Papierverarbeitende Industrie: Schwieriges Jahr 1996

Besserung der Auftragslage im 1. Quartal 1997 - zuletzt deutliche Preissteigerungen bei Wellpapperohpapier

Wien (PWK) - Die Papier und Pappe verarbeitende Industrie hat im Jahr 1996 einen Produktionswert von 16,1 Mrd. S erzielt und lag damit um 0,6% über dem Ergebnis des Jahres 1995. Die Produktionsmenge von Papier- und Pappewaren konnte um 1,4% auf 727.000 Tonnen gesteigert werden. Die Beschäftigtenzahl in der Branche ist um 0,8% auf 8.675 Mitarbeiter zurückgegangen. ****

Da sich für das erste Quartal 1997 in einigen Bereichen eine Besserung der Auftragslage abzeichnet, besteht "trotz der gedämpften Konjunkturprognose und des durch Sparpakete in ganz Europa eingebremsten Konsumverhaltens vorsichtiger Optimimus", skizziert Rudolf Bergolth, Geschäftsführer im Fachverband der PPV-Industrie die wirtschaftlichen Erwartungen der Branche. Dringlich seien die Stabilisierung des Preisniveaus und die erfolgreiche Kostenreduktion zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Von großer

Bedeutung für die Inlandsstandorte und damit die Arbeitsplätze wird, so Bergolth, aber auch die Flexibilisierung der Arbeitszeit im Rahmen der erweiterten Möglichkeiten des Arbeitszeitgesetzes sein.

Die für 1996 erwartete moderate Besserung der Branchenkonjunktur ist nicht eingetreten. Das erste Halbjahr brachte besonders im Verpackungsbereich mengenmäßig Rückgänge, die von einem anhaltenden Preisverfall begleitet waren. Ursachen waren das Schrumpfen des Inlandsmarktes durch strukturelle Veränderungen der Kundenindustrie, die anhaltende Konjunkturschwäche des Hauptabnehmerlandes Deutschland, nachgebende Rohstoffpreise und ein enormer Wettbewerb.

Erst im 2. Halbjahr kam es zu einer Verbesserung der Auftragslage, was zwar eine bessere Auslastung, jedoch keine Stabilisierung des Preisniveaus brachte. Die unbefriedigende Ertragslage zwang die Industrie zur Kostenreduktion in allen Bereichen. Allerdings reichten Rationalisierungserfolge, Entlastung der Industrie durch verbesserte Wechselkursrelationen, gesunkene Arbeits- und Rohstoffkosten, sowie niedriges Zinsniveau angesichts des Preisverfalls nicht aus, um die Ertragslage zu verbessern.

Infolge des stagnierenden Inlandsmarktes konnten die Zuwächse des 2. Halbjahres vorwiegend im Export erzielt werden. Die Entwicklung im Außenhandel, vor allem im europäischen Binnenmarkt, aber auch auch in Osteuropa, war durchwegs besser als das Gesamtergebnis der einzelnen Branchen im Fachverband.

Das Investitionsverhalten der PPV-Industrie in Österreich war der schwachen Konjunktur und der schlechten Ertragslage angepaßt und hat sich mit einem Volumen von 650 Mio Schilling am niedrigen Niveau der letzten drei Jahre bewegt. Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen standen im Vordergrund.

Die Europäisierung und Internationalisierung führender Unternehmen der österreichischen PPV-Industrie wurde 1996 verstärkt und wird sich auch 1997 fortsetzen. Unternehmensgründungen, Beteiligungen, Partnerschaften und strategische Kooperationen festigten die Position der österreichischen PPV-Industrie im europäischen Markt (Exportquote 52 Prozent).

Seit März kommt es wieder zu Preiserhöhungen für Wellpapperohpapiere, im Schnitt der Sorten um 10 bis 15 Prozent. Die Wellpappeindustrie wird angesichts ihres Rohpapieranteils von etwa 50% um eine rasche Weitergabe dieser Kostensteigerung in den Verpackungspreisen bemüht sein müssen. Ab etwa Jahresmitte 1997 ist auch mit einem neuerlichen Anziehen der Kartonpreise zu rechnen, was zu einer Anhebung der Preise für Faltschachteln führen wird.

Die Verpackungsverordnung 1996 wird der PPV-Industrie, die mit einem Anteil von 40% den größten Verpackungssektor darstellt, kaum Erleichterungen bringen. Bergolth: "Die von der Industrie angestrebte Deregulierung fand nicht statt, obwohl Verpackungen aus Papier, Wellpappe und Karton mit einer Recyclingquote von 83% keiner Regulierung bedürften. Ein neuerlicher Bürokratisierungsschub wird vor allem die Verpackungsverwender belasten."

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Mag. Rudolf Bergolth
Tel: 5055382-0FV PPV-Industrie

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