Journalistengewerkschaft klebt Unterschriften für Broukal auf den ORF

Wien (OTS) - "Gerhard Zeiler hat uns durch die Blume bestellen lassen, wir können uns die Unterschriften auf den Hut picken - jetzt picken wir ihm den ORF voll". So begründete Franz C. Bauer, Präsident der Journalistengewerkschaft, eine Aktion, die er heute gemeinsam mit der Generalsekretärin der Österreichischen Hochschülerschaft am ZA, Frau Wendt Tosca, im ORF-Funkhaus durchführte. Bauer beklebte den Eingangsbereich des Funkhauses mit Unterschriftsformularen. Die Journalistengewerkschaft hat mit anderen Institutionen - darunter mit der Österreichischen Hochschülerschaft - rund 3.300 Unterschriften gesammelt, um damit ihre Unterstützung für den teilsuspendierten ORF-Moderator Josef Broukal zu signalisieren. Broukal war nach einem Interview mit einem FPÖ-Politiker vom Generalintendanten wegen angeblich zu scharfer Gesprächsführung von der Moderation dieser Sendung abberufen worden. Zeiler begründet dies mit 800 Protestanrufen, die im ORF eingegangen seien. "Bei 800 Anrufen ist Zeiler sofort willfährig gesprungen, für 3.300 Unterschriften hingegen findet er es nicht einmal der Mühe wert, sich fünf Minuten Zeit zu nehmen, um diese entgegenzunehmen", so Bauer. Die Gewerkschaft ist vor allem darüber verärgert, daß Zeiler den Moderator in einer einsamen Entscheidung gemaßregelt habe. Zu derartigen Disziplinierungsmaßnahmen sei der Generalintendant jedenfalls nicht aufgerufen, vielmehr habe er die Posotion Broukals vor einem allfälligen Verfahren unmöglich gemacht. Außerdem unternehme der ORF generell zu wenig, um versteckte Parteipropaganda zu verhindern. Nach der Klebeaktion deponierte die Journalistengewerkschaft Kopien der Unterschriftenlisten an der ORF-Reception mit der Aufforderung, sie ORF-Generalintendanten Zeiler in sein Postfach zu legen - vielleicht finde Zeiler nach seiner Rückkehr vom Urlaub Gelegenheit, dieses auszuräumen.

Die Journalistengewerkschaft verfolgt mit dieser Aktion mehrere Ziele. Erstens sollten alle Verantwortlichen im ORF Sorge tragen, daß Interviews mit Politikern nicht regelmäßig zu Parteipropaganda mißbraucht werden. Mit seiner überflüssigen und liebedienerischen Aktion habe Zeiler alle Moderatorinnen und Moderatoren entmutigt, die politische Phrasendrescherei unterbinden wollen.

Zweitens fordert die Journalistengewerkschaft den Generalintendanten auf, künftig Fleißaufgaben wie die Teilsuspendierung Broukals zu unterlassen. Dies komme nämlich einer Vorverurteilung gleich und schwäche die Position des Betroffenen bei allfälligen folgenden Verfahren vor demokratisch legitimierten Instanzen.

Schließlich fordert die Journalistengewerkschaft Generalintendanten Zeiler auf, die Disziplinierungsmaßnahme zu widerrufen.

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