Ender: "Mehr Markt in das Gesundheitssystem"

Vorschau auf internationale Arbeitstagung für Heilbäder und Kurorte vom 28. bis 30. April in Baden bei Wien

Wien (PWK) - Für "mehr Markt in das Gesundheitssystem", ohne die soziale Komponente zu vernachlässigen, spricht sich der stellvertretende Obmann der Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft, Prof. Dr. Walter Ender, aus. Gerade im Gesundheitswesen gebe es ein vielfältiges System von Einrichtungen, das sich, anstatt vorrangig auf Erhaltung und Festigung der Gesundheit, hauptsächlich auf die Verwaltung von Krankheiten festgelegt habe. "Wir haben in Österreich kein Gesundheitswesen, wir haben ein Krankheitswesen. Man läßt Krankheiten entstehen, um sie teuer behandeln zu können", kritisierte Ender am Mittwoch in einem Pressegespräch im Haus der Wirtschaft. ****

Thema des Pressegesprächs war eine Vorschau auf die kommende internationale Arbeitstagung für Heilbäder und Kurorte, die unter dem Titel "Krankheitsverwaltung oder Gesundheitserhaltung" vom 28. bis 30. April 1997 im Hotel Schloß Weikersdorf in Baden bei Wien über die Bühne geht. Mediziner, Politiker, Spitzenmanager von Sozial- und Privatversicherungen sowie Geschäftsführer und Direktoren von Kur-und Gesundheitseinrichtungen werden dabei über ihre Erfahrungen referieren und Zukunftsperspektiven erörtern. Die Thematik habe, wie Ender sagte, durch die Novellen zur Sozialgesetzgebung, besonders in Deutschland und Österreich, für den heimischen Tourismus eine größere Aktualität erhalten als je zuvor.

"Als Gegenpol zu den verfilzten Machtstrukturen in der Krankheitsverwaltung muß es ein neues Gesundheitssystem geben, das dem einzelnen Menschen mehr Freiheit einräumt und den Heilbädern, Kurorten und Kurbetrieben die Möglichkeit gibt, ihren Beitrag zur Volksgesundheit zu leisten, der ihnen jetzt größtenteils verwehrt bleibt", stellte Ender fest.

Wie aus der "Gästebefragung Österreich" (GBÖ, Sonderauswertung Gesundheitstourismus) hervorgeht, haben die Kurgäste einen Anteil von fünf Prozent und die gesundheits- und sportorientierten Gäste einen Anteil von 61 Prozent am österreichischen Tourismus, wobei gerade in letzterem Marktsegment das größte Potential für die Vergrößerung des Kurgästeanteils steckt. Sowohl bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer (17 Tage) als auch bei den touristischen Ausgaben (16.900 Schilling) stehen die Kurgäste an der Spitze der Statistik.

Wenn jetzt, wie kürzlich in den Medien berichtet, die Kuranträge um fast ein Drittel zurückgehen oder bereits bewilligte Kuren gar nicht angetreten werden, muß den Fragen der Gesundheit besondere tagespolitische Aktualität zuerkannt werden. Dies gilt besonders seit der letzten Novelle der Sozialversicherungsgesetze, als mit 1. Juli 1996 der Selbstbehalt bei Kuren eingeführt wurde, erklärte Ender, der dem kommenden internationalen Kongreß für Heilbäder und Kurorte als Tagungsleiter vorsteht. "Es kann und darf nicht sein, daß die Österreicher durch sozialgesetzliche Maßnahmen von natürlichen Heilverfahren, wie sie Kuren nun einmal sind, ferngehalten werden". Es sei höchste Zeit, dem einzelnen die Verantwortung für seine Gesundheit zurückzugeben und ihm klarzumachen, daß nicht die Allgemeinheit, sondern er selbst für seine Gesundheit verantwortlich ist. Damit würde sich, wie Ender sagte, sehr schnell ein freier Markt für Gesundheitsangebote bilden und "alle nicht mehr zeitgemäßen Angebote zu Ladenhütern degradieren".

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BSO-Stv Prof. Dr. Walter Ender
Tel. 586 17 81

Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft

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