Kimonos. Shibori - Japanische Textilkunst aus Arimatsu und Narumi

Wien (OTS) - Die Austellung" Kimonos. Shibori - Textilkunst aus Arimatsu und Narumi", die vom 7. Mai bis 6. Juli 1997 in der MAK-Schausammlung Ostasien und in der Studiensammlung Textil zu sehen ist, zeigt am Beispiel kostbarer Kimonos die Kunst des Shibori -eines traditionellen und kunstvollen japanischen Textilfärbeverfahrens.

Der Kimono, heute fast nur mehr zu feierlichen Anlässen getragen und aus dem Straßenbild einer Metropole wie Tokio fast völlig verschwunden, ist dennoch bis in unsere Tage wie kaum ein anderer Gegenstand Symbol für Japan schlechthin. Denkbar ungeeignet für die nüchterne Welt der Büros und überfüllten U-Bahnen, in der die meisten Menschen im heutigen Japan stehen, ist der Kimono ein Gegenmodell zur geschäftigen Seite des Alltags. Er steht für das andere Gesicht, die hinter Chrom, Stahl und High-Tech oft verborgenen, jedoch bis heute mit großem Selbstbewußstein gepflegte zweite, eigentliche Identität Japans.

Shibori nennt man in Japan eine Reservetechnik im Textilfärbeverfahren, bei der durch Abbinden des Stoffes und anschließendes Färben mannigfaltige Effekte entstehen. Arimatsu und Narumi, die heute wohl bedeutendsten Zentren des Shibori, wurden schon zu Beginn der Edo-Zeit (1603-1868) gegründet. Um seine Macht zu festigen, hatte der erste Shogun der Epoche, Tokugawa leyasu, einem seiner Söhne die Provinz Owari - an strategisch wichtiger Stelle auf dem Weg von Kyoto und Nara nach Edo, dem heutigen Tokio gelegen - als Lehen anvertraut, wo man ihm ein Schloß errichtete, um das herum sich in kurzer Zeit eine wichtige Residenzstadt entwickelte, das heutige Nagoya.

Hier begannen Anbau und Verarbeitung der Baumwolle im frühen 17. Jahrhundert. Färbereien gab es in der Region bereits seit langer Zeit, und der Indigostrauch, der das für die Shibori-Arbeiten wichtigste, blaue Farbpigment liefert, wurde vor Ort angebaut. Blau, die Farbe des die japanischen Inseln umgebenden Meeres - eine der wichtigsten Grundlagen der Ernährung wie auch des Handels und Transports -, war in der Shibori Textilkunst, jedoch auch bei vielen anderen Stoffen, in Japan außerordentlich beliebt.

1955 kommt Katano Motohiko (1899-1975), einer der bedeutendsten Shibori-Meister des 20. Jahrhunderts, in Kontakt mit promimenten Aktivisten der Mingei-("Volkskunst")Bewegung. Der bereits in den zwanziger Jahren ins Leben gerufenen Mingei-Bewegung ging es um die Weiterentdeckung der spezifischen Schönheit vielfach überaus schlichter Gegenstände aus einem mehr und mehr von den technisierten Großstadtzentren verdrängten bäuerlich-provinziellen Umfeld. Tatsächlich stimulierte die Aufmerksamkeit, die die Initiatoren der Mingei-Bewegung seiner Kunst entgegenbrachten, Katano in den folgenden Jahren zu herausragenden Leistungen auf technisch und künstlerisch höchstem Niveau, von denen die hier gezeigten Beispiele Zeugnis ablegen.

Andere in unserer Ausstellung gezeigte Shibori-Stoffe stammen aus der Werkstatt der Familie Takeda. Takeda Hiroki, der heutige Leiter des Unternehmens, und sein Bruger Kozo sind direkte Nachfahren von Takeda Shokuro, dem Begründer des Shibori in Arimatsu. In dem Familienbetrieb werden seit Jahrhunderten unter Einsatz pflanzlicher Farbpigmente hochwertige und kunstvolle Stoffe von Hand hergestellt.

Ausstellungsdaten

Pressegespräch: 6. Mai 1997, 11.00 Uhr
Ausstellungsort: MAK-Schausammlung Ostasien und Studiensammlung Textil
MAK-Österreichisches Museum für angewandte Kunst Stubenring 5, A-1010 Wien
Eröffnung: 6. Mai 1997, 20.00 Uhr (Einladung) Ausstellungsdauer: 7. Mai - 6. Juli 1997
Projektleitung: Angela Völker
Öffnungszeiten: Di-So 10.00-18.00 Uhr
Do 10.00-21.00 Uhr, Mo geschlossen
Feiertage: 18.5. Pfingstsonntag 10.00-18.00 Uhr
19.5. Pfingstmontag 10.00-18.00 Uhr
29. Mai Fronleichnam 10.00-21.00 Uhr MAK-Eintritt: öS 90,-/öS 45,- ermäßigt für Schüler, Studenten, Senioren ab 60, Soldaten, Gruppen ab 10 Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis 10, Mitglieder der Ges. f. Österr. Kunst, Studenten der Hochschule für angewandte Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.

Rückfragen & Kontakt:

MAK
Dorothea Apovnik
Tel.: 71136-233

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MAK/OTS