Umweltverhalten hält mit guten Vorsätzen nicht immer Schritt

Bei Umweltbewußtsein Österreich im Spitzenfeld - Gute Chancen für Ökoprodukte

Wien (OTS) - In Österreich ist die Bevölkerung für Umweltfragen überdurchschnittlich offen. Laut einer Umfrage von Fessel & GfK können 54 % der Bevölkerung als umweltbewußt eingestuft werden, damit liegt Österreich hinter der deutschsprachigen Schweiz und Westdeutschland an dritter Stelle und somit im Spitzenfeld in Europa. Allerdings klaffen Bewußtsein und tatsächliches umweltfreundliches Verhalten auseinander, denn nur 24 % setzen die guten Vorsätze auch im täglichen Leben um. Je höher der Bildungsgrad, desto höher das Umweltbewußtsein, so eine der Schlußfolgerungen der Studie (4.500 Befragte, Juni 1996), die heute, Montag, von Umweltminister Dr. Martin Bartenstein und Prof. Dr. Rudolf Bretschneider vorgestellt wurde.

Der Höhepunkt des Öko-Bewußtseins ist allerdings überschritten, wie Dr. Rudolf Bretschneider vom Fessel-Institut erläuterte. 1989 und 1990 konnten 59 % der Bevölkerung als umweltbewußt klassifiziert werden, 31 % praktizierten Umweltschutz im eigenen Alltag. Mögliche Ursachen für die Entwicklung: Die Umweltdebatte wird angesichts der Konjunkturlage von Fragen wie Arbeitsplatzsorgen oder Ostöffnung überlagert, das Thema wurde von Politik und Umweltgruppen bereits "institutionalisiert", frühere Problemfelder sind durch erfolgreiche Maßnahmen eliminiert worden.

Trotz der "Entspannung" der früher sensationsgeladenen Umweltdiskussion hat sich eine hohe Bereitschaft entwickelt, "öko-aktiv" zu werden. 300.000 Österreicher (5 %) sind selbst bei der Bewältigung von Umweltproblemen tätig. Jeder Zweite (54 %) wäre dazu grundsätzlich bereit - vorausgesetzt die Zeit erlaubt es, das Thema bewegt die Gemüter und das persönliche Lebensumfeld ist betroffen. Gefördert werden könnte die tatsächliche Realisierung der guten Umweltvorsätze vor allem in Gemeinden und anderen überschaubaren Einheiten, so Bretschneider. Dort bestehe die gute Chance, daß Engagement auch von anderen anerkannt werde und so zum Nachahmen anrege. Als Beispiele nannte Bretschneider die Mülltrennung und den Einbau von Wärmepumpen.

Öko-Produkte dürfen ruhig etwas teurer sein

Massiv zugenommen hat in den letzten Jahren die Bereitschaft, umweltfreundliche Produkte zu kaufen. Vor allem bei Ernährung, Reinigung und Körperpflege achten die Österreicher auf den Öko-Aspekt. Spitzenreiter sind Obst und Gemüse (83 %), Putzmittel, Milch und Milchprodukte (je 76 %), Papierwaren (74 %) und Waschmittel (71 %). Allerdings ist das Mißtrauen gegenüber vollmundigen Werbesprüchen weit verbreitet. 94 % der Befragten zeigten sich skeptisch, ob das Produkt auch immer so umweltfreundlich ist wie versprochen, 85 % bemängeln den zu hohen Preis, 80 % meinen, umweltfreundliche Produkte seien nicht immer leicht erhältlich, und 58 % vermuten hinter der Bezeichnung "Bio" überhaupt nur einen Reklameschmäh.

Trotz allem zeigten sich 86 % der Befragten bereit, für umweltfreundlichere Produkte mehr auszugeben als für herkömmliche. Um bis zu 10 % höhere Preise würden 72 % von ihnen hinnehmen, 18 % würden sogar Aufpreise von 20 % in Kauf nehmen.

Eine entscheidende Rolle für das Umweltbewußtsein spielt das Informationsniveau des einzelnen. Je höher der Informationsstand, umso zufriedener ist man mit der allgemeinen Umweltsituation in Österreich. 74 % verfolgen regelmäßig die Umweltberichterstattung in den Medien, darüberhinaus vertiefen 40 % ihren persönlichen Wissensstand durch Fachliteratur, spezielle Rundfunksendungen und bei einschlägigen Umweltveranstaltungen.

Recht große Differenzen zeigen sich bei der Einteilung der Umweltbewußten nach ihrer politischen Einstellung. Von den Grün-Anhängern können 55 % als umweltaktiv eingestuft werden, von den LIF-Wählern 38 %. Auf Platz 3 rangieren die ÖVP-Wähler (29 %). Die wenigsten "aktiv Umweltbewußten" - so der soziologische Terminus -finden sich unter den Anhängern der SPÖ (19 %) und der FPÖ (15 %). Dieses Bild decke sich im wesentlichen mit den Erhebungen in anderen europäischen Staaten, berichtete Bretschneider. Ausnahme sei lediglich die ÖVP: Ihre Anhänger seien deutlich umweltbewußter als jene in anderen christdemokratischen Parteien in Europa.

Bartenstein: Umweltpolitik hat es "ein klein wenig schwerer" als früher

Die internationalen Unterschiede im Umweltbewußtsein schlagen sich auch in der EU-Umweltpolitik nieder, meinte Umweltminister Bartenstein. Es sei kein Zufall, daß die Staaten mit deutlich umweltbewußter Bevölkerung wie Österreich, Deutschland, Dänemark und Großbritannien auch auf der umweltpolitischen Ebene die Progressivsten seien. Daß das Problembewußtsein leicht gesunken sei, beunruhigt den Minister nicht. "Es ist gelungen, die Polarisierungen von früher abzubauen." Die Erfolge der Umweltpolitik könnten sich sehen lassen, wie etwa die Reduktion des Schwefelausstoßes um 83 % zeige.

Allgemein sei es aber "ein klein wenig schwerer" geworden, Rückhalt für die Umweltpolitik zu finden, stellte Bartenstein fest. Noch vor fünf Jahren sei die Sorge um die Umwelt an oberster Stelle in der Prioritätenskala gestanden. Heute habe ihr die Sorge um die Jobs den Rang abgelaufen, die Umweltanliegen seien auf Platz sieben zurückgefallen.

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