Greenpeace enthüllt: Wirtschaftskammer im Zentrum der Gentech-Geschäfte

Umweltorganisation verlangt Offenlegung der Finanzierung

Wien (OTS) - der Gentechnik-Forschungsinstitute an Österreichs Unis=

In einem gerade fertiggestellten Dossier ,"Die
Geschäfte der Gentech-Lobby", deckt die Umweltorganisation Greenpeace heute die Strategien und Geschäfte der Gentech-Konzerne in Österreich und in der EU auf. Die Recherchen des freien Journalisten Bernhard Odehnal förderten u. a. zutage, dass der Fachverband der Nahrungs-und Genussmittel-Hersteller in der Wirtschaftskammer Österreich tief in das heimische Gentech-Geschäft verwickelt ist: Die "Zuckerforschung Tulln", die mit ihrem illegalen Erdäpfel-Freisetzungsversuch im Tullnerfeld traurige Bekanntheit erlangt hat, steht laut Firmenbuch im Eigentum der Wirtschaftskammer Österreich.

Die Wirtschaftskammer spielt im gesamten Gentech-Bereich eine zentrale Lobby-Rolle: So hat sie zum Gentechnik-Gesetz nicht nur -wie üblich - eine Stellungnahme abgegeben, sondern das Gesetz gleich mitverfasst, was Gentech-Kämmerer Nikolaus Zacherl auch unverblümt bestätigt. Umwelthaftungs-Vorgaben fehlen im Gesetz mittlerweile zur gänze, und so ist auch Zacherl mit der nun "ganz guten Regelung" zufrieden. Kritiker, so etwa die beiden Abgeordneten Lothar Müller (SPö) und Christian Brünner (ÖVP), wurden von ihren Parteien umgehend "zurückgepfiffen", woraufhin sie den Nationalrat verliessen. Kein Wunder also, dass unterm Strich ein Gesetz verabschiedet wurde, das nicht Konsumenten und Umwelt schützt, sondern vor allem die Industrie.

Die Kammer-Fachverbände der Nahrungs- und Genussmittel-Industrie sowie der Futtermittel-Industrie gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie üben auf ihre Mitglieder starken Druck aus (durch Briefe im Greenpeace-Dossier belegt), keine Garantie-Erklärungen für Gentech-Freiheit abzugeben und das Gentechnik-Volksbegehren keinesfalls zu unterstützen.

Auch Wissenschafter stellen sich bereitwillig in den Dienst der Gentech-Multis. So wurde in Österreich vergangenen Jänner die "unabhängige" Plattform "Gentechnik und wir" gegründet. Ihr Büro hat diese Organisation in den Räumlichkeiten der industrienahen "Gesellschaft österreichischer Chemiker" eingerichtet, ihre PR-Veranstaltungen bezahlt die Gentech-Industrie (z. B. Novartis und Agrana), und Gentech-Kritiker werden rasch als Mitglieder "sektenähnlicher Organisationen" abqualifiziert.

Die Finanzierung österreichischer Universitäts-Institute für Gentechnik ist dagegen weit weniger transparent: Nicht einmal das zuständige Wissenschaftsministerium kann Auskunft darüber geben, mit wessen Geld die Professoren ihre angeblich objektive Forschungs-Tätigkeit finanzieren. Um einiges bekannter allerdings sind die öffentlichkeits-Auftritte einiger Herren: Univ.-Prof. Werner Pfannhauser etwa, bis vor kurzem im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Leiter des Projekts "Gentechnik und Lebensmittelqualtität", war auch als "Gauobmann" des als rechtsextrem eingestuften "österreichischen Turnerbundes" in Wien aktiv und tat sich als engagierter Leserbrief-Schreiber in der hinlänglich bekannten "Aula" hervor.

Eine weitere wichtige Lobby-Adresse für Monsanto und Co. ist das Gesundheitsministerium: Um ein Gensoja-Importverbot bzw. die Kennzeichnung der Produkte in österreich zu verhindern, sprach im Oktober 1996 eine Delegation von Monsanto und den deutschen ölmühlen bei der damaligen Gesundheitsministerin Krammer vor. Diese beruhigte die Monsanto- und Sojaöl-Vertreter sogleich: Wo Gentech-Soja in Produkten wie z. B. öl nicht nachgewiesen werden kann, wird es auch keine Kennzeichnung geben.

as Gesundheitsministerium scheint überhaupt gute Kontakte zu Monsanto und Co. zu unterhalten: Kurz nach dem Krammer-Besuch der Delegation holte sich Ministeriums-Abteilungsleiter Alexander Haslberger direkt bei Hersteller Monsanto gute Ratschläge gegen ein Gentechsoja-Importverbot in österreich. In der Monsanto-Stellungnahme wird dann auch breitest ausgeführt, warum das Unternehmen sein Produkt für nützlich und unschädlich hält. Daraufhin leitete Haselberger das Monsanto-Papier als Bestätigung des Minister-Standpunktes an das Gentech-kritische Umweltbundesamt weiter.

"Im Greenpeace-Dossier wird belegt, dass sich die heimische Politik von Anfang an dem Druck der Gentech-Lobby gebeugt und den Konsumenten-Schutz weitgehend ignoriert hat", resümiert Greenpeace-Sprecher Matthias Schickhofer. "Und die Wirtschaftskammer hat sich all ihrer Mitglieder anzunehmen und somit auch um die Förderung gentech-freier Qualitätsprodukte zu kümmern", fordert Schickhofer.

Auch im Gesundheitsministerium, mittlerweile Ministerium für Verbraucherschutz, ist die Unabhängigkeit von Industrie-Interessen besser zu gewährleisten. Hier fordert Greenpeace eine massive Verlagerung der Forschungs-Schwerpunkte in Richtung der Erforschung langfristiger Gentech-Risiken. "Im übrigen ist es höchste Zeit, die Finanzierung der Gentech-Institute an den Universitäten offenzulegen", schliesst Schickhofer. "Wenn nämlich die Wissenschafter der Plattform 'Gentechnik und wir' weiterhin den Anspruch ihrer Unabhängigkeit aufrechterhalten wollen, haben sie unverzüglich zu belegen, dass sie tatsächlich keine Gelder von der Gentechnik-Industrie beziehen."

Weitere Informationen: Matthias Schickhofer, Greenpeace; Tel.:
01-7130031-44 oder 0664-3386503

Attila Cerman, Greenpeace; Tel.: 01-7130031-58 oder 0663-9208162

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