Autonomie für Hongkong auch nach 1997

Lu Ping bei WKÖ-Präsident Maderthaner und im 'Club IW': China hat großes Interesse an weiterer Prosperität Hongkongs

Wien (PWK) - Wirtschaftskreise auf der ganzen Welt beschäftigt die Zukunft der noch-britischen Kronkolonie Hongkong nach der Übernahme durch die Volksrepublik China am 1. Juli 1997. Deutlich betonte der Minister des Büros für Hongkong- und Macao-Angelegenheiten im Staatsrat der Volksrepublik China, Lu Ping, gestern in der Wirtschaftskammer Österreich bei seinem Zusammentreffen mit Präsident Leopold Maderthaner und in seinem Vortrag beim 'Club IW', daß Hongkongs wirtschaftliche Autonomie auch nach der Übernahme unangetastet bleiben werde. Vielmehr habe China nach über zehnjähriger Planung alle Voraussetzungen geschaffen, um Hongkong als internationalen Finanzplatz weiter zu forcieren und als eigenständige Wirtschaftseinheit zu erhalten. ****

Nach Deng Xiaopings Konzept "Ein Land, zwei Systeme" soll Hongkongs Wirtschafts-, Rechts- und Gesellschaftssystem in seiner heutigen Form weitere 50 Jahre Bestand haben. Als 'Hongkong SAR' (Special Administrative Region) wird die Stadt weiterhin Freihandelszone und ein eigenes Zollgebiet mit dem Hongkong-Dollar als Zahlungsmittel bleiben. Das kapitalistische System mit all seinen Attributen wie freie Marktwirtschaft, Pressefreiheit etc. wird fortgeführt werden, Aufenthalts- und Beschäftigunsbewilligungen werden gemäß dem 'Basic Law' - der 'Mini-Verfassung Hongkongs' -erteilt werden. Kurz: Hongkong SAR wird in allen Bereichen - außer bei Verteidigung und 'auswärtigen Angelegenheiten' - ihre weitgehende Autonomie behalten.

Auf Vorbehalte, daß Demokratie und Menschenrechte in Hongkong durch das Mutterland eingeschränkt werden würden, stützte sich Lu Ping auf seine vielfach wiederholte Grundaussage, daß in Hongkong nicht Pekinger Gesetze zur Anwendung kommen werden. Die Regierung Hongkongs werde sehr gut selbst entscheiden können, was für die Zukunft der Stadt das Beste sei.

"China wird der Welt beweisen, daß eine friedvolle und reibungslose Wiedervereinigung mit China möglich ist", so Lu Ping. Schließlich sei China sehr daran interessiert, Hongkong, das ja gleichsam als Fenster Chinas zur westlichen Welt fungiert und eine entscheidenden Rolle für den Öffnungsprozeß Chinas über 19 Jahre hindurch gespielt hat und weiterhin spielen wird, als solches zu behalten.

Die größte Veränderung, die Hongkong erfahren wird, liege darin, daß Hongkong erstmals von Einwohnern Hongkongs regiert werden wird. So kann die Bevölkerung Hongkongs erstmals wirklich selbst über sich bestimmen. Nach der eingesetzten provisorischen Regierung unter C. H. Tung, mit der ein sanfter Übergang ermöglicht wird, werden bereits im ersten Halbjahr 1998 neue Wahlen stattfinden.

Hongkong und China sind gegenseitig ihre größten Handelspartner. 35 Prozent von Hongkongs Gesamtexporten gehen nach China, während 24 Prozent der China-Exporte nach Hongkong fließen. Rund zwei Drittel der Investitionen, die vom Ausland in China getätigt wurden, sind über das Finanzzentrum Hongkong abgewickelt worden. In puncto Kaufkraft rangiert Hongkong mit über 24.000 US-Dollar pro Kopf an sechster Stelle weltweit und ist daher ein international heiß begehrter Markt.

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Dr. Ernst Huber

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