WWF: Solo von Minister Molterer ist ein Schlag ins Gesicht von Bauern und Umweltschützern

Wien (OTS) - Während Naturschutzbehörden der Länder und Umweltschutzorganisationen Donnerstag nachmittag über das österreichische Umweltförderungsprogramm ÖPUL (Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft) verhandelten, platzte die Bombe: Minister Wilhelm Molterer hat - entgegen allen Vereinbarungen - bereits ein fertiges Papier in seiner Schreibtischlade liegen. Und will es als "Soloprogramm" schon in den nächsten Tagen nach Brüssel schicken. Nur: Damit riskiert Molterer, daß das Programm abgelehnt wird, und heimische Bauern um Milliarden umfallen.

8,2 Milliarden Schilling aus dem ÖPUL-Topf wurden im Vorjahr an etwa 85 Prozent der österreichischen Bauern ausbezahlt. Vorraussetzung für den Erhalt der Förderung ist, den landwirtschaftlichen Betrieb möglichst ökologisch zu führen.

"Der Alleingang Molterers ist völlig unsinnig", so Mag. Simone Lughofer vom World Wide Fund For Nature (WWF). 1995 hatte das Parlament eine hochkarätige Runde aus Beamten der Naturschutzabteilungen und Experten aus Umweltinstitutionen zur Koordination von ÖPUL II, das ab 2000 zu laufen beginnen soll, eingesetzt. Und damit eine wichtige Forderung der EU erfüllt.

"Bei meiner Ehr " - die Agrarlobby hat scheinbar keine

"Mit seinem Solo riskiert Minister Molterer, daß die EU das Programm ablehnt. Und damit unsere Bauern um Förderungen in Milliardenhöhe bringt", schlagen Österreichs Naturschutzvertreter Alarm.

Einen Vorgeschmack dazu haben die Bauern bereits 1996 erlebt:
Aufgrund kapitaler Fehleinschätzungen in den finanziellen Berechnungen des Umweltprogramms, wurden den Landwirten bereits versprochene Prämien im Nachhineien empfindlich gekürzt.

"Bei meiner Ehr " - der Slogan der Agrarmarkt Austria (AMA) -gilt wohl nur für die kleinen Bauern. Sichtlich nicht für die mächtige Agrarlobby Österreichs.

Wer mehr düngt, bekommt mehr Geld

Unverzichtbar ist die Einbindung von Umweltschutzexperten, da im jetzigen ÖPUL schwerwiegende Mängel aufgefallen sind. So bekommt ein Bauer derzeit mehr Fördergel, wenn er seine Wiesen düngt, als wenn er sie naturbelassen läßt. "Das kann ja wohl nicht der Sinn eines Programms für umweltgerechte Landwirtschaft sein", lautet die Kritik der Naturschützer.

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WWF Österreich,
Mag. Simone Lughofer,
Tel.: 01/4891641-34

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