OTS0134   18. Apr. 2012, 12:08

Alpine Sicherheit: "Land der Berge, unfallreich: Hohes Verletzungsrisiko durch Trendsportarten"



VIDEO zu OTS - Bericht zu Alpine Sicherheit: "Land der Berge, unfallreich: Hohes Verletzungsrisiko durch Trendsportarten"



Egal ob Mountainbiker, Wanderer oder Bergsteiger: Viele Trendsportler leben gefährlich. Die Zahl der Verletzten - und sogar der Todesopfer - steigt. Das Hauptproblem sind aber nicht die Sportarten an sich, sondern Selbstüberschätzung, mangelnde Erfahrung und fehlende körperliche Fitness.

Endlich ist der Frühling da und der Beginn der Sommer-Outdoor-Saison 2012 rückt erfreulich näher. Millionen Sportbegeisterte wird es auch dieses Jahr wieder in die Berge ziehen. Tatsächlich zählen Wandern, Bergsteigen, Mountainbiken & Co zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Österreich. Doch leider birgt vor allem die Ausübung dieser aktuellen Trendsportarten ein hohes Verletzungsrisiko: "Rund 14.000 Menschen verletzen sich durchschnittlich im Jahr in Österreich beim Wandern, Bergsteigen und Mountainbiken so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen - auf ein Jahr aufgerechnet sind das im Durchschnitt mehr als 38 Menschen pro Tag. Die Gefahr in den Bergen wird von vielen stark unterschätzt", erläutert Dr. Wolfram Littich, Präsident des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO.

Steigende Zahl von Freizeitunfällen

Im Jahr 2011 starben beim Wandern, Bergsteigen und Mountainbiken in Österreich 113 Menschen. "Während in anderen Bereichen wie z. B. dem Straßenverkehr der Anteil der Verkehrsunfälle mit Todesopfern rückläufig ist, steigt die Zahl der tödlichen Freizeitunfälle jährlich an", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. Bei den meisten Todesopfern im alpinen Bereich handelt es sich nicht um Hochalpinisten, sondern um Personen die im leichten Gelände, beim sogenannten Bergwandern unterwegs sind: Hier gab es im Jahr 2011 alleine bei den Todesopfern einen Zuwachs von mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr! "Todesursache Nummer 1 ist nach wie vor das Herz-Kreislaufversagen. Mehr als 50 Prozent der tödlichen Bergunfälle sind darauf zurückzuführen. An zweiter Stelle der tödlichen Unfallursachen steht das Stürzen, Stolpern und Ausrutschen. Naturgefahren wie Stein- oder Eisschlag spielen bei den Bergwanderunfällen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Selbstüberschätzung und mangelnde körperliche Fitness sind einmal mehr die Hauptgründe für Unfälle. Sich konditionell immer gut vorzubereiten, ist essentiell", so Thann.

Mountainbike-Unfälle: Knochenbrüche im Verletzungsranking top

Rund 6.400 Mountainbiker (2011: 6.600) landen durchschnittlich im Jahr nach einem Mountainbike-Unfall im Spital. Gerade Männer sehen hierbei die Behandlungszimmer der Spitäler besonders oft von innen: 80 Prozent der Verletzten sind Männer. Das Durchschnittsalter der verletzten Mountainbiker liegt bei 34 Jahren. Betrachtet man die Art der Verletzungen, so ist der Knochenbruch unangefochten auf Platz eins: Rund 50 Prozent der verunglückten Mountainbiker brachen sich beispielsweise das Schlüsselbein, die Rippen, die Unterarme oder die Schultern. Im schlimmsten Fall waren die Wirbelsäule oder der Schädel betroffen.

Volkssport Wandern und Bergsteigen: Gefahren werden unterschätzt

Rund 7.500 Menschen verletzen sich im Durchschnitt jährlich beim Wandern oder Bergsteigen. Galt früher der schlecht ausgerüstete "Halbschuhtourist" als Synonym für den alpinen Leichtsinn, ist dieser heute (auch dank der modernen Bekleidungsindustrie) zunehmend besser ausgerüstet (Ausnahmen bestätigen auch hier immer wieder die Regel). "Die beste Ausrüstung kompensiert allerdings nicht die tatsächliche mangelnde Erfahrung und körperliche Konstitution", erläutert Thann. "Tatsächlich sind banales Ausrutschen und Stolpern als Folgen des fehlenden Könnens beim Gehen und Steigen im Gelände und geringe körperliche Fitness die Hauptgründe für Bergunfälle. Trendige Bergerlebnisse sind mehr denn je gefragt. Viele Menschen sind dann doch eher unvermittelt mit dem Gebirge konfrontiert, investieren kaum Zeit für Vorbereitung und Training. Die Mixtur aus hoch gestecktem Ziel bei wenig Erfahrung kann mit tödlicher Präzision zum Bergunfall führen."

Sicher in den Bergen unterwegs

Wer sich im alpinen Gelände bewegt, sollte besonders auf die Tourenplanung achten. "Die Routen sollten dem eigenen Können und nicht nur dem eigenen Wollen angepasst sein. Darüber hinaus sollte Rücksicht auf die Natureinflüsse, wie Wetter und aktuelle Verhältnisse auf der geplanten Tour genommen werden", weiß Dr. Karl Gabl, Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit. "Viele Bergsportler machen den Fehler, gleich zu Beginn der Saison, vor lauter Motivation neue persönliche Bestleistungen bringen zu wollen. Gerade beim Bergwandern empfiehlt es sich aber mit leichten Eingehtouren zu beginnen, damit sich der Körper an die Belastung und Höhe gewöhnen kann", so Gabl. In den Rucksack gehören immer Regenschutz und warme Wechselkleidung. Professionelle Alpinisten wie der Extrembergsteiger Prof. Peter Habeler, der immer noch viel auf den Bergen der ganzen Welt unterwegs ist, haben auch immer eine kleine Bergapotheke und einen Biwaksack dabei (wiegen nur wenige Gramm). Auch ein geladenes Mobiltelefon, um im Ernstfall Hilfe anzufordern (Euro-Notruf: 112) darf nicht fehlen. "Die beste Ausrüstung ist allerdings nutzlos, wenn sich der Mensch unbedacht in Gefahr begibt. Selbstüberschätzung wird hierbei immer mehr zum Thema. Viele Bergsportler glauben, einfach alles ist machbar. In den Bergen gilt: Sicherheit geht vor!", schließt Habeler.

Sicherheitstipps:

1) Richtige Selbsteinschätzung: Prüfe vor jeder Bergtour die persönliche Verfassung und dein spezifisches Können. Schätze die eigenen Kräfte und die der Begleiter - insbesondere jene der Kinder - richtig ein. Danach richtet sich die Länge/Schwierigkeit der Tour. Trainieren sollte man besser vor, und nicht während der Bergtour. Übermüdung, Erschöpfung und Überforderung sind häufige Unfallursachen. Unbedingt auch auf die Tagesverfassung achten: Respektiere die Zeichen deines Körpers und plane die Tour entsprechend um.

2) Richtige Tourenplanung: Alle verfügbaren Informationen aus Karten, Tourenführern, Tourenberichten im Internet, Wetterinformationen über die geplante Tour einholen. Beobachte laufend das Umfeld und passe dein Verhalten an. Ein Angehöriger, der Quartiergeber im Urlaub, der Hüttenwirt, etc. sollten über den geplanten Tourenverlauf und die voraussichtliche Rückkehr informiert werden. Die Suche nach verirrten Personen führt oft zu unnötig aufwendigen und langwierigen Einsätzen durch die Bergrettung.

3) Richtige Ausrüstung: Die erforderliche Ausrüstung sorgfältig nach Jahreszeit, Dauer, Art und Schwierigkeit der Tour zusammenstellen. Orientierungsmittel wie Karten sowie Rucksackapotheke, Handy mit vollem Akku, akustische/optische Signalmittel, Regenschutz und Wechselwäsche immer mitführen. Auch im Sommer kann Unterkühlung zu Leistungsverlust und Erschöpfung führen.

4) Richtiges Tempo: Passe das Tempo deiner Kondition und der deiner Partner an. Das Tempo orientiert sich stets am schwächsten Mitglied einer Gruppe. Die Gruppe nicht alleine verlassen. Zu schnelles Gehen führt zu frühzeitiger Ermüdung und Überforderung und in weiterer Folge zu Erschöpfung. Lass dir Zeit beim Abstieg: ein Großteil der Unfälle passiert beim Abstieg aus Unachtsamkeit und/oder Übermüdung - deswegen auch am Weg ins Tal immer wieder Pausen einlegen.

5) Richtige Verpflegung: Ausreichend Getränke und energiereiche Nahrung mitnehmen. Regelmäßig Ess- und Trinkpausen einlegen, allerdings keinen Alkohol trinken!

6) Richtige Wettereinschätzung: Frühzeitig, schon bei der Tourenplanung, Wetterinformationen einholen. Beobachte die Wetterlage bereits vor dem Beginn der Tour. Anpassen an die Wetterentwicklung und rechtzeitiges Umkehren bei deutlicher Verschlechterung sind ein Zeichen von Stärke und Umsicht.

7) Richtige Reaktion bei Notfällen: Im Notfall den Euro-Notruf: 112 wählen. Unfallgeschehen und Ort möglichst genau schildern, Ruhe bewahren, den Anweisungen folgen und am Unfallort warten, bis Hilfe eintrifft. Sparsam telefonieren, damit der Akku lange reicht. Einen Verletzten grundsätzlich nie alleine lassen. Das alpine Notsignal anwenden (z. B. bei unklaren Ortsangaben).

Wussten Sie, dass...

... sich durchschnittlich rund 7.500 Wanderer und Bergsteiger sowie 6.400 Mountainbiker in Österreich so schwer verletzen, dass sie im Spital behandelt werden müssen.

... nicht das schwierige alpine Gelände oder die Schwierigkeit der Sportart selber für die große Anzahl von Unfallopfern verantwortlich ist, sondern meist Selbstüberschätzung und mangelnde körperliche Fitness.

... durch einfache Maßnahmen wie Steigerung der körperlichen Fitness, regelmäßige Pausen, sorgfältige Routenplanung und der Absolvierung von Kursen viele Unfälle bereits im Vorfeld verhindert werden könnten.

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2874/

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0134 2012-04-18 12:08 181208 Apr 12 VVO0001 1199



Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs Zur Pressemappe

Rückfragehinweis: VVO Versicherungsverband Österreich
Mag. Dagmar HAUSER
T.: 01/711 56/289
F.: 01/711 56/280
E.: dagmar.hauser@vvo.at
www.vvo.at

Aussendungen von Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs abonnieren: als RSS-Feed per Mail

Geokoordinaten: