• 18.04.2012, 12:08:01
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Alpine Sicherheit: "Land der Berge, unfallreich: Hohes Verletzungsrisiko durch Trendsportarten" - BILD/VIDEO

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2874/
Im Bild v.l.n.r.: Dr. Louis Norman-Audenhove (Generalsekretär des Versicherungsverbandes Österreich VVO), Prof. Peter Habeler (Extrembergsteiger), Dr. Karl Gabl (Präsident des Kuratoriums für alpine Sicherheit (KURASI)), Dr. Wolfram Littich (Präsident des Versicherungsverbandes Österreich VVO) und Dr. Othmar Thann (Geschäftsführer Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV))

Wien (OTS) - Egal ob Mountainbiker, Wanderer oder Bergsteiger:
Viele Trendsportler leben gefährlich. Die Zahl der Verletzten - und
sogar der Todesopfer - steigt. Das Hauptproblem sind aber nicht die
Sportarten an sich, sondern Selbstüberschätzung, mangelnde Erfahrung
und fehlende körperliche Fitness.

Endlich ist der Frühling da und der Beginn der
Sommer-Outdoor-Saison 2012 rückt erfreulich näher. Millionen
Sportbegeisterte wird es auch dieses Jahr wieder in die Berge ziehen.
Tatsächlich zählen Wandern, Bergsteigen, Mountainbiken & Co zu den
beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Österreich. Doch leider birgt
vor allem die Ausübung dieser aktuellen Trendsportarten ein hohes
Verletzungsrisiko: "Rund 14.000 Menschen verletzen sich
durchschnittlich im Jahr in Österreich beim Wandern, Bergsteigen und
Mountainbiken so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden
müssen - auf ein Jahr aufgerechnet sind das im Durchschnitt mehr als
38 Menschen pro Tag. Die Gefahr in den Bergen wird von vielen stark
unterschätzt", erläutert Dr. Wolfram Littich, Präsident des Verbandes
der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO.

Steigende Zahl von Freizeitunfällen

Im Jahr 2011 starben beim Wandern, Bergsteigen und Mountainbiken
in Österreich 113 Menschen. "Während in anderen Bereichen wie z. B.
dem Straßenverkehr der Anteil der Verkehrsunfälle mit Todesopfern
rückläufig ist, steigt die Zahl der tödlichen Freizeitunfälle
jährlich an", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. Bei den
meisten Todesopfern im alpinen Bereich handelt es sich nicht um
Hochalpinisten, sondern um Personen die im leichten Gelände, beim
sogenannten Bergwandern unterwegs sind: Hier gab es im Jahr 2011
alleine bei den Todesopfern einen Zuwachs von mehr als 10 Prozent
gegenüber dem Vorjahr! "Todesursache Nummer 1 ist nach wie vor das
Herz-Kreislaufversagen. Mehr als 50 Prozent der tödlichen Bergunfälle
sind darauf zurückzuführen. An zweiter Stelle der tödlichen
Unfallursachen steht das Stürzen, Stolpern und Ausrutschen.
Naturgefahren wie Stein- oder Eisschlag spielen bei den
Bergwanderunfällen nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Selbstüberschätzung und mangelnde körperliche Fitness sind einmal
mehr die Hauptgründe für Unfälle. Sich konditionell immer gut
vorzubereiten, ist essentiell", so Thann.

Mountainbike-Unfälle: Knochenbrüche im Verletzungsranking top

Rund 6.400 Mountainbiker (2011: 6.600) landen durchschnittlich im
Jahr nach einem Mountainbike-Unfall im Spital. Gerade Männer sehen
hierbei die Behandlungszimmer der Spitäler besonders oft von innen:
80 Prozent der Verletzten sind Männer. Das Durchschnittsalter der
verletzten Mountainbiker liegt bei 34 Jahren. Betrachtet man die Art
der Verletzungen, so ist der Knochenbruch unangefochten auf Platz
eins: Rund 50 Prozent der verunglückten Mountainbiker brachen sich
beispielsweise das Schlüsselbein, die Rippen, die Unterarme oder die
Schultern. Im schlimmsten Fall waren die Wirbelsäule oder der Schädel
betroffen.

Volkssport Wandern und Bergsteigen: Gefahren werden
unterschätzt

Rund 7.500 Menschen verletzen sich im Durchschnitt jährlich beim
Wandern oder Bergsteigen. Galt früher der schlecht ausgerüstete
"Halbschuhtourist" als Synonym für den alpinen Leichtsinn, ist dieser
heute (auch dank der modernen Bekleidungsindustrie) zunehmend besser
ausgerüstet (Ausnahmen bestätigen auch hier immer wieder die Regel).
"Die beste Ausrüstung kompensiert allerdings nicht die tatsächliche
mangelnde Erfahrung und körperliche Konstitution", erläutert Thann.
"Tatsächlich sind banales Ausrutschen und Stolpern als Folgen des
fehlenden Könnens beim Gehen und Steigen im Gelände und geringe
körperliche Fitness die Hauptgründe für Bergunfälle. Trendige
Bergerlebnisse sind mehr denn je gefragt. Viele Menschen sind dann
doch eher unvermittelt mit dem Gebirge konfrontiert, investieren kaum
Zeit für Vorbereitung und Training. Die Mixtur aus hoch gestecktem
Ziel bei wenig Erfahrung kann mit tödlicher Präzision zum Bergunfall
führen."

Sicher in den Bergen unterwegs

Wer sich im alpinen Gelände bewegt, sollte besonders auf die
Tourenplanung achten. "Die Routen sollten dem eigenen Können und
nicht nur dem eigenen Wollen angepasst sein. Darüber hinaus sollte
Rücksicht auf die Natureinflüsse, wie Wetter und aktuelle
Verhältnisse auf der geplanten Tour genommen werden", weiß Dr. Karl
Gabl, Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine
Sicherheit. "Viele Bergsportler machen den Fehler, gleich zu Beginn
der Saison, vor lauter Motivation neue persönliche Bestleistungen
bringen zu wollen. Gerade beim Bergwandern empfiehlt es sich aber mit
leichten Eingehtouren zu beginnen, damit sich der Körper an die
Belastung und Höhe gewöhnen kann", so Gabl. In den Rucksack gehören
immer Regenschutz und warme Wechselkleidung. Professionelle
Alpinisten wie der Extrembergsteiger Prof. Peter Habeler, der immer
noch viel auf den Bergen der ganzen Welt unterwegs ist, haben auch
immer eine kleine Bergapotheke und einen Biwaksack dabei (wiegen nur
wenige Gramm). Auch ein geladenes Mobiltelefon, um im Ernstfall
Hilfe anzufordern (Euro-Notruf: 112) darf nicht fehlen. "Die beste
Ausrüstung ist allerdings nutzlos, wenn sich der Mensch unbedacht in
Gefahr begibt. Selbstüberschätzung wird hierbei immer mehr zum Thema.
Viele Bergsportler glauben, einfach alles ist machbar. In den Bergen
gilt: Sicherheit geht vor!", schließt Habeler.

Sicherheitstipps:

1) Richtige Selbsteinschätzung: Prüfe vor jeder Bergtour die
persönliche Verfassung und dein spezifisches Können. Schätze die
eigenen Kräfte und die der Begleiter - insbesondere jene der Kinder -
richtig ein. Danach richtet sich die Länge/Schwierigkeit der Tour.
Trainieren sollte man besser vor, und nicht während der Bergtour.
Übermüdung, Erschöpfung und Überforderung sind häufige
Unfallursachen. Unbedingt auch auf die Tagesverfassung achten:
Respektiere die Zeichen deines Körpers und plane die Tour
entsprechend um.

2) Richtige Tourenplanung: Alle verfügbaren Informationen aus
Karten, Tourenführern, Tourenberichten im Internet,
Wetterinformationen über die geplante Tour einholen. Beobachte
laufend das Umfeld und passe dein Verhalten an. Ein Angehöriger, der
Quartiergeber im Urlaub, der Hüttenwirt, etc. sollten über den
geplanten Tourenverlauf und die voraussichtliche Rückkehr informiert
werden. Die Suche nach verirrten Personen führt oft zu unnötig
aufwendigen und langwierigen Einsätzen durch die Bergrettung.

3) Richtige Ausrüstung: Die erforderliche Ausrüstung sorgfältig
nach Jahreszeit, Dauer, Art und Schwierigkeit der Tour
zusammenstellen. Orientierungsmittel wie Karten sowie
Rucksackapotheke, Handy mit vollem Akku, akustische/optische
Signalmittel, Regenschutz und Wechselwäsche immer mitführen. Auch im
Sommer kann Unterkühlung zu Leistungsverlust und Erschöpfung führen.

4) Richtiges Tempo: Passe das Tempo deiner Kondition und der
deiner Partner an. Das Tempo orientiert sich stets am schwächsten
Mitglied einer Gruppe. Die Gruppe nicht alleine verlassen. Zu
schnelles Gehen führt zu frühzeitiger Ermüdung und Überforderung und
in weiterer Folge zu Erschöpfung. Lass dir Zeit beim Abstieg: ein
Großteil der Unfälle passiert beim Abstieg aus Unachtsamkeit und/oder
Übermüdung - deswegen auch am Weg ins Tal immer wieder Pausen
einlegen.

5) Richtige Verpflegung: Ausreichend Getränke und energiereiche
Nahrung mitnehmen. Regelmäßig Ess- und Trinkpausen einlegen,
allerdings keinen Alkohol trinken!

6) Richtige Wettereinschätzung: Frühzeitig, schon bei der
Tourenplanung, Wetterinformationen einholen. Beobachte die Wetterlage
bereits vor dem Beginn der Tour. Anpassen an die Wetterentwicklung
und rechtzeitiges Umkehren bei deutlicher Verschlechterung sind ein
Zeichen von Stärke und Umsicht.

7) Richtige Reaktion bei Notfällen: Im Notfall den Euro-Notruf:
112 wählen. Unfallgeschehen und Ort möglichst genau schildern, Ruhe
bewahren, den Anweisungen folgen und am Unfallort warten, bis Hilfe
eintrifft. Sparsam telefonieren, damit der Akku lange reicht. Einen
Verletzten grundsätzlich nie alleine lassen. Das alpine Notsignal
anwenden (z. B. bei unklaren Ortsangaben).

Wussten Sie, dass...

... sich durchschnittlich rund 7.500 Wanderer und Bergsteiger
sowie 6.400 Mountainbiker in Österreich so schwer verletzen, dass sie
im Spital behandelt werden müssen.

... nicht das schwierige alpine Gelände oder die Schwierigkeit der
Sportart selber für die große Anzahl von Unfallopfern verantwortlich
ist, sondern meist Selbstüberschätzung und mangelnde körperliche
Fitness.

... durch einfache Maßnahmen wie Steigerung der körperlichen
Fitness, regelmäßige Pausen, sorgfältige Routenplanung und der
Absolvierung von Kursen viele Unfälle bereits im Vorfeld verhindert
werden könnten.

Weitere Bilder unter:
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AOM / Originaltext-Service sowie im Volltext der Aussendung auf
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Rückfragehinweis:

VVO Versicherungsverband Österreich
   Mag. Dagmar HAUSER
   T.: 01/711 56/289
   F.: 01/711 56/280
   E.: [email protected]
   www.vvo.at

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