Österreich verstärkt Aktivitäten auf Fernostmärkten

Winkler: Marketing muß aggressiver werden - Defizit im Japan-Handel weiter verringert - Australien-Export floriert

Wien (PWK) - "Die österreichische Wirtschaft hat die Bearbeitung der Märkte des Fernen Ostens in den letzten Jahren sehr intensiviert. Die Zahl der Firmenniederlassungen und Joint Ventures hat sich deutlich erhöht. Die Exportergebnisse variieren allerdings stark von Land zu Land", erklärt Direktor Egon Winkler von der Wirtschaftskammer Österreich bei der Außenhandelstagung Fernost in Wien. Die Möglichkeiten, welche diese "größte Wachstumsregion der Welt" bietet, seien aber bei weitem nicht ausgeschöpft. Österreich habe hier, auch im Vergleich zu anderen EU-Ländern, noch viel aufzuholen. Das Marketing auf diesen heiß umkämpften Märkten müsse aggressiver werden. ****

Im Warenaustausch mit Japan (nach den USA wichtigster Handelspartner in Übersee) konnte Österreich 1996 sein traditionelles Defizit weiter verringern, berichtet Winkler. Die österreichischen Japan-Ausfuhren steigen seit Jahren an und nähern sich der Zehn-Milliarden-Grenze, die Einfuhren sanken auf rund 14 Milliarden Schilling. Den Rückgang des Handelsbilanzdefizits schätzt Winkler als dauerhaft ein, "einerseits weil die japanischen Deregulierungs- und Importförderungsmaßnahmen zu greifen beginnen, andererseits weil die Exportoffensive Österreichs und die gemeinsamen Aktionsprogramme mit der EU Erfolge zeigen".

Die Einbrüche bei den langjährigen Säulen des österreichischen Japan-Exportes - Automobilzulieferungen und Skier - wurden durch Zuwächse bei anderen Produkten mehr als wettgemacht: besonders bei Maschinen und Fahrzeugen, elektronischen Erzeugnissen, Holzkomponenten, Snowboards und (auf bescheidenerem Niveau) bei Nahrungs- und Genußmitteln.

Den drastischen Exportrückgang nach China im Jahr 1996 (um 44 Prozent auf 3 Mrd S) sieht Winkler keineswegs als Niederlage für die österreichische Exportwirtschaft. 70 Prozent des Chinageschäftes entfallen auf Maschinen und Anlagen für Großprojekte. Das führt naturgemäß zu starken Schwankungen, je nachdem wie weit Großaufträge ausgeliefert und neue Abschlüsse schon in Kraft sind. 1997 werden sich im Vorjahr abgeschlossene Lieferverträge auf den Sektoren Energie, Stahl und Maschinen wieder positiv auswirken.

Daß das Interesse der österreichischen Firmen am chinesischen Markt ungebrochen ist, zeigt sich auch an der wachsenden Zahl von Niederlassungen und Joint-Ventures. Ende 1996 gab es insgesamt 90 österreichische Engagements in China, davon 30 Joint Ventures, 38 Niederlassungen und 20 Lizenz- und Know-How-Verträgen.

In Hongkong erwartet man von dem "Schicksalsjahr 1997" und den Jahren danach einen kräftigen Investitionsschub und Wirtschaftsaufschwung. Österreichs Wirtschaft, die derzeit mit 47 Niederlassungen in Hongkong vertreten ist, kann davon sehr profitieren, ist Winkler überzeugt. Besondere Chancen bestünden für Baumaterialien und -technologien, Umwelttechnologien und Konsumgüter aller Art.

Die Auslieferung von zwei Corex-Anlagen hat für den österreichischen Export nach Korea im Jahr 1996 einen Rekordwert von nahezu fünf Mrd S gebracht. Wichtiger Hoffnungsmarkt für österreichische Anbieter sind auch hier Umweltbereich und Bauwirtschaft. Hochwertige Konsumgüter werden in dem Land an der Schwelle zur Industrienation ebenfalls zunehmend interessant.

Das Krisenjahr 1996 in Taiwan hat sich auch auf Österreichs Lieferungen ausgewirkt, die um 14 Prozent auf 2 Mrd S zurückgingen. Für 1997 wird aber wieder ein kräftiger Exportaufschwung erwartet. Taiwan bleibt einer der wichtigsten Partner Österreichs in Fernost -sowohl für den Handel als auch für den Tourismus (1996 besuchten rund 50.000 Taiwanesen Österreich).

Der Stadtstaat Singapur ist nicht nur ein bedeutender Absatzmarkt für Österreich (Export 1996: 2 Mrd S), sondern auch eine wichtige Drehscheibe für die Bearbeitung der gesamten Region, insbesondere der Märkte der ASEAN-Länder. 52 österreichische Unternehmen, darunter drei Banken, nützen diese Chancen durch eigene Repräsentanzen bzw. Betriebe (davon vier als Joint Ventures).

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