Kammern werden kundennäher, schlanker und effizienter

WKÖ-Präsident ist kein Nebenjob - Rotierende Präsidenten bewegen nichts, außer sich selbst

Wien (PWK) - Der von ihm 1990 begonnene permanente Reformprozeß werde konsequent fortgesetzt kündigte WKÖ-Präsident Leo Maderthaner Mittwoch Abend vor Journalisten an. Ziel der Reformklausur Anfang April sei es, konsensual die Wirtschaftskammern noch kundennäher, schlanker und effizienter zu machen, das Serviceangebot weiter zu verbessern und die Aufgaben zwischen WKÖ und Landeskammern klarer abzugrenzen. ****

Inzwischen seien bereits mehrere Reformen durchgeführt worden, erinnerte Maderthaner:

Für die Ausübung von Funktionen wurden Altersbegrenzungen eingeführt, Funktionen dürfen nicht länger als drei Perioden hindurch ausgeübt werden.

1991 wurde die Pragmatisierung abgeschafft, danach neue Management-Methoden eingeführt:

* Führungspositionen werden ausgeschrieben, Bewerber haben sich in Hearings zu bewähren,

  • Mitarbeitergespräche auf allen Ebenen,
  • Zielvereinbarungen mit leitenden Mitarbeitern.

Auch das Gehaltssystem wurde massiv erneuert.
* Die Gehaltsobergrenzen wurden um bis zu 25 % herabgesetzt,
* eine verstärkte Leistungsorientierung wurde im bestehendem Gehaltssystem verankert,

* für neue Mitarbeiter (ab 1.1.97) wurde das Biennalsystem ebenso abgeschafft wie der Pensionszuschuß.

* Außerdem wird ein neues effizientes, leistungsbezogenes, der Privatwirtschaft angeglichenes Gehaltssystem (Fixgehalt/Leistungsprämie) eingeführt.

Auch der ehrgeizige Sparkurs wurde konsequent eingehalten. So wurden 1994 durch die Außenwirtschaftsförderung noch Einnahmen von 2.384 Millionen erzielt. 1997 werden 1.453 Millionen, also exakt 931 Millionen weniger eingehoben.

Der Personalaufwand im Bereich der WKÖ reduzierte sich von 335,3 Millionen (1993) auf 331,2 Millionen (1997). Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Vergleich des Gesamtaufwandes (ohne Außenwirtschaftsförderung), der 1993 771,5 Millionen betrug und heuer bei 737,8 Millionen liegen wird.

Der Mitarbeiterstand aller Organisationsteile der WKÖ hat nach der Bezügestatistik Ende 1993 1.255 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen betragen. Er sank inzwischen auf 1.134 und soll weiter auf 1.100 reduziert werden.

Zur Vorbereitung der inneren Strukturreform hätte er vor vielen Monaten unter Vorsitz des Tiroler Landeskammer-Präsidenten Hansjörg Jäger einen "Think-Tank" zur Kammerreform eingesetzt. Dort seien zwar etliche Reformvorschläge ausgearbeitet, aber leider nicht konsensual akkordiert worden. Deshalb ist es notwendig geworden, das Reformpaket im Rahmen der Klausur zu diskutieren, aufeinander abzustimmen und spätestens mit Beginn des Jahres 1998 in die Praxis umzusetzen.

"Es ist nicht meine Art, mit meinen Reformplänen vorzeitig in die Öffentlichkeit zu gehen, auch dann nicht, wenn ich mich damit von anderen Exponenten der Wirtschaftskammern unterscheide", sagte Maderthaner. "Aber als einer, der vier Jahre als niederösterreichischer Landeskammerpräsident und fast sieben Jahre als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich hinter sich hat, weiß ich, daß die Aufgaben und die Schwerpunkte in der WKÖ wesentlich anders als in einer Landeskammer gelagert sind. Die Präsidentschaft in der WKÖ ist sicher kein Nebenjob." Von dem seit Tagen kursierenden Vorschlag, den WKÖ-Präsidenten rotierend aus den neuen Bundesländern zu bestellen, sei er nicht betroffen. Seine Dienstzeit ende im Jahr 2000. Umso leichter falle es ihm, die Qualität dieses Vorschlages zu beurteilen: "Rotierende Präsidenten bewegen nichts außer sich selbst", betonte Maderthaner.

Weil ich an einer breiten Meinungsbildung und an einhelligen Beschlüssen interessiert bin, die nicht durch vorzeitige Festlegungen gefährdet werden sollen, werde ich Ihnen heute keinesfalls meine detaillierten Reformpläne bekanntgeben. Ich berichte Ihnen aber gerne dann, wenn das Ei gelegt ist und lade Sie deshalb schon heute für Dienstag, 8. April um 10 Uhr, ins Haus der Wirtschaft zu einer Pressekonferenz zu diesem Thema ein."
(Schluß) hv

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