Konjunktur im Gewerbe und Handwerk hat sich noch nicht erholt

Auftragsbestände der investitionsgüternahen Branchen gingen im ersten Quartal 1997 um 7% zurück

Wien (PWK) - Die Konjunktur im Gewerbe und Handwerk hat sich auch
im 1. Quartal 1997 noch nicht erholt. In den investitionsgüternahen Branchen sind die Auftragsbestände im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 7% auf 11,6 Wochen gesunken. Zuwächsen von 30% bei den Dachdeckern und Pflasterern stehen extreme Rückgänge der Auftragsbestände bei den Steinmetzen (-48%) gegenüber. In den Bundesländern sind die Auftragsbestände besonders stark in der Steiermark (-16%) und in Oberösterreich (-12%) zurückgegangen, während sie in Kärnten um 13% und im Burgenland um 9% zugenommen haben. Der Anteil der öffentlichen Aufträge rutschte auf den absoluten Tiefstand von 16%. ****

"Eine derart unterschiedliche Entwicklung sowohl in den Branchen als auch in den Bundesländern habe ich noch nie erlebt", kommentierte Hans Leitner, Syndikus der Bundessektion Gewerbe und Handwerk, die jüngsten Umfrageergebnisse des Instituts für Gewerbe- und Handwerksforschung (IfG) bei einem Pressegespräch in der Wirtschaftskammer Österreich. Ein leichtes Anziehen der Konjunktur hält Leitner erst in der zweiten Jahreshälfte für möglich.

Die schwierige Situation der letzten 2 Jahre hat das Verhalten der Auftraggeber drastisch verändert. Die Auftragsvergabe erfolgt immer kurzfristiger. Dies senkt die durchschnittlichen Auftragsbestände und erschwert die Kapazitäts- und Arbeitsplanung der Betriebe. Darunter leidet vor allem das Baugewerbe, dessen Auftragsbestand nicht nur weiter zurückgegangen ist (-10,2%), sondern das auch im 2. Quartal noch nicht mit einer Erholung rechnen kann. Etwas erfreulicher ist die Situation in den Sektoren Holz und Metall. Der durchschnittliche Auftragsbestand entspricht in etwa dem Vorjahreswert, die Erwartungen für das 2. Quartal sind jedoch deutlich besser. Kaum Anzeichen einer Erholung gibt es hingegen im Bereich Druck. Hier hat sich der durchschnittliche Auftragsbestand nochmals um eine Woche reduziert, die Erwartungen für das 2. Quartal sind durchwegs pessimistisch.

Relativ stabil, aber auf einem unbefriedigenden Niveau, entwickelten sich die Umsätze in den konsumnahen Sektoren. Hier wirkt sich der zurückhaltende private Konsum unmittelbar auf die Ertragslage der Betriebe aus. Im Sektor Nahrung und Genußmittel mußten im 1. Quartal 1997 rund 44% der Firmen Umsatzeinbußen hinnehmen, bei den persönlichen Dienstleistungen waren es 34% und im Bereich Textil/Bekleidung immer noch 31%.

Allerdings gibt es bereits erste zarte Anzeichen einer Erholung der Konjunktur im Gewerbe und Handwerk. Die Erwartungen der Unternehmer für das 2. Quartal sind optimistischer als noch im Vorjahr. Über 75% der Betriebe rechnen mit steigenden bzw. gleichbleibenden Auftragseingängen und Umsätzen in der zweiten Jahreshälfte, lediglich rund ein Viertel befürchtet Rückgänge. Der Optimismus spiegelt sich auch im Personalbedarf wieder. 80% der Betriebe wollen ihren Personalstand zumindest halten.

Trotz der schwierigen Konjunktursituation hat sich das Gewerbe und Handwerk im vergangenen Jahr als Stabilitätsfaktor Nummer 1 der heimischen Wirtschaft entpuppt. Nach Berechnungen des IfG haben die rund 75.000 Betriebe ihre Preise im vergangenen Jahr lediglich um durchschnittlich 0,5% erhöht und blieben damit deutlich unter der Inflationsrate. Real bedeutet dies für die Betriebe ein Minus von 1,4%. Nicht entspannt hat sich die Lage bei der Preiskonkurrenz, die für knapp 70% aller Betriebe mit Abstand die häufigste Beeinträchtigung der Geschäftssituation ist. Dementsprechend sehen auch nur 46% der Unternehmer eine Möglichkeit, im laufenden Jahr ihre Preise zu erhöhen.

Mit rund 30 Mrd Schilling (-4%) blieben die Investitionen der Gewerbe- und Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr relativ stabil. Die Investitionen je Beschäftigten gingen von 50.000 Schilling im Jahre 1995 auf 48.000 Schilling zurück. Gesunken sind vor allem die Anlageinvestitionen, leicht angestiegen sind bauliche Investitionen.

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