Michael Köhlmeier erhält Anton Wildgans-Preis

34. Preisträger seit 1962 - Vielseitiger Autor von Romanen, Erzählungen, Theaterstücken, Hörspielen, Drehbüchern und Libretti - Verleihung erfolgt am 15.Mai=

Wien (PdI). Dem österreichischen Erzähler und Theaterautor Michael Köhlmeier wird der von der österreichischen Industrie gestiftete Anton Wildgans-Preis 1996 verliehen. Der mit 100.000 S dotierte Literaturpreis wurde 1962 gestiftet, und wird seitdem von einer unabhängigen Jury vergeben. Unter den Wildgans-Preisträgern finden sich große Autoren der 2. Republik wie Thomas Bernhard, Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Ernst Jandl und Christoph Ransmayr. Der Vorarlberger Köhlmeier erhält als 34. Autor die traditionsreiche Anerkennung.

Der 1949 in Hard/Vorarlberg geborene Schriftsteller kann auf ein umfangreiches Werk mit großer Themenbreite verweisen. In seinem Debut-Roman "Der Peverl Toni und seine abenteuerliche Reise durch meinen Kopf" (1982) erweist sich Köhlmeier als meisterhafter Kombinierer verschiedenster Sujets wie Comics und Polit-Nonsense. Seine Heimat Vorarlberg findet Eingang in den Roman "Moderne Zeiten" (1984), eine Groteske als Sitten- und Zeitbild Österreichs. Scheindokumentarische Wahrscheinlichkeiten liegen den Romanen "Die Figur. Die Geschichte von Gaetano Bresci. Königsmörder" (1986) und "Spielplatz der Helden" (1988) zugrunde.

Seine literarische Vielseitigkeit bewies Michael Köhlmeier mit "Die Musterschüler" (1989), einem Roman über die Gefühlskälte von Jugendlichen, der Liebesgeschichte "Bleib über Nacht" (1993) und der Neuinterpretation von Fabeln ("Wie das Schwein zu Tanze ging", 1991) sowie - viel beachtet - von antiken Stoffen ("Telemach", Roman 1995). Die heuer erschienene Erzählung "Dein Zimmer für mich allein", ist wiederum eine anspruchsvolle Beziehungsgeschichte.

Aufmerksamkeit erregte der Autor Köhlmeier mit seiner Hörfunk-Adaption der "Sagen des klassischen Altertums", die mittlerweile auch in zwei CD-Editionen des ORF vorliegt. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten Kurt Schwertsik schrieb Köhlmeier den Text für die im Februar in Linz uraufgeführte Oper "Die Welt der Mongolen". Für den Regisseur Robert Dornhelm steuerte er das Drehbuch für den auf der diesjährigen Berlinale gezeigten Film "Unfisch" bei.

Demnächst erscheint Köhlmeiers neuer Roman "Calypso".

Der heute in Hohenems lebende freiberufliche Schriftsteller studierte von 1970 bis 1978 Germanistik und Politologie in Marburg sowie Mathematik und Philosophie in Gießen und Frankfurt. Von 1973-75 gestaltete er gemeinsam mit Reinhold Bilgeri für Radio Vorarlberg die Kabarettsendung "Im Westen nichts Neues", erste Tonträger wurden gemeinsam produziert. Bis 1985 als Freier Mitarbeiter beim ORF tätig, verfasste er darüber hinaus zahlreiche Hörspiele.

Die Verleihung des Anton Wildgans-Preises 1996 wird am 15. Mai im Wiener Haus der Industrie durch den Präsidenten der Industriellenvereinigung, DI Peter Mitterbauer, vorgenommen.

Michael Köhlmeier Werkauswahl:

Buchveröffentlichungen:

Der Peverl Toni und seine abenteuerliche Reise durch meinen Kopf; Roman (1982) Moderne Zeiten; Roman (1982) Die Figur. Die Geschichte von Gaetano-Bresci, Königsmörder; Roman (1986) Spielplatz der Helden; Roman (1988) Die Musterschüler; Roman (1989) Wie das Schwein zu Tanze ging; Eine Fabel (1991) Bleib über Nacht; Roman (1993) Sunrise; Erzählung (1994) Telemach; Roman (1995) Dein Zimmer für mich allein; Erzählung (1997)

Theaterstücke:

Das Anhörungsverfahren; Bregenz (1976) Scheffknecht und Breuss; Schaan (1989) Love & Glory (Musical); Wien (1990) Männer in der Stadt; Feldkirch (1994) Mein privates Glück; Bregenz (1995) Der liebe Augustin; Bregenz (1995) (Schluß)

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