Exportieren, investieren oder fernbleiben?

Firmenforum und Sprechtag "Mittel- und Osteuropa" in der WKÖ Fazit: JA zu Export und Investitionen in den MOELs

Wien (PWK) - Am 13. März 1997 nahmen die österreichischen Handelsdelegierten in Mittel- und Osteuropa bei einem Firmenforum und einem Firmensprechtag in der Wirtschaftskammer Österreich zu der Frage "Exportieren, investieren oder fernbleiben" Stellung. Durch die Reihe riefen sie die zahlreich erschienenen österreichischen Unternehmen auf, die nach wie vor sehr guten Möglichkeiten in Mittel-und Osteuropa wahrzunehmen und neben ihren Exporten auch vor Investitionen nicht zurückzuscheuen. Größter Fehler wäre es, sich durch die zunehmenden Aktivitäten anderer Staaten und den damit verbundenen steigenden Konkurrenzdruck in den MOELs abschrecken zu lassen und so seine Marktanteile zu verschenken. ****

Dies gilt insbesondere für Ungarn, Österreichs wichtigstem Exportland unter den Reformländern, wo heute, Freitag, gerade Bundeskanzler Viktor Klima zu Besuch ist. Die österreichischen Exporte verhielten sich 1996 zwar leicht rückläufig, stellten aber mit einem Wert von rund 20 Mrd. Schilling nach wie vor Österreichs Position als drittwichtigstes Lieferland Ungarns außer Frage. Bei Österreichs Exporteuren, die bereits sehr lange und intensiv sowohl Waren als auch Dienstleistungen nach Ungarn liefern, dürfte eine leichte Verlagerung von Exporten zu Investitionen nach Ungarn stattfinden, meinte Josef Schwarz, Österreichs Handelsdelegierter in Budapest beim Firmenforum. "Firmen testen sozusagen den Markt zuerst mit Exporten ab, und investieren später. Eine ideale Lösung wäre in vielen Fällen allerdings zu exportieren und gleichzeitig zu investieren".

Die Zukunftsprognose für Ungarns Wirtschaft verheiße einen weiteren Aufschwung. Die Privatisierung staatlicher Betriebe werde bald abgeschlossen sein, womit der Beginn einer neuen Phase eintritt, den die österreichischen Firmen besonders in Hinblick auf Kooperationen nicht versäumen sollten, riet Schwarz. Ungarn zähle zu jenen Reformländern, denen als erster der Schritt in die EU gelingen werde.

Als einen wirksamen Weg, sich gegen die Mitbewerber durchzusetzen, die sowohl aus west- als auch osteuropäischen Ländern auf den tschechischen Markt drängen, nannte Österreichs Handelsdelegierter in Prag, Josef Altenburger, die "verstärkte regionale Bearbeitung" der Tschechischen Republik. Die Chancen, die Exporte voranzutreiben, erhöhten sich, je mehr es die Firmen wagen, sich auch ein wenig von den traditionellen Wirtschaftszentren wie Prag oder Südböhmen zu entfernen. "So bieten beispielsweise Mittel- und Nordmähren bereits hervorragende Möglichkeiten für Investitionen und Wirtschaftskooperationen", so Altenburger. Für die Herstellung einfacherer Produkte eigne sich die Tschechische Republik immer weniger, da sie kein Niedriglohnland mehr sei und sich ebenfalls mit großen Schritten auf die EU-Standards hinbewege.

Ähnliches gilt für Slowenien, das einen kleinen, heißumkämpften aber relativ kaufkräftigen Markt darstellt. Die Kaufkraft Sloweniens sei mit jener der EU-Mitglieder Portugal und Griechenland vergleichbar, erklärte Mag. Raymund Gradt, österreichischer Handelsdelegierter in Ljubljana. Darüber hinaus verfüge es über sehr gutes Managementpotential, das für die Errichtung und Führung von Zweigniederlassungen bestens qualifiziert sei. Ein klares JA also für Exportieren und Investieren. Besonders für Investitionen im hochwertigen Produktbereich eigne sich Slowenien gut, dessen größter Direktinvestor nach wie vor Österreich ist.

Ernstzunehmender Bewerber für die EU-Mitgliedschaft ist auch Polen, das mit einem geschätzten BIP-Wachstum von etwa 6 Prozent zu den Ländern in Europa mit dem höchsten Wirtschaftswachstum zählt. Zweifelsohne sei Polen ein empfehlenswertes Export- und Investitionsland, in das 1996 von Österreich fast 4 Mrd. Schilling in Großprojekte floß, erklärte Kurt Müllauer, Handelsdelegierter in Warschau.

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Dr. Bruno Breinschmid

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