeichnungen und Skizzen, sondern vor allem auch in gedruckter Form nachzuspüren. Neben Johann Bernhard Fischer von Erlachs Entwurf für das Schloß Schönbrunn aus dem Stichwerk "Entwurff zu einer historischen Architektur" (1688/89 bwz. 1721), kann unter diesem Aspekt auch die von Otto Wagner im Druck publizierte Fassung seiner Entwürfe für das Kaiser Franz Josef-Stadmuseum (1912) stehen.

Die nichtausgeführten Architekturprojekte jedoch dienten sehr oft als Mittel der Repräsentation. Entweder nahm der Architekt selbst den Bauentwurf in einem neuen Zusammenhang wieder auf oder andere eigneten sich das Projekt für ihre Zwecke an. Bei vielen dieser Projekte erfolgte eine späte Neubewertung aus historischer Sicht, die sie im Bewußtsein des Publikums zu Schlüsselwerken der stilistischen Entwicklung der österreichischen Architektur werden ließen. Damit sind diese nicht oder nur unvollständig realisierten Bauten zu Symbolen für den Fortschritt der Architektur in Österreich geworden.

Die in der Ausstellung "Geniales Scheitern. Nicht realisierte Architekturprojekte in Österreich. Anspruch und Realität" gezeigten Pläne, Skizzen und Vorlagen stammen aus dem Österreichischen Staatsarchiv, der Graphischen Sammlung Albertina und dem Historischen Museum der Stadt Wien sowie der Bibliothek und Kunstblättersammlung des MAK.

Nach "Das andere Haus" im Herbst 1995 ist "Geniales Scheitern" die zweite Ausstellung innerhalb der MAK-Kunstblättersaal-Projekte zum Thema Architektur.

Ausstellungsdaten

Pressegespräch: 6. Mai 1997, 10.30 Uhr
Ausstellungsort: MAK-Kunstblättersaal
MAK-Österreichisches Museum für angewandte Kunst Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer: 6. Mai - 6. Juli 1997
Projektleitung: Rainald Franz
Mitarbeit: Peter Klinger
Publikation: Geniales Scheitern. Nicht realisierte Architekturprojekte in Österreich. Anspruch und Realität. Mit einem Beitrag von Rainald Franz. 24 Seiten, s/w Abbildungen.
Öffnungszeiten: Di-So 10.00-18.00 Uhr
Do 10.00-21.00 Uhr, Mo geschlossen
Feiertage: 18.5. Pfingstsonntag 10.00-18.00 Uhr
19.5. Pfingstmontag 10.00-18.00 Uhr
29. Mai Fronleichnam 10.00-21.00 Uhr MAK-Eintritt: öS 90,-/öS 45,- ermäßigt für Schüler, Studenten, Senioren ab 60, Soldaten, Gruppen ab 10 Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis 10, Mitglieder der Ges. f. Österr. Kunst, Studenten der Hochschule für angewandte Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.

Rückfragen & Kontakt:

MAK
Dorothea Apovnik
Tel.: 71136-233

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