Wirtschaftskammer: Jetzt durchstarten für mehr Beschäftigung

Rückgang der Arbeitslosigkeit gutes Signal zu Jahresbeginn – Weitere Entlastung der Wirtschaft nötig, um weitere Arbeitsplätze zu schaffen

Wien (OTS) - Dass die Arbeitslosigkeit mit einem Rückgang von 0,9 % im Vergleich zum Vorjahr erneut leicht gesunken ist, ist für Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer (WKÖ), eine gute Neujahrsbotschaft, aber kein Grund sich auszuruhen. „2017 wird für den österreichischen Arbeitsmarkt erneut ein schwieriges Jahr. Um ein Sinken der Arbeitslosigkeit dauerhaft zu erreichen, braucht Österreich ein unternehmerfreundliches Klima mit einem arbeitsrechtlichen Umfeld, das den Betrieben die Schaffung von Jobs erleichtert. Nur so kann es gelingen, das oberste Ziel für 2017, die Senkung der Arbeitslosigkeit, zu bewältigen. Die Senkung der Lohnnebenkosten um 0,4% mit 1. 1. 2017 war ein erster wichtiger Schritt, dem noch weitere folgen müssen. Auch eine Senkung der Körperschaftsteuer wäre ein wichtiger Schritt, um die Betriebe zu entlasten, wettbewerbsfähiger zu machen und somit mehr Chancen für Beschäftigung zu schaffen“.

Beschäftigungsfreundliches Arbeitsrecht

Das Beschäftigungsplus Ende Dezember (+ 1,8 % im Vorjahresvergleich) ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Im vergangenen Jahr gab es zwei Sondereffekte, zum einen die Steuerreform, die den privaten Konsum ankurbelte, zum anderen die Ausgaben im Zusammenhang mit der letzten Flüchtlingswelle. Beide Effekte konnten die Konjunkturflaute 2016 mildern, werden aber nicht unbegrenzt anhalten. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen, die auf den Arbeitsmarkt strömen, weiter wachsen. Aktuelle Prognosen gehen von zusätzlichen 60.000 Arbeitssuchenden aus. „Der erwartete Anstieg des Arbeitskräftepotenzials 2017 wird eine Herausforderung. Je besser die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe sind, desto eher kann es ihnen gelingen, die notwendigen zusätzlichen Jobs zu schaffen.“

„Um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir bessere arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen, die Beschäftigungshürden abbauen,“ fordert Gleitsmann eine echte Flexibilisierung der Arbeitszeit und beschäftigungsfördernde Unterstützungs-Maßnahmen für die heimischen Betriebe. Um die Beschäftigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu fördern, sollten Betriebe mit schwangeren Mitarbeiterinnen, die auf Grund eines Berufsverbotes nicht mehr arbeiten dürfen, zudem finanziell entlastet werden. „Es kann nicht sein, dass Arbeitgeber in solchen Fällen das Entgelt ungekürzt weiter zahlen müssen“, kritisiert der WKÖ-Experte.

Steigende Beschäftigte 50+

Im Dezember 2016 waren fast 50.000 Personen im Alter über 50 Jahre mehr in Beschäftigung. „Das ist eine Steigerung um plus 5,5 % im Vorjahresvergleich, und damit eine überdurchschnittlich gute Entwicklung. Es zeigt sich, dass die im letzten Jahr gesetzten Maßnahmen, insbesondere der verstärkte Einsatz der Eingliederungsbeihilfe, richtige Schritte waren, um ältere Arbeitssuchende wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren,“ so Gleitsmann. Aus den unterschiedlichsten Gründen haben es ältere Arbeitslose schwerer am Arbeitsmarkt, wieder Fuß zu fassen. Einer der Hauptgründe ist der verstärkte Kündigungsschutz. „Will man die Beschäftigung Älterer künftig besser fördern, sollte ihr Kündigungsschutz gelockert werden,“ fordert Gleitsmann.

Regionale Unterschiede werden immer deutlicher

Die regionalen Unterschiede am Arbeitsmarkt zeigen sich immer deutlicher mit einem wesentlich stärkeren Rückgang der Arbeitslosen im Westen, besonders stark sinkt sie in Salzburg und Tirol. Diese Entwicklung spiegelt sich bei den dem AMS gemeldeten offenen Stellen wider. Den größten Zuwachs gab es in Salzburg und Tirol. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, diese offenen Stellen zu besetzen. „Die Jobchancen finden sich immer mehr am Land und nicht in der Großstadt. Hier braucht es dringend ein Umdenken und mehr Mobilität,“ so Gleitsmann. „Mit der beschlossenen Aufstockung der AQUA-Ausbildungen, d.h. jener Ausbildungen, die in direkter Kooperation mit Betrieben stattfinden, um 6.500 Plätze für 2017/18 hat das AMS den richtigen Schritt gesetzt. Damit werden die Menschen künftig verstärkt direkt in den Betrieben und Regionen, wo sie gebraucht werden, ausgebildet.“

2017 werden voraussichtlich rund +30.000 Personen, die im Zuge der Flüchtlingswelle nach Österreich gekommen sind, am österreichischen Arbeitsmarkt, in erster Linie in Wien, landen. „Die zentrale Herausforderung wird es sein, die geflüchteten Menschen in Beschäftigung zu bringen. Da es die meisten offenen Stellen bekanntlich nicht in Wien, sondern im Westen Österreichs gibt, wird die Forcierung der überregionale Vermittlung besonders für diese Personengruppe ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein,“ resümiert Gleitsmann. Und Betriebe, welche Migranten beschäftigen, sollten deren Mindestsicherung eine Zeit lang als Integrationsprämie erhalten. Dafür würden die Migranten nach Kollektivvertrag entlohnt. (PWK004/PM)

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