Wachstumsschub und Neuorientierung bei PHARE

Neue Prioritäten bei der Projektförderung Größere Transparenz bei den PHARE-Ausschreibungen

Wien (PWK) - PHARE (Poland and Hungary: Aid for Restructuring the Economies), das 1989 als EU-Hilfsprogramm für Polen und Ungarn initiiert wurde, entwickelte sich inzwischen zu einem Förderungsprogramm für 13 mittel- und osteuropäische Länder. 4,2 Mrd. ECU wurden PHARE von 1990 bis 1994 von der Europäischen Kommission zur Verfügung gestellt, für 1995 bis 1999 wuchs das Budget auf 6,7 Mrd. ECU an. Da die Ost-Öffnung der EU mit großen Schritten näherrückt, war eine neue Ziel-Anpassung notwendig, die sich in einer Änderung der Förderungs-Prioritäten bei PHARE niederschlägt. Seit 19. März 1997 werden diese in den 'New Policy Guidelines' definiert. ****

"30 Prozent des aufgestockten PHARE-Budgets werden künftig dafür verwendet werden, den Partnerländern zu helfen, die EU-Rechte und Pflichten ('acquis communautaire') in ihre Regierungen zu implementieren", berichtete Leo Braakenburg, PHARE Sektor-Manager der DG1A in Brüssel gestern bei einem PHARE-Seminar in der Wirtschaftskammer Österreich. Dies habe erste Priorität, da schließlich 10 der 13 PHARE-Partnerländer bereits potentielle EU-Beitrittskandidaten seien. Für die zweite Priorität, die Industrien und Infrastrukturen der Partnerländer den EU-Standards anzugleichen, werden die restlichen 70 Prozent des Budgets zur Verfügung stehen.

Gerade österreichische Unternehmen, die ja sehr aktiv auf dem Ost-Markt investieren, exportieren und somit bereits über gute Beziehungen in Osteuropa verfügen, können von den ausgeweiteten PHARE-Förderungen profitieren. "Da Österreich erst seit seinem EU-Beitritt vor zwei Jahren die Möglichkeit besitzt an PHARE-Ausschreibungen teilzunehmen, ist dieser Bereich noch durchaus ausbaufähig", zeigte sich Günther Graf, Stv. Leiter der WKÖ-Abteilung für Außenwirtschaft bezüglich einer verstärkten heimischen Beteiligung optimistisch.

Erleichtert hat sich außerdem der Zugang zu den ausgeschriebenen internationalen Projekten, die durch PHARE gefördert werden. "Zu Ausschreibungen im Bau- und Lieferbereich gelangt man am einfachsten über die Ausschreibungsdatenbank TED", erklärte Gregor Leitner, PHARE Task-Manager der Europäischen Kommission. "Die ausgeschriebenen Dienstleistungen sind seit November 1996 erstmals alle bereits im Internet deponiert". Über die Homepage der Wirtschaftskammer Österreich kann man so direkt die ausgeschriebenen PHARE-Projekte abrufen; zusätzliche Informationen stehen interessierten Unternehmen auf einer eigenen PHARE-Homepage zur Verfügung, wie Konstantin Bekos von der Wirtschaftskammer Österreich bei dem Seminar demonstrierte.

Während die nationalen Projekte wesentlich durch eigene Project Management Units (PMU) in den einzelnen Partnerländern bestimmt werden, bereitet die Kommission in Brüssel vor allem die Ausschreibung der multinationalen Projekte vor. Ausgeschrieben werden alle Projekte ab 300.000 ECU, betonte Leitner, unter diesem Betrag werden sie an feststehende Konsortien vergeben, die mit der Europäischen Kommission Rahmenverträge abgeschlossen haben. Österreichischen Firmen, die ja zum Großteil Klein- und Mittelbetriebe sind, rate Leitner zur Bildung von solchen Konsortien. Die Zeit sei derzeit besonders günstig, da im Herbst 1997 neue Rahmenverträge für 13 Fachbereiche für die Periode August 1998 bis August 2000 ausgeschrieben werden.

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Dr. Stefan Pistauer

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