„Wir schleifen in Salzburg Rohdiamanten“

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz über die Philosophie der Fußballclubs Salzburg und Leipzig und ambitionierte Hallenpläne gemeinsam mit Bayern-München.

Salzburg (OTS/SN) - Richard Oberndorfer

Die „Salzburger Nachrichten“ trafen Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz exklusiv zum Gespräch. Teil 1 des Interviews lesen Sie in der SN-Samstagsausgabe.

SN: Eine Woche vor der Rückrunde in der deutschen Fußball-Bundesliga liegt RB Leipzig auf Rang zwei. Haben Sie mit diesem Erfolgslauf bisher gerechnet?

Dietrich Mateschitz: In dieser Größenordnung habe ich damit nicht gerechnet. Dass wir bis zum Frühjahrsstart nur drei Punkte hinter Bayern München liegen, ist schon großartig. Umgekehrt muss man sagen, dass wir schon in der zweiten Liga gesehen haben, dass die Mannschaft Potenzial für die erste hat. Wir halten auch an unserer Philosophie mit jungen Talenten ohne große Namen und Budget fest.

SN: Haben sich nach dem Ligaverlauf bisher von RB
Leipzig die Ziele für die Saison geändert?

Dietrich Mateschitz: Das erklärte Ziel bleibt, in der ersten Liga zu bleiben und nichts mit dem Abstieg zu tun zu bekommen. Wir wollen uns im zweiten Tabellendrittel etablieren und natürlich ist das Ziel ein Platz im internationalen Geschäft. Wichtig war, dass wir am Anfang der Saison gleich zwei, drei Partien nicht verloren haben – das hat in der Mannschaft Freude und Motivation ausgelöst.

SN: Jetzt heißt es, den Schwung zum Ligaauftakt kommenden Samstag gegen Frankfurt mitzunehmen – dort trifft man auf Chefcoach Niko Kovač, der in Salzburg auch Co-Trainer war.

Dietrich Mateschitz: Das wird ein wichtiges Heimmatch für die Fangemeinde. Niko Kovač ist ein hervorragender Trainer, der aus einer abstiegsbedrohten Mannschaft viel herausgeholt hat. Wir haben aber gute Chancen.

SN: War Trainer Ralph Hasenhüttl für RB Leipzig ein Glücksgriff?

Dietrich Mateschitz: Ursprünglich hatten wir zwei, drei Kandidaten gehabt. Wir haben uns dann für Ralph Hasenhüttl entschieden, nicht nur, weil er Steirer ist (lacht), sondern weil er bei Ingolstadt einen sehr guten Job gemacht hat. Er hat bei RB Leipzig den Reiz der Aufgabe erkannt. Seine Arbeit ist fantastisch und er hat einen guten Zugang zur Mannschaft.

SN: Die Entwicklung bei RB Leipzig ist eigentlich so, wie Sie sich es in vollem Umfang auch für Salzburg gewünscht hätten. Wie sehen Sie hier die Entwicklung?

Dietrich Mateschitz: Schon allein wegen der Liga ist in Österreich ein Vergleich schwer. Wir haben aber auch in Salzburg eine ähnliche Philosophie wie in Deutschland: Wir wollen auf junge Spieler setzen und die Qualität in der Nachwuchsakademie in Liefering aufbauen. Dazu haben wir ein funktionierendes und gutes Talentscouting. Aber es ist absurd zu glauben, dass man junge Spieler, die oft schon nach einem halben Jahr ein Angebot aus dem Ausland bekommen, in der österreichischen Liga halten kann. Das ist ein limitierender Faktor.

SN: Die Mannschaft hat zwar gegen Zagreb den Einzug in die Champions League unglücklich verpasst, aber: Ist nur mit jungen Spielern das internationale Geschäft zu erreichen?

Dietrich Mateschitz: Das gegen Zagreb war wirklich genauso unglücklich wie damals gegen Donezk (2007, Anm.). Ich meine, eine junge Mannschaft hat vermutlich in großen Spielen mehr Angst, das war letztendlich das Entscheidende. Dennoch ist es wichtig, viele Spieler zu haben, die noch ihre Karriere vor sich haben und nicht hinter sich und vielleicht deshalb nicht mit ganzem Herzen dabei sind. Dennoch hätte es für einen Erfolg um den Einzug in die Champions League ein bis zwei Routiniers gebraucht.

SN: Verstehen Sie die Fans, die kritisieren, dass die Mannschaft in Salzburg häufig zugunsten Leipzig ausgedünnt wird? Immer weniger Zuschauer kommen ins Stadion.

Dietrich Mateschitz: Der Zuschauerrückgang in Salzburg ist für den Verein ein Schadensfall. Diese Entwicklung ist für mich zwar verständlich, dennoch muss man festhalten, dass die Zuschauer guten Fußball in Salzburg gezeigt bekommen. Wir haben hier Rohdiamanten gesehen, die wir erst geschliffen haben. Wer hat vorher einen Keïta oder einen Mané gekannt? Upamecano ist – wie ich höre – international auch heiß umworben gewesen. Wir erlösen pro Jahr rund 40 Millionen Euro durch Spielerverkäufe, da kann ich das Vereinsbudget sogar reduzieren.

SN: Jetzt könnte aber Leipzig bald in die Situation wie Salzburg geraten, wenn die Begehrlichkeiten anderer Clubs steigen und Leipzig Leistungsträger abhanden kommen.

Dietrich Mateschitz: So ist das Geschäft. Aber wir werden versuchen, in Leipzig die Spieler zu halten und mitzubieten. Noch dazu kommt, dass die deutsche Liga eine attraktive Liga ist und viele trotz verlockender Summen hierbleiben wollen.

SN: Immer wieder wird kolportiert, dass Sie einen Club aus der englischen Premier League kaufen wollen. Diesmal ist von West Ham United die Rede. Was ist an diesem Gerücht dran?

Dietrich Mateschitz: Überhaupt nichts. Das ist nicht einmal Kaffeesudlesen. Es wäre sogar eine außerordentliche Dummheit, nach dem erfolgreichen Engagement in Leipzig jetzt auch an irgendeine Ergänzung in England zu denken. Das wäre sportlich falsch. Alles ineinander zu vermischen würde dann auch irgendwann einmal nicht mehr den UEFA-Richtlinien entsprechen.

SN: Was sagen Sie zum Millionenwahnsinn in der Fußballwelt? Zuerst England, dann lockt China mit vielen Millionen.

Dietrich Mateschitz: Es gibt offensichtlich immer einen, der mehr zahlt.

SN: Für viel Interesse hat Ihr gemeinsames Hallenprojekt mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß gesorgt. Ist das Projekt Mehrzweckhalle in München (für Eishockey und Basketball, Anm.), die vor drei Jahren von Bayern München abgelehnt wurde, jetzt auf Schiene?

Dietrich Mateschitz: Das Hallenprojekt wurde nicht abgelehnt, es war nur drei Jahre lang kein Thema. Ja, es stimmt, und Uli Hoeneß ist wieder der Motor des ganzen Projekts. Red Bull wird das alte Radstadion beim Olympiapark für Eishockey und Basketball bauen. Wir werden die Halle mit 10.000 Plätzen um rund 100 Millionen Euro vorfinanzieren. Refinanzieren wollen wir die Halle durch Mieteinnahmen von EC Red Bull München, die Basketballer von Bayern München und die Stadt. München ist ambitioniert. Eine Eröffnung haben wir uns für 2019 vorgenommen.

SN: Sie scheinen zu Uli Hoeneß ein außergewöhnlich gutes Verhältnis zu haben. Trotz der Konkurrenz in der Liga.

Dietrich Mateschitz: Uli Hoeneß ist wieder die Seele und das Gehirn des FC Bayern. Und er ist analytisch und intellektuell treffsicher.

SN: Noch eine private Frage: Was wünschen Sie sich persönlich für das Jahr 2017?

Dietrich Mateschitz: Wenn alles so bleibt, wie es ist, dann ist es gut.

Interview Teil 2: Am Montag lesen Sie in Teil 2 des Interviews:
Dietrich Mateschitz über die Zukunft der Formel 1 und warum Red Bull bald wieder vorn dabei sein wird.

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