Bedenkliche Zustände bei der bäuerlichen Direktvermarktung

Handel fordert gleiche gesetzliche Auflagen für Landwirtschaft

Wien (PWK) - Österreichs Lebensmittelhandel nahm Bauernmärkte in Wien und Umgebung genauer unter die Lupe. Die Bedingungen bei Transport, Lagerung, Hygiene, Verpackung, Kühlung und Kennzeichnung haben in vielen Fällen keinesfalls den Mindestanforderungen entsprochen, die eine Unbedenklichkeit bei Nahrungsmitteln gewährleistet. Die Ergebnisse und die Forderungen der Wirtschaft wurden im Rahmen einer Pressekonferenz des Lebensmittel-, Vieh- und Fleischgroßhandels und Weinhandels in der Wirtschaftskammer Österreich präsentiert. ****

Fünf Märkte mit über 70 Ständen wurden begutachtet. Die vorgeschriebene Kennzeichnung (Ablauf-, Herstellungs-, oder Verpackungsdatum und Qualitätsklassen) auf vorverpackten Nahrungsmitteln fehlte häufig. Verblüffend war das breite Produktsortiment, das auf den als Bauernmärkten registrierten "Handelsplätzen" angeboten wurde.

Dazu Alois Wichtl, Bundesgremialvorsteher des Lebensmittels: "Das Fehlen der gesetzlichen Regelungen, von denen die Landwirte ausgenommen sind, ist schuld an diesen groben Mißständen. Die Ausweitung der Direktvermarktung ohne entsprechende Auflagen, wie sie in der Gewerbeordnungsnovelle vorgesehen ist, bedeutet eine massive Förderung des unkontrollierten Handels mit Nahrungsmitteln und damit ein Gesundheitsrisiko für die Konsumenten."

Die gesetzliche Bevorzugung der Landwirte gegenüber dem Lebensmittelhandel betrifft unter anderem die Frischfleischhygiene-, Geflügelhygiene- und Milchhygiene-Verordnung, die Qualitätsklassenverordnung für Obst, Gemüse, Geflügel und Eier. Ausnahmen für die Landwirtschaft gelten weiters bei Tiertransporten, Preisauszeichnung (Landwirte völlig ausgenommen), Ladenöffnungszeiten (Landwirt kann ohne jede zeitliche Beschränkung verkaufen). Eine massive Bevorzugung der Landwirtschaft liegt auch im Betriebsanlagen-sowie im Steuerrecht.

Krasse Unterschiede gelten für Gewerbe und Landwirtschaft bei den Hygieneanforderungen für die Fleischgewinnung und Fleischverarbeitung. War zum Beispiel die bäuerliche Schlachtung bisher vom Hygienerecht der EU und damit Österreichs ausgenommen, wurde diese mit Beginn 1997 mit absoluten Mindestauflagen aufgenommen. Dieser Schritt, auch von der Wirtschaft und dem Konsumentenschutz seit Jahren gefordert, hat unter den österreichischen Landwirten größten Widerstand ausgelöst. Aus allen anderen umfangreichen, für das Gewerbe geltenden Auflagenbereichen bleibt die Landwirtschaft weiter ausgenommen.

Österreich ist jedoch mit der Umsetzung dieser Hygienerichtlinie schwer im Verzug, weil das Landwirtschaftsministerium vom Gesundheitsministerium weitgehende Ausnahmeregelungen für Bauern in Form von gravierenden Erleichterungen verlangt (entgegen dem EU-Recht).

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Wirtschaftskammer Österreich

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