Aufbruchstimmung: (nicht nur) Frauenpower fürs Volksbegehren -GRAFIK

Wien (OTS) - Einen Monat vor dem Frauenvolksbegehren und termingerecht zum Weltfrauentag stellt ÖKONSULT, das unabhängige Institut für Umweltforschung und Management Consulting, eine bundesweite Umfrage zu Gleichberechtigung und Frauenforderungen vor. Längst stehen nicht mehr Geschirrspüler, Babys wickeln und Bügeln im Vordergrund der Frauenthematik. Auch Grapschen hat Flaute. Es geht um mehr: (auch) Frauen an die Macht.

"In Österreich sind Männer und Frauen völlig gleich berechtigt und gleich gestellt", lautet eine jener 20 Aussagen die 1.270 Bürgern im gesamten Bundesgebiet Anfang März zur Beurteilung vorgelegt wurden. Anhand einer sechsstufigen Antwortskala von "trifft voll und ganz zu" bis "trifft überhaupt nicht zu" sollten die Umfrageteilnehmer bewerten, für wie richtig oder falsch sie das jeweilige Statement halten. Dabei stellten insgesamt 69 Prozent der Interviewten die behauptete völlige Gleichstellung der Geschlechter in unserem Land mehr oder weniger stark in Abrede. Frauen wiesen diese Aussage entschiedener zurück als Männer. 80 Prozent der Frauen können die behauptete Gleichberechtigung nicht feststellen, entschlossene 45 Prozent meinen sogar, von Gleichstellung könne absolut in keiner Weise die Rede sein. Die Ergebnisse der ÖKONSULT-Umfrage machen deutlich, daß Frauenprobleme längst gesamtgesellschaftliches Anliegen geworden sind. Wenn 79 Prozent der Frauen der Meinung sind, ein Frauenvolksbegehren sei "sinnvoll und angemessen, um den Interessen der Frauen in unserem Land Geltung zu verschaffen", wir niemand verwundert sein. Daß aber auch 62 Prozent der befragten Männer ein solches Frauenvolksbegehren für notwendig halten, konnte nicht vorausgesetzt werden. Allerdings: die zuvor gestellte Frage, welche Volksbegehren Anfang April zur Eintragung aufliegen werden, konnten nur 39 Prozenz mit (überprüfter) Gewißheit richtig beantworten. Erheblicher Kommunikationsbedarf also, einen Monat vor dem Plebiszit.

ÖKONSULT-Chef Joschi Schillhab: "Der Kampf um Gleichstellung und Gleichberechtigung der Geschlechter hat sich von reinen Frauenrechtlerinnen zu einer echten Bürgerbewegung hin emanzipiert. Der Gesetzgeber muß dem Rechnung tragen." Die Belege sind unübersehbar. Die zentrale Forderung nach gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit wird von unüberbietbaren 94(!) Prozent der Bevölkerung getragen. Daß Frauen diese Forderung vertreten, versteht sich von selbst. Jedoch meinen auch 93 Prozent der Männer, daß gleicher Lohn für gleiche Arbeit ein legitimes Anliegen seien. Beachtliche 77 Prozent von ihnen erheben diesen Anspruch mit allem Nachdruck, den die sechsstufige ÖKONSULT-Skala zulässt. An anderer Stelle wird die Kontrollfrage gestellt. Sie verteidigt Machoposition:
"Daß im Durchschnitt Frauen weniger verdienen als Männer, ist eben so. Daran ist nichts Diskriminierendes zu finden." 71 Prozent der Frauen widersprechen massivst. Aber auch 53 Prozent der Männer widersprechen ebenso. Insgesamt können sich 81 Prozent der Männer mit einer solchen Haltung nicht identifizieren. Daß 89 Prozent der Frauen die Lohnbenachteiligung ablehnen würden, war anzunehmen.

Gefragt ist jetzt der Gesetzgeber. 76 Prozent der ÖsterreicherInnen sind der Meinung, daß "durch gesetzliche Maßnahmen in allen Lebensbereichen die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern sicherzustellen" sei. Nur 13 Prozent der Männer wehren sich mit aller Entschlossenheit gegen eine solche Gesetzwerdung, dagegen vertreten 51 Prozent der Frauen eine solche Forderung mit allem Nachdruck und immerhin 36 Prozent der Männer ebenso voll entschlossen. Dabei denken Frauen wie Männer nicht an halbe/halbe Sachen. Richter und Polizist sollen nicht in jedem Geschirrspüler und nicht unter jedem Wickeltisch hocken. Jede zweite Frau und zwei Drittel der Männer verbieten sich ein Hineinregieren des Gesetzgebers in ihre privateste Sphäre. Insgesamt sind 75 Prozent der Umfrageteilnehmer (unterschiedlich stark) dagegen, daß ein Gesetz die Mitwirkung von Männern bei Haushalt und Kindererziehung regelt. Worum es der Bürgerbewegung für Frauenrechte geht, zeigt die erhobene Hitliste der wichtigen Themenbereiche:

Lohngerechtigkeit und Bereitstellung gleichwertiger Berufschancen für Frauen sind den Befragten am allerwichtigsten. Ein Schulnotensystem mit einer Eins für sehr wichtig und einer Fünf für nicht wichtig bewertet die Kategorien Berufschancen und Lohngerechtigkeit mit Notendurchschnitt von 1,5. Männer und Frauen erstellen nahezu die gleiche Wertigkeitsskala. Frauen erwartungsgemäß noch ein wenig engagierter. An zweiter Stelle der Top 10 der Frauenthemen mit der der Note 1,6 stehen die Bereiche soziale Sicherheit, gleichauf mit dem Dauerbrenner Gewalt an Frauen (wobei nicht explizit offensichtlich sexuelle Gewalt gemeint war, die gesondert abgefragt wurde). Den Notenschnitt 1,8 der Gesamtumfrage (Frauen und Männer) und damit den dritten Rang erreichen die Kategorien Altersversorgung, sexuelle Übergriffe und Bildung. Danach Kindererziehung und öffentliche Sicherheit mit der Schulnote 1,9. Das Schlußlicht der Top 10 bildet Hausarbeit mit deutlichem Abstand und der Schulnote 2,9.

Im Vergleich dazu die Wichtigkeitsskala aus der Sicht der Frauen. An aller erster Stelle steht Lohngerechtigkeit, Notendurchschnitt 1,3. Dicht dahinter das Thema Berufschancen (1,4). Soziale Sicherheit und Gewalttätigkeit teilen sich den dritten Platz, Note 1,5. Sexuelle Übergriffe und Altersvorsorgung sind den befragten Frauen die Note 1,7 und damit den vierten Platz wert. Dahinter rangiert öffentliche Sicherheit (1,5). Kindererziehung nimmt den sechsten Platz ein und erhält die Note 1,9. Neuerlich bildet das Thema Hausarbeit das Schlußlicht der Hitliste der Frauenthemen. "Wer die Frauenbewegung auf den Kampf ums Spülmittel und die Windel reduzieren möchte, wird weder dem Thema noch den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern gerecht. Die Zeit der dummen Männerwitze sollte endgültig vorbei sein. Die Gesellschaft und damit auch der Gesetzgeber müssen sich endlich und ernsthaft mit den legitimen Interessen jener Menschen in diesem Lande auseinandersetzen, die immerhin die Mehrheit der Wahlberechtigten stellen" interpretiert Institutsleiter Schillhab die erhobenen Top 10 der Frauenanliegen.

Wo Widerstand gegen die Frauengleichberechtigung geortet werden kann, geht es nach mehrheitlicher Meinung der Befragten "nicht um Gerechtigkeit, sondern um Macht und Geld". 55 Prozent der Gesamtumfrage sind dieser Ansicht, darunter 56 Prozent der Frauen, aber auch 53 Prozent der Männer.

Die Altersversorgung ist für Frauen und Männer unterschiedlich gut und unterschiedlich gerecht geregelt. Und zwar zum Nachteil der Frauen. Dies meinen 53 Prozent der ÖsterreicherInnen. Ein Viertel aller Befragten hat daran nicht den geringsten Zweifel. Allerdings:
während 62 Prozent der Frauen die Ungerechtigkeit der Altersversorgung beklagen, sind 52 Prozent der Männer überzeugt, daß Frauen und Männer im Alter annähernd gleich gut und gerecht versorgt wären.

"Ich bin nicht sicher, ob die exzessiven öffentlichen Debatten ums Geschirrspülen und andere Hausarbeit der Frauenpolitik wirklich genützt haben. Angesichts der gewichtigen Anliegen, die Männer wie Frauen als - noch uneingelöste - Forderungen erheben, muß es verwundern, daß Frauenpolitik keinen noch höheren Stellenwert einnimmt", sieht Kommunikationsexperte Schillhab wachsende Aufgabenstellungen für die Frauenbewegung. Die Ansicht, daß Österreich in "Zeiten wie diesen mit Sparpaket, Arbeitslosigkeit und EU andere, wichtigere Sorgen" als ein Frauenvolksbegehren hätte, kann jedenfalls nicht ins Treffen geführt werden. 69 Prozent der Frauen widersprechen einer solche Haltung (42 Prozent auf das Entschiedenste), insgesamt lehnen 59 Prozent der Befragten diese vorgelegte Aussage ab.

Jedenfalls könnte Österreich nach dem 14. April, dem Ende der Eintragungsfrist für das Frauenvolskbegehren vor einer neuen gesellschaftspolitischen Ära stehen. Über "die Emanzen" zu witzeln dürfte dann nicht mehr ganz so leicht sein. Gegen die Unterstellung, das Frauenvolksbegehren entspringe "bloß dem persönlichen Geltungsbedürfnis einiger Emanzen", wird von zwei Drittel aller Umfrageteilnehmer protestiert. Jede zweite Frau verwahrt sich mit allem Nachdruck gegen eine solche Diskreditierung. Aber auch 55 Prozent der Männer lehnen den vorgelegten Text ab. 43 Prozent von ihnen wollen das Frauenvolksbegehren unterzeichnen. Drei Viertel der befragten Frauen behaupten, sie würden (mehr oder weniger sicher) zur Unterzeichnung gehen. 46 Prozent lassen dabei nicht den geringsten Zweifel offen. Insgesamt wollen 61 Prozent der Gesamtumfrage das Frauenvolksbegehren mit ihrer Unterschrift unterstützen.

"Sei es Zufall oder Zeichen, daß ich just am Weltfrauentag Geburtstag habe. Der Bürgerbewegung für Frauenrechte möchte ich jedenfalls zwei Geschenke machen. Diese Umfrage und einen kleinen Vers in den bekannten kleinformatigen Wind gereimt: Für Machos weht der Wind jetzt rauher: die Rossmann kommt, mit Frauenpower!" schließt ÖKONSULT-Chef Joschi Schillhab.

(Siehe auch APA/OGS-Grafik)

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