Anzahl der unbegleiteten oder von ihren Familien getrennten Kinder, die über das Meer nach Italien kamen, hat sich 2016 verdoppelt.

91 Prozent der geflüchteten und migrierten Kinder, die 2016 über das Meer nach Italien gekommen sind, waren unbegleitet. U

Lampedusa/Wien (OTS) - Rund 25.800 unbegleitete oder von ihren Familien getrennte Kinder sind im Jahr 2016 über das Meer nach Italien gekommen. Das sind mehr als doppelt so viele als im Jahr davor – 2015 waren es noch 12.360. Unbegleitete und schutzlose Kinder machen 91 Prozent der 28.200 Mädchen und Buben, die 2016 als Flüchtlinge oder MigrantInnen an der Küste Italiens angekommen sind, aus.

„Diese Zahlen zeigen einen alarmierenden Anstieg hochgefährdeter Kinder, die ihr Leben riskieren, um nach Europa zu kommen“, so Lucio Melandri, UNICEF Senior Emergency Manager. „Die derzeitigen Systeme schaffen es nicht, diese Kinder, die ganz alleine in einer völlig fremden Umgebung sind, zu schützen. Da sie auf der Flucht sind, ist eine koordinierte, europäische Antwort auf diese Problematik notwendig, damit sie sicher sind.“

Der Großteil dieser unbegleiteten und schutzlosen Kinder kam im vergangenen Jahr aus vier Ländern: Eritrea, Ägypten, Gambia und Nigeria. Obwohl die meisten von ihnen Buben zwischen 15 und 17 Jahren waren, waren auch jüngere Kinder und Mädchen unter ihnen. Vor allem Mädchen sind der Gefahr, Opfer von sexueller Ausbeutung und Missbrauch zu werden, ausgesetzt. Dazu zählt auch sexuelle Ausbeutung durch kriminelle Banden. Mehrere Mädchen, die von UNICEF-MitarbeiterInnen in Palermo befragt wurden, gaben an, dass sie in Libyen zur Prostitution gezwungen wurden, um die Kosten der Bootsfahrt über das Mittelmeer „zu bezahlen“. Viele der Buben, die in Libyen ankommen, werden gezwungen zu arbeiten.

Die Route über den zentralen Mittelmeerraum von Nordafrika nach Italien weist einen enorm hohen Anteil an unbegleiteten und schutzlosen Kindern auf der Flucht auf. Im Vergleich dazu sind nur 17 Prozent der geflüchteten und migrierten Kinder, die 2016 über das Meer Griechenland erreichten, unbegleitet ohne ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten angekommen.

„Die Präsenz von so vielen unbegleiteten und schutzlosen Kindern entlang der zentralen Mittelmeerroute ist beispiellos“, so Melandri. „Und es ist offensichtlich klar, dass wir ein ernstes und wachsendes Problem haben. Abgesehen von einer Bestandsaufnahme über die Faktoren, die Kinder dazu zwingen alleine ihr Zuhause zu verlassen, muss ein umfassender Schutz in Form eines Überwachungssystems entwickelt werden.“

UNICEF setzt sich weiterhin für die Umsetzung von sechs Forderungen zum Schutz und zur Hilfe von Kindern auf der Flucht ein:

• Geflüchtete und migrierte Kinder, insbesondere unbegleitete Kinder, müssen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden.

• Die Inhaftierung von Kindern aufgrund ihres Aufenthaltsstatus muss beendet werden. Es müssen praktische Alternativen zur Haft entwickelt werden, wenn Kinder (oder ihre Familien) involviert sind – denn eine Inhaftierung von Kindern (oder ihrer Eltern) hat oft schwerwiegende negative Auswirkungen auf ihre Entwicklung.

  • Die Wahrung der Familieneinheit ist der beste Weg, Kinder zu schützen und ihnen einen sicheren rechtlichen Status zu geben.
  • Alle geflüchteten und migrierten Kinder müssen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Betreuung haben.

• Fluchtursachen müssen umfangreich bekämpft werden.

• In den Transit- und Zielländern müssen Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Marginalisierung gefördert werden.

Fast 50 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind in Folge von Flucht und Migration entwurzelt – mehr als die Hälfte von ihnen (28 Millionen) wurden durch Konflikte aus ihrem Zuhause vertrieben. Millionen weitere Mädchen und Buben haben ihre Heimat auf der Suche nach einem besseren und sichereren Leben verlassen.

UNICEF Österreich bittet daher dringend um Spenden für Kinder auf der Flucht.

Spendenkonto:
UNICEF Österreich
AT46 6000 0000 0151 6500
„Kinder auf der Flucht"
http://www.unicef.at/unicef-hilft/kinder-auf-der-flucht/

Rückfragen & Kontakt:

Christian Lasser, lasser@unicef.at, +43 1 879 21 91 - 65

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