Ein Vorzeigemodell: 10 Jahre Mehrphasenausbildung für junge Autofahrer - VIDEO/GRAFIK
Wien (OTS) - Zahl der getöteten PKW-Lenker zwischen 17 und 25 Jahren
um mehr als die Hälfte reduziert, die Zahl der Verunglückten
(Getötete und Verletzte) um -36%. Jedoch sind junge Lenker nach wie
vor überproportional häufig an Unfällen beteiligt. Das KFV
(Kuratorium für Verkehrssicherheit) fordert daher eine optimierte
Begleitung junger Lenker.
Die Erfahrung ist klein, die Selbstüberschätzung groß -
jugendliche Pkw-Fahranfänger stechen seit Jahrzehnten in den
Verkehrsunfallstatistiken national wie international als Sorgenkinder
hervor. Sie haben ein deutlich höheres Unfallrisiko und sind
überproportional unter den Unfallverursachern vertreten. Auch wenn
die jungen Lenker es oft anders sehen: Nach einigen Wochen Fahrpraxis
sind sie noch keine Könner und so führen eklatante Fehleinschätzungen
zum Abkommen von der Fahrbahn, Crashs in schnellen Kurven und den
berüchtigten Disco-Unfällen, der tödlichen Mischung aus Alkohol und
nicht angepasster Geschwindigkeit. Österreich geht mit der zweiten
Ausbildungsphase (Mehrphasenausbildung) seit 2003 einen
vielbeachteten Weg in der Verkehrssicherheitsarbeit für junge
Verkehrsteilnehmer, der zum Vorbild für Maßnahmen in anderen Ländern
geworden ist. Das Prinzip ist einfach: Nach Erteilung der
Lenkberechtigung müssen innerhalb eines Jahres drei weitere
Fortbildungen absolviert werden. Bei zwei Perfektionsfahrten (L17:
eine Perfektionsfahrt), einem Fahrsicherheitstraining und einem
verkehrspsychologischen Gruppengespräch bekommen die Fahranfänger -
prüfungsfrei - Feedback zu ihrem Können als Autolenker und einen
neutralen Blick auf ihr Risikoverhalten. "Trotz beeindruckender
Ergebnisse sind wir aber noch nicht am Ziel", betont Dr. Othmar
Thann, Direktor des KFV. "Auch nach zehn Jahren Mehrphasenausbildung
sind junge Lenker überproportional häufig an Unfällen mit
Personenschaden beteiligt. Wir sehen, dass das Prinzip der zweiten
Ausbildungsphase Früchte trägt und ein erster Schritt in Richtung
eines lebensbegleitenden Lernprozesses ist, aber nach oben gibt es
noch viel Luft. Es wird Zeit für eine Anpassung und Modernisierung",
so Thann.
Mehrphasenausbildung hat unzählige Leben gerettet. Rückgang bei jungen Lenkern stärker als der Trend
Dass die zweite Ausbildungsphase kein Experiment mehr ist, sondern
eine gesicherte Methode zur Reduktion des Fahranfängerrisikos, lässt
sich am deutlichsten mit den Zahlen der letzten zehn Jahre
beschreiben, die das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit)
ausgewertet hat. 2003 verunglückten noch 8.476 Pkw-LenkerInnen
zwischen 17 und 25 Jahren bei Verkehrsunfällen, 2011 waren es 5.411.
Anders ausgedrückt: Die Anzahl verunglückter Fahranfänger ist um 36
Prozent zurückgegangen, während bei Lenkern über 25 Jahre ein
Rückgang von "nur" 24 Prozent zu verzeichnen war. Um mehr als die
Hälfte hat sich in diesem Zeitraum die Zahl der getöteten jungen
Pkw-Lenker reduziert: von 121 (2003) auf 50 (2011). Die Mehrphase hat
damit im letzten Jahrzehnt insgesamt ca. 100 Leben gerettet, die
gerade erst begonnen haben, und ca. 6.000 Verletzte verhindert.
Es geht noch besser: Mehr Praxis, neue Methoden
Trotz der erfreulichen Entwicklung sind junge Lenker nach wie vor
überproportional häufig an Unfällen beteiligt. Bei einem
Bevölkerungsanteil der 17-25 Jährigen von 13% liegt die
Unfallbeteiligung mit Personenschäden dieser Altersgruppe bei 33%.
Von Anfang an wurde die zweite Ausbildungsphase gut aufgenommen.
Besonders das Fahrsicherheitstraining hat es den jungen Fahranfängern
angetan und steht im Beliebtheitsranking der Module an der Spitze.
Gruppendiskussionen mit den Betroffenen haben weiters gezeigt, dass
auch Trainings zur Gefahrenwahrnehmung (praxisnahe Tipps zum Umgang
mit Risiken) als sinnvoll empfunden werden und - wie in der neuen
Motorradausbildung - auch in die Fahrausbildung der PKW-Lenker
integriert werden sollten. "Wir wissen, dass junge Fahrer schneller
bereit sind, ein Risiko einzugehen und Gefahren häufig nicht richtig
einschätzen können. Aus diesem Grund ist es bei dieser Gruppe
besonders wichtig, ihre Risikokompetenz ausreichend zu schulen und
sie in der Gefahrenwahrnehmung fit zu machen", schließt Thann.
Tel.: 05-77077-1919
E-Mail: pr@kfv.at,
www.kfv.at

















