Gesundheitsförderung in der überbetrieblichen Lehrausbildung: Ein Schritt zu mehr gesundheitlicher Chancengerechtigkeit

Der Fonds Gesundes Österreich präsentiert die Ergebnisse seiner Initiative und zeigt, wie die Gesundheit von Lehrlingen positiv beeinflusst werden kann.

Wien (OTS) - Ein 35-jähriger Akademiker kann nach Berechnungen der Statistik Austria ein durchschnittliches Sterbealter von 83,9 Jahren erwarten, ein gleichaltriger Pflichtschulabsolvent dagegen eines von nur 76,9 Jahren. Die Differenz beträgt somit 7 Jahre, bei Frauen sind es 2,8 Jahre. „Um den Unterschied in der Lebenserwartung zu verringern, ist es ein vorrangiges Ziel des Fonds Gesundes Österreich, sozioökonomisch benachteiligte Personengruppen mit Gesundheitsförderungsmaßnahmen zu erreichen“, so Sabine Oberhauser, Gesundheitsministerin und Präsidentin des Fonds Gesundes Österreich (FGÖ). Dazu zählen Jugendliche, die am herkömmlichen Arbeitsmarkt keine Lehrstelle finden. In Einrichtungen der überbetrieblichen Lehrausbildung haben diese die Chance, eine Lehre abzuschließen. „Das ist ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des in den zehn Rahmen-Gesundheitszielen formulierten Ziels 2: Für gesundheitliche Chancengerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und sozioökonomischen Gruppen, unabhängig von der Herkunft, und für alle Altersgruppen zu sorgen“, so Oberhauser.

Die Transferinitiative Health4You - Gesundheitsförderung für Jugendliche in arbeitsmarktbezogenen Settings

Mit der Transferinitiative „Health4You - Gesundheitsförderung für Jugendliche in arbeitsmarktbezogenen Settings“ hat der FGÖ einen Schwerpunkt auf die Gesundheitsförderung von Lehrlingen gerichtet, die in arbeitsmarktbezogenen Jugendmaßnahmen ausgebildet werden. Grundlage dafür war ein erfolgreiches Pilotprojekt der Lehrlingsstiftung Eggenburg in Niederösterreich. Ziel der zweijährigen Transferinitiative war es, das erfolgreiche Konzept in vergleichbare Einrichtungen zu übertragen und Gesundheitsförderung in diesen Einrichtungen zu verankern.

Insgesamt haben acht Trägereinrichtungen in drei Bundesländern teilgenommen und jeweils ein zweijähriges Gesundheitsförderungsprojekt durchgeführt. Insgesamt wurden acht Projekte in drei Bundesländern erfolgreich umgesetzt. Damit wird sowohl die Gesundheit der Jugendlichen, als auch die der Mitarbeiter/innen gefördert.

Zum Projektstart wurde eine Umfrage unter den Jugendlichen durchgeführt, die den Bedarf für gezielte gesundheitsfördernde Maßnahmen untermauerte: Die subjektive Einschätzung des Gesundheitszustandes war bei den Befragten in den acht teilnehmenden Einrichtungen deutlich schlechter als bei Gleichaltrigen. 17 % geben an, „sehr gesund“ zu sein, nur etwa halb so viele wie Altersgenossen. Gesundheitsschädliches Verhalten wie Rauchen oder Alkoholkonsum findet sich hingegen deutlich häufiger, besonders bei den befragten weiblichen Jugendlichen.

Bei der Umsetzung ging es um Themen, wie Bewegung, Ernährung, Mobbing, Sucht, Rauchen, Stressbewältigung und Selbstbewusstsein, Soziale Kompetenz. An diesen Schlüsselkompetenzen wurde gearbeitet durch Workshops, Sport- und Erlebnistage, Outdooraktivitäten, Sportveranstaltungen, Gruppencoachings. Es stellte sich auch heraus, dass die Maßnahmen in allen Einrichtungen aufgrund unterschiedlicher Strukturen angepasst werden mussten, da keine Einrichtung der anderen völlig gleicht.

Verbessert hat sich durch das Projekt aus Sicht der Jugendlichen:

  • Die räumliche Situation
  • Die Zusammenarbeit mit den anderen Jugendlichen
  • Das Persönliche Gesundheitsverhalten
  • Die Zusammenarbeit mit den Ausbildnerinnen und Ausbildnern
  • Die Mitsprachemöglichkeit

Zusammengefasst sind die Themen, Maßnahmen und Ergebnisse der zweijährigen Laufzeit im Handbuch „Gesundheitsförderung für Jugendliche in arbeitsmarktbezogenen Settings“, das beim FGÖ kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden kann (fgoe@goeg.at; www.fgoe.org).

Finanziert wurde die Initiative vom FGÖ, dem AMS, dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, der SGKK, der StGKK und der WGKK, sowie dem Land Steiermark und der Wiener Gesundheitsförderung.

Sozialpolitik ist auch Gesundheitspolitik

„Das Arbeitsleben ist eng verwoben mit der Gesundheit der Menschen. Nicht nur wirkt sich sinnstiftende Arbeit auf die Gesundheit der Menschen positiv aus. Mit dem Programm „fit2work“ fördert das Sozialministerium gesunde, nachhaltige Arbeitsplätze. Mit dem Fokus auf berufliche und medizinische Reha stärken wir die Chance auf ein langes, erfolgreiches Berufsleben“, betont Sozialminister Alois Stöger. Für diesen ganzheitlichen Gesundheits-Ansatz sei das Sozialministerium ein aktiver Partner.

„In der Gesundheitsreform haben sich Bund, Länder und Sozialversicherung dazu bekannt, dass wir die Gesundheitsorientierung in Österreich stärken und wirksame Maßnahmen breit umsetzen. Health4You ist hierbei ein gutes Beispiel dafür, dass wir gemeinsam im Sinne der Chancengerechtigkeit und der Gesundheit viel erreichen können“, hebt Dr. Josef Probst, Generaldirektor im Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, hervor.

Auch die Bundesländer Wien und Steiermark haben Gesundheitsziele beschlossen in denen es ein zentrales Ziel ist, die Chancen auf ein gesundes Leben von sozial benachteiligten Gruppen zu verbessern.

Die Wiener Stadträtin für Gesundheit, Soziales und Generationen Sonja Wehsely dazu: „Alle Kinder und Jugendlichen sollen gleichermaßen Zugang zu bester Bildung haben, unabhängig von der Herkunft und dem Einkommen der Eltern. Wien lässt die Jugendlichen nicht im Stich, sondern unterstützt sie am Weg in ihre berufliche Zukunft. Health4You zeigt, wie dabei auch die Gesundheit gefördert werden kann.“

Der steirische Gesundheitslandesrat Christopher Drexler betont: „Die gesundheitliche Ungleichheit kann auch zu politischen und gesellschaftlichen Spannungen führen, daher will das Gesundheits-ressort des Landes Steiermark zielorientiert gegensteuern. Die Transferinitiative hat deshalb Vorbildcharakter, da eine sozioökonomische benachteiligte Zielgruppe treffsicher erreicht wird.“

„Die Ausbildungsorte von Lehrlingen sind eine Lebenswelt, in der es nicht nur um das Erlernen eines Berufes, sondern auch um zentrale Erfahrungen in Bezug auf soziale Kompetenzen, soziale Spielregeln und Lebenserfahrungen geht. Diese gesundheitsrelevanten Faktoren konnten im Rahmen der Transferinitiative positiv beeinflusst werden und sind ein Schritt zu mehr gesundheitlicher Chancengerechtigkeit“ resümiert Klaus Ropin, der Leiter des FGÖ.

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