Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 3. März 2017. Von PETER NINDLER. "Rambazamba in der Fastenzeit".

Innsbruck (OTS) - Rechts- oder Linkswalzer? In der Fastenzeit wird in Tirol politisch getanzt und gepoltert. ÖVP-Wirtschaft und die FPÖ nehmen im Vorwahlkampf die Grünen ins Visier und VP-Chef Platter in die Zange. Die SPÖ ist mit Thomas Pupp schon ausgerutscht.

ÖVP-Wirtschaftsbundchef Franz Hörl hat ein persönliches Problem: Er überpoltert oft seine politischen Inhalte. Die aktuelle Zuspitzung symbolisiert allerdings den Zustand auf dem landespolitischen Parkett. Es wird bereits der Wahlkampf-Walzer getanzt und vor allem in der Volkspartei tänzeln sich die einzelnen Akteure in Stellung. Da kann Parteichef und Landeshauptmann Günther Platter noch so sehr ein Bündnis der positiven Kräfte beschwören, Rambazamba-Hörl tanzt meist aus der Reihe. Aber an vorderster Front, wenn es um eine Allianz gegen die Fortsetzung der schwarz-grünen Regierungskoalition nach der Landtagswahl 2018 geht.
Hörl und die Freiheitlichen nehmen damit die Grünen ins Visier und den ÖVP-Chef in die Zange. Der Wirtschaftsbundobmann, weil er mit der grünen Umweltpolitik nichts anfangen kann, und deshalb den Koalitionspartner als Entwicklungsbremse im Land abstempelt. Die Freiheitlichen wiederum dienen sich der ÖVP fast schon an. Ihr Vehikel ist seit Monaten die Asyl- und Sicherheitspolitik, gebetsmühlenartig werfen sie den Grünen Versagen vor. In Wirtschaftsfragen stimmen sie weitgehend mit Hörl überein. Dessen Match mit AK-Präsident Erwin Zangerl ist hingegen ein ritualisiertes:
da die Wirtschaft, dort die Arbeitnehmervertretung. Zugleich sind der Zillertaler und der Arbeiterkämmerer ähnlich gepolte Alphatiere in der Volkspartei. ÖVP-Arbeitslandesrat Johannes Tratter kann ein Lied von Zangerls Anfeindungen singen.
Und die Grünen? Die könnten eigentlich genüsslich die Richtungswahl zelebrieren. Schließlich wollen Teile der ÖVP zu den Blauen schwenken, die Freiheitlichen zur ÖVP. Die Warnung vor dem Schreckgespenst Rechtsruck wird jedoch zu wenig sein, zumal die Opposition den Grünen stets vorhält, in der Koalition mit der ÖVP von ihren Grundsätzen abzurücken und regelmäßig umzufallen. Wer derart von allen Seiten politisch angegriffen wird, kann sich freilich im Wahlkampf profilieren.
Die SPÖ wird es so oder so schwer haben, sich in dieser politischen Gemengenlage zu positionieren. Der Rückzug von Thomas Pupp als Bürgermeisterkandidat in Innsbruck trifft Parteichefin Elisabeth Blanik vordergründig auf dem falschen Fuß. Vielleicht schafft sie es dennoch, als Person im Wahldoppel auch in Innsbruck zu strahlen. Wenn nicht, ist die Konsequenz ohnehin eine bisher verabsäumte Totalerneuerung der SPÖ in der Landeshauptstadt. Der Linkswalzer wird für Blanik und Co. 2018 jedenfalls zur großen Bewährungsprobe.

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