Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. Jänner 2017. Von NIKOLAUS PAUMGARTTEN. "Warum die Weisen farbig sein dürfen".

Innsbruck (OTS) - Wer der Katholischen Jungschar wegen schwarz geschminkter Sternsinger Rassismus unterstellt, der hat den Sinn des Mohren im Ensemble der Heiligen Drei Könige nicht verstanden: Es geht um die Darstellung der Vielfalt auf unserer Welt.

Blackfacing. In Deutschland 2014 zum Anglizismus des Jahres gewählt, ist über den Begriff zuletzt Ende Oktober wegen eines Beitrags in einer Fernsehsendung bei unseren nördlichen Nachbarn heftig diskutiert worden. Der Moderator hatte sich für einen Streich mit versteckter Kamera als Schwarzafrikaner verkleidet und so einen Kollegen aufs Glatteis geführt. Gemeint ist mit Blackfacing immerhin die Darstellung von Menschen mit schwarzer Hautfarbe durch dunkel geschminkte weiße Menschen. Seine Ursprünge hat das Blackfacing als Maskerade in den USA des 19. Jahrhunderts: Damals verkleideten sich weiße Darsteller in Shows als Schwarze und bedienten mit ihren Auftritten rassistische Vorurteile.
Ein Vorwurf, den man den Jungschargruppen, die dieser Tage als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen und Spenden sammeln, wohl kaum machen kann. Politische Korrektheit in allen Ehren – aber wer einen Weisen aus dem Morgenland darstellen will, soll sich auch das Gesicht schwarz oder gelb anmalen dürfen, ohne dass er oder sie sich Rassismus vorwerfen lassen muss. Und zwar nicht, weil es Tradition ist und immer schon so war. Dieses Argument würde zu kurz greifen und uns in vielen Bereichen sofort um Jahrzehnte oder weiter zurückwerfen. Was vielmehr zählt, ist die Tatsache, dass durch die unterschiedliche Hautfarbe der Heiligen Drei Könige die Vielfalt der Weltbevölkerung dargestellt werden soll. Mit all ihren Unterschieden in Kultur, Sprache und eben auch Aussehen. Ein schwarzer Melchior bedient also keine rassistischen Vorurteile, verfolgt kein politisches Credo, macht keine Aussagen über den Wert eines Menschen oder die Bedeutung seiner Herkunft, sondern stellt schlicht und einfach einen Schwarzafrikaner dar.
Ein Mitglied der Jury, die „Blackfacing“ 2014 zum Anglizismus des Jahres wählte, erklärte damals: „Jedes Mal, wenn ein schwarz geschminkter Weißer irgendwo auftritt, sagt das: Schwarze können das nicht. Schwarze kennen wir nicht. Schwarze gibt es in unserer Mitte nicht. Was Schwarze von dieser Rolle halten würden, wenn es sie in unserer Mitte gäbe, interessiert uns nicht.“ Das mag sehr wohl auf das klassische Blackfacing – etwa im Bereich des Theaters – zutreffen. Nicht aber auf Jungschargruppen, die aus Pfarren kommen, in denen sich schon längst Priester aus aller Herren Länder um ihre Schäfchen kümmern.

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