- 30.07.2008, 17:12:37
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"KURIER":"Der Europarekord fällt ins Wasser"
Die Bestmarke von Mirna Jukic wird nicht anerkannt. Das Schwimmbecken in Schwechat ist um 4 Zentimeter zu kurz.
Wien (OTS) - Die Freude war groß bei Mirna Jukic am vergangenen
Samstag. Rund zwei Jahre nachdem ihre Karriere wegen eines
Pfeiffer’schen Drüsenfiebers beendet schien, trumpfte die
22-jährige Wienerin bei den Schwimm-Staatsmeisterschaften in
Schwechat-Rannersdorf gewaltig auf. Obwohl sie ohne ernst zu
nehmende Gegnerin im Rennen war benötigte sie für die 200 Meter Brust
nur 2:23,90 Minuten und unterbot damit den acht Jahre alten
Europarekord der Ungarin Agnes Kovacs um dreizehn Hundertstel.
Mirna Jukic vergoss Freudentränen und flog als Nummer drei der
Weltrangliste über 200 Meter Brust Richtung Hongkong ab, wo sie die
unmittelbare Vorbereitung auf die Spiele abgewickelt wird. Als Nummer
drei der Weltrangliste flog sie ab, als Nummer fünf der
Weltrangliste (mit ihren bis dahin gültigen 2:24,20) setzte sie in
Hongkong auf.
Wie zur Anerkennung von Europarekorden erforderlich, musste das
Schwimmbad in Schwechat-Rannersdorf (pro forma) nachgemessen werden.
Nachmessung Und, was niemand für möglich gehalten hat, ist seit
gestern Gewissheit. Das Zivilingenieurbüro für Vermessungswesen
Korschinek & Partner wurde auf Wunsch des Schwimmverbandes von der
Stadtgemeinde Schwechat damit beauftragt, das Becken nachzumessen und
fand heraus, dass besagtes Schwimmbecken nicht 50 Meter, sondern nur
49,96 Meter lang ist.
Wie konnte das passieren?
Anfang der Siebziger Jahre bekam das Schwimmbecken in Schwechat
Schäden, was zur Folge hatte, dass eine Firma beauftragt wurde, ein
Nirosta-Becken einzusetzen. Mit der Auflage, dass selbstverständlich
das 50 Meter lange Innenleben erhalten bleiben muss.
Das dürfte auch geschehen sein. Nur: Bei offiziellen Wettkämpfen
muss der Veranstalter zwecks Zeitnehmung gelbe Plastikmatten
einhängen, die das Becken um wenige Zentimeter verkürzen. Offen ist
es nun, ob vor mehr als 30 Jahren ebendiese Anforderungen noch andere
waren, oder ob damals darauf keine Rücksicht genommen wurden.
Fest steht, dass der österreichische Verband, der seit Jahrzehnten in
Schwechat nationale und internationale Wettkämpfe organisiert hat,
das Becken offensichtlich nie vermessen ließ.
Neben der Stadt Schwechat, die ohne es wissen zu können seit mehr
als drei Jahrzehnten über ein 50-Meter-Becken verfügt, das kein
50-Meter-Becken ist, sind vor allem zahlreiche Sportler geschädigt.
Sämtlichen in Schwechat erzielten Rekorden droht die Aberkennung.
Alleine bei den Staatsmeisterschaften am letzten Wochenende wurden
ein Europarekord (Mirna Jukic) und elf österreichische Rekorde
erzielt.
Gelassenheit Mirna Jukic erfuhr gestern nach 18-stündiger Anreise
mit Bruder Dinko und Trainervater Zeljko unmittelbar nach ihrer
Landung vom KURIER, dass das Becken zu kurz war: "Na ja, was soll ich
tun? Das ist kein Drama für mich."
Und die Spitzenschwimmerin fügte hinzu: "Dann werde ich den
Europarekord halt hier in China noch einmal schwimmen."
Bleibt allen Beteiligten zu wünschen, dass alle Betroffene dermaßen
abgebrüht reagieren wie Mirna Jukic.
Von Martin Sörös
Rückfragehinweis:
KURIER
Sportredaktion
Tel.: +43 1 52100 DW 2814
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