Resel im einzigen Interview nach dem Rücktritt: "Unsere Feinde waren in Österreich" -. Frauen als Substituten für Oper und Konzert - überwältigende Zustimmung zu Salzburg - kein Orchestermanager, kein Chefdirigent

Wien (OTS) - Werner Resel, kürzlich zurückgetretener Vorstand der Wiener Philharmoniker, nimmt in der morgen (Donnerstag) erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS exklusiv zu den Gründen seines Abgangs Stellung.

Resel: Er sei in den zehn Jahren seiner Tätigkeit müde geworden und habe wohl auch auf Kollegen ermüdend gewirkt. "Bei uns hat ein Generationswechsel stattgefunden, das Orchester ist relativ jung, man selber ändert sich nicht, aber das Orchester schon."

Überwältigende Mehrheit für Salzburg. Kein Thema bei seinem Rücktritt sei, wie kolportiert, die Verlängerung des Salzburg-Vertrags gewesen, Erstmals erzählt Resel, wie es vor dem Dezember 1996 tatsächlich war: "Die überwältigende Mehrheit der Kollegen war für Salzburg." Das Votum sei noch weit deutlicher gewesen als 80 zu 20 Prozent.

"Feinde in Österreich." Deutlich wird Resel zu der monatelangen Diskussion um die Aufnahme von Frauen ins Orchester: "Wir waren einer wahren Hetzkampagne ausgesetzt - von einigen wenigen, die ich als die vereinigte Inkompetenz bezeichnet habe. Es ging eigentlich nur um ein paar österreichische Journalisten. Ich habe immer gesagt, man soll die Sache sich entwickeln lassen, bei 60 Prozent Frauen an den Musikhochschulen ist das Ganze in zehn Jahren kein Thema mehr. Dann aber hat im Grunde nur Herr Endler vom "Kurier" eine Kampagne geführt." Die Proteste der US-Frauenvereine seien kaum wahrnehmbar gewesen. "In Los Angeles haben 25 Personen demonstriert, in New York 35. Nein, unsere Feinde waren immer in Österreich. Es ging ihnen darum, uns als wichtigen Kulturfaktor Österreichs, als Aushängeschild für die Welt auszuschalten."

Die Philharmoniker hätten sich auch von den Politikern im Stich gelassen gefühlt, habe man doch jahrelang vergebens auf die Probleme mit Karenzregelungen hingewiesen.

Frauen als Substituten. Resel zum weiteren Vorgehen in der Frauen-Frage: Ab sofort würden auch Frauen als Substituten vorspielen, und zwar für die Oper und die Philharmoniker.

PR-Mann, aber kein Manager. Resel empfiehlt - "weil die Diskussion in der Frauenfrage nicht gut gelaufen ist" - einen professionellen PR-Mann, aber keinen Orchestermanager: "Wir sollten bei der selbstverwalteten Struktur bleiben, weiter Verantwortung tragen und dieses Bewußtsein auch an die Jungen weitergeben."

Von einer Krise, so Resel, könne keine Rede sein. Das Orchester sei auf der Höhe seiner Kraft und seines Könnens und benötige auch keinen Chefdirigenten. "Wir wollen unterscheidbar bleiben wie ein Bösendorfer-Flügel, der unter jedem Pianisten anders klingt und doch das unvergleichliche Instrument bleibt."

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