Experten sehen positive Skisport-Zukunft für Österreich

Meteorologische und statistische Daten sprechen für unverändert stabile Voraussetzungen – Studie zeigt dramatische wirtschaftliche Auswirkungen bei Schließung von Skigebieten

Wien (OTS) - Punktgenau zum jüngsten Gruß des Winters drehte sich heute ein Pressgespräch des Fachverbandes der Seilbahnen Österreichs in der WKÖ mit heimischen Experten um die Schneesituation auf Österreichs Bergen. Fachverbands-Obmann Franz Hörl und Obmann-Stellvertreter Hannes Parth (Vorstand der Silvretta Seilbahn AG) betonten die Wichtigkeit von faktenbasierten Argumenten in der Diskussion um den Klimawandel: Amtliche Messdaten aus österreichischen Wintersportorten zeigen über die letzten 100 Jahre keine signifikanten Änderungen bei der Schneesituation in Österreichs Bergen und regionale Klimasimulationen eignen sich nicht für zuverlässige Prognosen. „Das Klima der Alpen wird also viel mehr über die natürlichen, nicht berechenbaren Klimavariationen bestimmt. Das ist immer zu betonen, denn immerhin geht es um die Zukunft einer der erfolgreichsten österreichischen Branchen und um künftige Beschäftigungsgrundlagen im alpinen Raum“, so Hörl.

Experte: „Gibt keine realistischen Gründe, den alpinen Wintersport in Frage zu stellen“

Für den Innsbrucker Meteorologen Christian Zenkl steht fest: „Alle Aussagen über die Klimazukunft basieren auf den sogenannten Klimamodellen. Diese sind bis heute nicht in der Lage, die beobachteten, natürlichen Klimavariationen über Dekaden und Jahrhunderte zu simulieren. Weder in Qualität noch Quantität.“ Hinzu komme, dass die zukünftige regionale Klimaentwicklung nochmals wesentlich unsicherer sei als bei globalen Ansichten. Denn hier wird das Wetter und Klima nach wie vor von natürlichen, nicht vorhersagbaren Klimaschwankungen dominiert. Daher entbehre es jeglicher Grundlage, das Ende des Schnees auf den Bergen und damit des Skisports als unausweichliches Szenario festzuschreiben. „Es sind die Wetterlagen die entscheiden, ob ein Sommer heiß und sonnig wird, oder ein Winter kalt und schneereich. Die kommenden 20 Winter können also genau so gut schneereicher werden, als die letzten 20. Aus meteorologischer Sicht gibt es keine realistischen Gründe, den alpinen Wintersport für zumindest die kommenden ein bis zwei Generationen in Frage zu stellen“, so der Experte.
„Milde Winter können zudem sehr schneereich sein und kalte sehr trocken. Die Temperaturen alleine sagen wenig bis gar nichts über die winterlichen Schneefälle aus. Kalte Wetterlagen bleiben auch in Zukunft ausreichend kalt für Schneefälle und für die technische Schneeproduktion.“

Das Fazit des Meteorologen: „Allen Unkenrufen zum Trotz zeigen die alpinen Winter keine auffälligen Klimatrends, und in absehbarer Zukunft wird sich daran nichts Gravierendes ändern. Die Daten beweisen, dass der alpine Wintersport gesund und gegen die Launen der Natur mittels Schneekanonen sehr gut gerüstet ist.“

Österreichische Messdaten zeigen keine Veränderung seit hundert Jahren – Schweizer Studie mit „Schönheitsfehler“

Skitourismus-Forscher Günther Aigner hat sich zur Analyse der Situation den amtlichen Schneemessreihen heimischer Skiorte gewidmet und das vorhandene Datenmaterial ausgewertet. Das Ergebnis: „Die jährliche Anzahl der Tage mit Schneebedeckung hat sich in den sechs ausgewerteten amtlichen Schneemessreihen während der vergangenen 100 Jahre nicht signifikant verändert. Im Mittel der untersuchten Messreihen war das Messfeld seit 1916/17 an 144 Tagen im Jahr mit Schnee bedeckt.“ Sichtbar werde auch die auffallende Häufung von langer Schneebedeckung in den 1970er-Jahren. Dies sei, so Aigner, auch Grund dafür, weshalb jüngst eine Studie des Schweizer Instituts für Lawinenforschung (LSF) für Aufsehen sorgte.
„Diese ging von genau dieser Phase aus und kam daher zur Aussage, dass die Schneemengen bis heute deutlich abnahmen“, erklärt Aigner. „Auch in Österreich hat sich die jährliche Anzahl der Tage mit Schneebedeckung an den sechs ausgewerteten amtlichen Schneemessreihen von 1970/71 bis 2015/16 im linearen Trend von 158 auf 132 Tage verringert. Bei dieser Betrachtung darf jedoch nicht vergessen werden, dass in den 1970er Jahren in Österreichs alpinen Regionen die Anzahl der Tage mit Schneebedeckung ein Maximum aufweist. Der Trend ist somit auch zum Beginn der Aufzeichnungen hin fallend“, analysiert Aigner, der die hundertjährige Entwicklung daher als wesentlich aussagekräftiger hält.

Studie im tourismusintensiven Bezirk Landeck zeigt dramatische Auswirkungen bei Wegfall der Seilbahnen

Wie wichtig diese Voraussetzungen als Existenzgrundlage der Seilbahnen und für den heimischen Wirtschafts- und Arbeitsstandort sind, zeigt eine Studie von MANOVA, die von der Silvretta Seilbahn AG in Auftrag gegeben wurde. Diese sollte die Auswirkungen der Schließung aller zehn Skigebiete im tourismusintensiven Tiroler Bezirk Landeck errechnen. Bei 44.186 Einwohnern und 17.664 Arbeitsplätzen verzeichnet dieser eine Netto-Wertschöpfung von 790 Millionen Euro. „Bei Schließung aller zehn Seilbahnunternehmen im Bezirk entfallen 857 Millionen Euro an Bruttoumsätzen, am meisten bei Beherbergung, Seilbahnen und Gastronomie“ ,so Parth. Neben den für den Staat entfallenden 105 Millionen Euro an Umsatzsteuer führt der Wegfall auch zu dramatischen Folgen für die Vorleisterbetriebe, wie Bäcker, Schlosser, Baugewerbe, Handel und vieles mehr. Das traurige Bild des Bezirks: 1.540 Arbeitsplätze entfallen direkt bei den Seilbahnen, von 1.682 Betrieben in Beherbergung und Gastronomie müssten voraussichtlich 1.030 relativ unmittelbar schließen, wodurch weitere 4.289 Arbeitsplätze unwiederbringlich verlorengehen. „Insgesamt wären auf einen Schlag rund 40 Prozent der Wertschöpfung und der Arbeitsplätze in der Region dahin“, skizziert Parth. Bezieht man dabei noch die unausweichlichen Verluste der Vorleisterbranchen ein, verschärft sich die Situation nochmals deutlich: bei Ausfall der theoretisch möglichen 400 Millionen Euro an Vorleistungen verliert der Bezirk 2/3 der Wertschöpfung und 80 Prozent der Arbeitsplätze. Selbst bei der realistischen Annahme von einem 50-prozentigen Bezug an Vorleistungen aus dem eigenen Bezirk wäre ein Wertschöpfungsverlust von 80,8 Millionen Euro und 2.660 verlorengegangene Arbeitsplätze die Folge. „Ein Ende der Seilbahnen wäre damit zugleich auch das Ende eines lebensfähigen und lebenswerten Bezirks, Abwanderung wäre die logische Konsequenz“, bilanziert Parth.

Für Hörl ist dies Bestätigung für die erfolgreiche Arbeit der heimischen Seilbahnunternehmen. „Sie haben in dieser Saison 710 Millionen Euro in weitblickende Projekte, die Modernisierung und in Schneesicherheit investiert. Dieses beinahe ausschließlich privat finanzierte Volumen bringt Stabilität am ländlichen Arbeitsmarkt und Perspektiven für Regionen, die ohne Tourismus in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung massiv eingeschränkt sind“.(PWK934/PM)

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